Mittwoch, 10. April 2013

Die Einwanderer, die wieder auswanderten: Sachsen in England und in Deutschland

In das von der römischen Armee geräumte Britannien wanderten vor allem im 5. Jahrhundert nach und nach größere Gruppen germanischer Stämme ein. Angeln und Sachsen  (= Angelsachsen) stellten die große Mehrheit dieser Völkerschaft. So weit, so bekannt. 
Weniger bekannt ist hingegen, dass die Erwartungen etlicher Auswanderer wohl nicht erfüllt wurden. Zumindest erweckt die im 9. Jahrhundert verfasste De miraculis sancti Alexandri diesen Eindruck. In ihr berichten die Verfasser Rudolf und Meginhard von Fulda davon, dass angelsächsische Gefolgschaften wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt seien.
Merowingische Könige sollen ab dem Jahr 531 tatsächlich im unterworfenen Thüringen solche Rückkehrer aus Britannien angesiedelt haben. Darunter, so lautet eine Vermutung, könnten sich auch die Vorfahren von Otto dem Großen befunden haben, die noch im 9. Jh, in den betreffenden Siedlungsgebieten Nord-Thüringens ausgedehnte Ländereien besaßen.

Ob diese möglicherweise uralte Verbindung zu England gegebenenfalls eine Rolle spielte, als Heinrich I. seinen Sohn Otto (den Großen) mit einer angelsächsischen Prinzessin verheiratete?
Grundsätzlich war die Verwandtschaft der kontinentalen (Alt-)Sachsen mit den insularen Kollegen nämlich durchaus etwas, dessen man sich bewusst war. Beispielsweise schrieb der berühmte Missionar Bonifatius im 8. Jh. an seine Landsleute in Britannien/England, sie mögen für die Bekehrung der (Festland-) Sachsen beten, weil diese zu sagen pflegten: "Wir sind eines Blutes, und eines Gebeins."
Und auch die (Angel-)Sachsen auf der Insel verloren ihre "Brüder" auf dem Kontinent nie völlig aus den Augen, wie man an der Erwähnung der Süntelschlacht (Blutgericht von Verden) in der Angelsächsischen Chronik sieht : Im Manuskript A heißt es für das betreffende Jahr*: Her Aldseaxe Francan gefuhtun (=Hier haben die Alt-Sachsen gegen die Franken gefochten). 
Sogar noch um 1066, kurz vor der normannischen Eroberung Englands, erließ der angelsächsisch König Eduard der Bekenner ein Gesetz, das deutlicher nicht sein könnte: Wenn Sachsen aus Deutschland (Germania) kommen, sollen sie im Königreich wie unsere Brüder und wie unsere eigenen Landsleute empfangen und geschützt werden, denn sie stammen einst vom Blute der Angeln, nämlich aus Engern, einer Region in Sachsen, und die Engländer sind von ihrem Blut, und sie sind für immer als ein Volk und eine Familie geschaffen worden.

Den germanischen Großstamm der Sachsen sollte man übrigens nicht mit den Bewohnern des heutigen Bundeslands Sachsen gleichsetzen.

* Die Angelsachsenchronik liegt hier beim Datum leicht daneben (780, statt 782).

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Literatur: 

3 Kommentare

  1. Wie kommt es eigentlich, dass das Bundesland Sachsen heißt? Haben dort auch Angehörige dieses Volksstammes gesiedelt?

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    1. Die Frage habe ich befürchtet ;)
      Die Antwort ist nämlich, aus meiner Sicht, reichlich kompliziert.
      Bei Wikipedia hat es allerdings jemand geschafft, den Sachverhalt kurz und verständlich zusammenzufassen: Sachsen-Namensverschiebung

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