Sonntag, 5. September 2021

🎧 Hörbares: Der römische Limes -- Der ORF und Nero, ein 44-minĂŒtiges Trauerspiel -- Die Geschichte der deutschen Sprache -- Der Untersberg und die Berggeister -- usw.



 Der Limes - Die Außenhaut des Römischen Reichs | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die deutsche Sprache - Deutsch und seine lange Geschichte | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 JĂŒdische Philosophie - Von Philon von Alexandria bis heute | Spieldauer 25 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Geschichte des BildungsbĂŒgertums - Wissen als WĂ€hrung | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Bildung schĂŒtzt vor Blödheit nicht - wie etwa die Geschichte des 20. Jahrhunderts eindrucksvoll belegt. Besonders dann nicht, wenn das staatliche Bildungssystem zur Obrigkeits- und AutoritĂ€tsglĂ€ubigkeit erzieht, anstatt zum Selberdenken und zur kritischen Distanz. Die grĂ¶ĂŸten und meisten BlindgĂ€nger findet man dementsprechend an den Unis. Also in einem Personenkreis, der der staatlichen Indoktrination zeitlich am lĂ€ngsten ausgesetzt ist. Es hat eben seine GrĂŒnde, warum gewisse politische Parteien, welche einst als FĂŒrsprecher der sogenannten "kleinen Leute" groß wurden, mittlerweile die manuelle Arbeit insgeheim verachtet und stattdessen - losgelöst von den Erfordernissen des Arbeitsmarktes - ein möglichst langes Verharren im Bildungssystem predigen. Dass sie selbst mittlerweile in diesem die Diskurshoheit besitzen ist dabei sicher nur reiner Zufall ...

 Der Untersberg und die Berggeister - Alte Kulte und hohe Berge | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Cortez und Malinche, die Urmutter der Mexikaner | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Fuggerei in Augsburg - Die Ă€lteste Sozialsiedlung der Welt | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

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 Die Akte Nero - Auf den Spuren einer antiken Verschwörung | Spieldauer 44 Minuten | ORF | Stream & Info 
Der obige Link passt eigentlich nicht zu diesem Blog-Posting, weil es sich dabei um keine Audio-Sendung, sondern um ein Video handelt. Aber der ORF löscht dieses in seiner unendlichen Weisheit sehr bald aus der Mediathek, sodass die Zeit drĂ€ngt. Auf jeden Fall kann man sich die Doku ĂŒber Nero ja mal ansehen, obwohl bereits der Vorspann eher abschreckt, da er mit feministischen 'Woke'-Elemente vollgepumpt wurde; z.B. einer Wikingerkriegerin, die laut Fachleuten wie Rudolf Simek und Matthias Toplak quasi die evidenzbefreite Wunschvorstellung einer aktivistischen Journaille ist, die ihren epischen Kampf gegen traditionelle Rollenbilder lĂ€ngst auch in der Vergangenheit fĂŒhrt.
Die Spielszenen der Doku wurden ĂŒbrigens eindeutig in Carnuntum gedreht. Das passt freilich nicht wirklich zum in der frĂŒhen Kaiserzeit lebenden Nero, weil die Rekonstruktionen in diesem Freilichtmuseum spĂ€tantik sind. Auch war Nero - anders als er hier dargestellt wird - nicht immer rank und schlank, sondern zumindest in seinen spĂ€ten Jahren ein Dickwanst. Z.B. konnten nicht einmal die auf Beschönigung abzielenden zeitgenössischen Darstelllungen des Kaisers sein großes Doppelkinn verbergen (hierzulande auch "Goder" genannt). Und die Behauptung, Nero sei ein Herrscher mit modernen Ideen gewesen, ausgerechnet damit zu untermauern, dass er Markthallen (Basiliken) und Thermen hat bauen lassen, geht wirklich kaum noch dĂŒmmer. Das gehörte schließlich zum Standardprogramm römischer Monarchen, angefangen bei Augustus.
Überhaupt wird die geringe Vertrautheit der Dokumacher mit den antiken Quellen an allen Ecken und Enden sichtbar. Auch Unlogik und schlichte Ignoranz stechen gelegentlich hervor. Hier ein besonders anschauliches Beispiel: Ab ca 05:00 geht es fĂŒr einige Minuten um die Vergiftung von Neros Stiefbruder Britannicus im Rahmen eines Gelages. Nun heißt es ausdrĂŒcklich beim antiken Geschichtsschreiber Tacitus (Annalen XIII,16) - auf den man sich in dieser Doku unentwegt beruft -, dass besagter Britannicus dabei an einem Tisch saß. Der ORF lĂ€sst ihn hingegen auf einer Kline liegen. Und weiter gehts: Das verwendete Gift - behaupten die öffentlich-schlechtlichen Rundfunker - hĂ€tte unbedingt farblos sein mĂŒssen, damit es nicht auffĂ€llt, nachdem es in das Wasser geschĂŒttet wurde, mit dem man wiederum den absichtlich zu heiß servierten Trank von Britannicus verdĂŒnnte. Mit den vorhandenen Gift-Pflanzen sei das dazumal jedoch nicht machbar gewesen. Wirklich? Ich darf hier nur an die in der Antike bekannte Verwandlung von Rot- in Weißwein mittels Bohnenmehl, Eiweiß oder Rebholzasche erinnern, wie sie im Kochbuch von Apicius beschrieben wird (De re coquinaria I,6). Wenn man damals zu so etwas imstande war - Rotwein ist schließlich ein recht starker Farbstoff -  dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass eine Gift-Mixtur, die - wie in der Doku gezeigt wird - ursprĂŒnglich vielleicht nur blassgrĂŒn oder blassgelb gewesen ist, ebenfalls farblich neutralisiert werden konnte. Davon abgesehen hĂ€tte man eine minimale Rest-FĂ€rbung des Wassers etwa bei einem Abendessen kaum erkennen können; die LichtverhĂ€ltnisse waren aufgrund der damals ĂŒblichen Beleuchtungsmittel (in bessergestellten Haushalten handelte es sich dabei vor allem um Öllampen) verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig schlecht. Keinesfalls sind sie mit den heutigen technischen Möglichkeiten auch nur annĂ€hernd vergleichbar. Die ebenfalls von den Doku-Machern aufgestellte Behauptung, das Gift hĂ€tte außerdem komplett geschmacklos sein mĂŒssen, damit Britannicus nicht sofort Lunte riecht, ist der grĂ¶ĂŸte Unsinn ĂŒberhaupt. Denn das vergiftete Wasser wurde ja wie gesagt zum VerdĂŒnnen des heißen GetrĂ€nks verwendet. Dieses aber hatte einen Eigengeschmack, der durchaus hĂ€tte in der Lage gewesen sein können, einen Giftgeschmack zu ĂŒberdecken (die von Nero beauftragten AttentĂ€ter hĂ€tten derlei mit hoher Wahrscheinlichkeit bedacht). So, nun frage ich mich folgendes: Warum fallen mir - einem kleinen Hobby-Blogger - solche Ungereimtheiten sofort auf, aber nicht den reichlich mit GebĂŒhrenknete vollgesogenen ORFlern? Vielleicht wĂ€re es sinnvoll, zukĂŒnftig mehr in kompetente Berater zu investieren, anstatt sich den Kriminalpsychologen Thomas MĂŒller als Sprecher anzulachen, dessen Kompetenz sich hier darin erschöpft, mit zusammengekniffenen Äuglein und in bedeutungsschwangerem Tonfall vom Teleprompter abzulesen. 

8 Kommentare:

  1. Wenn du die Doku mit dem Guido Knopp Zeug des ZDF vergleichst, dann ist sie immer noch ein intellektueller Hochgenuss ;o)

    Flo

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  2. Ich habe studiert, und zwar Telematik, aber ich sage es dir ganz offen, ich unterhalte mich mittlerweile lieber mit Unstudierten. Diese Menschen haben tendenziell mehr Bodenhaftung und hinterfragen von den Massenmedien propagierte Narrative kritisch.
    Deine Überlegung finde ich in dem Zusammenhang interessant. Vielleicht hat es wirklich oft mit der Verweildauer des einzelnen Individuums im Bildungssystem zu tun. Dass dort Unterordnung unter AutoritĂ€ten verlangt und eingeblĂ€ut wird, vom Kindergarten bis in die Hochschule, ist unbestreitbar.

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    1. Vielleicht sind die Vertreter der antiautoritĂ€ren Erziehungsmethode nicht völlig falsch gelegen. Ein Mittelweg könnte die Lösung sein, ist aber unwahrscheinlich, da anstrengender fĂŒr die Personen mit AutoritĂ€t; egal ob in der Familie oder dem Bildungsystem.

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  3. "bedeutungsschwangerem Tonfall "

    Eher tirolerischschwangerem Tonfal.
    ;-)

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  4. Spannend, das Wein-Bleichmittel. Das werde ich mal ausprobieren, obwohl ich mir vorstellen kann, dass es vielleicht nicht so einfach ist, wie die Beschreibung vermuten lÀsst.

    Gero

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  5. Nach ĂŒber 40 Jahren Lebenserfahrung behaupte ich: In den Massenmedien kulminiert der intellektuelle Bodensatz. Mit Empirie haben die nichts am Hut.

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  6. Thomas MĂŒller ist Polizeibeamter. ÜbermĂ€ĂŸig viel Hirn erwarte ich mir deshalb grundsĂ€tzlich nicht - egal wie viele Titel er seinem Namen voranstellt.
    Aber es passt, wenn der Staatsfunk ORF so einen als Pseudoexperten fĂŒr den antiken Nero vor die Kamera stellt.

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