Freitag, 19. Oktober 2018

🌞 Die Klima-Apokalypse im relativierenden Kontext unserer Geschichte - Ein Interview mit dem Klimaforscher Sebastian LĂŒning



Die globale Durchschnittstemperatur liegt seit Jahrzehnten ĂŒber dem sogenannten 'vorindustriellen Niveau' von vor 150 Jahren. Selbst zwischen den meisten 'Klimaskeptikern' und der Mainstream-Klimaforschung herrscht hinsichtlich dieses Temperaturanstiegs weitestgehend Einigkeit.
Ziemlich spießen tut es sich hingegen bei der Frage, ob die Warmphase, die unser Erdklima zurzeit durchlĂ€uft, vollstĂ€ndig menschengemacht ist. Nein, sagt die eine Gruppe und verweist auf Faktoren wie z.B. solare und ozeanische Zyklen. Ja, sagt die andere Gruppe und argumentiert mit einer Korrelation zwischen dem vom Menschen seit gut eineinhalb Jahrhunderten verursachten Anstieg des atmosphĂ€rischen Kohlenstoffdioxid (CO2) sowie den quasi zeitgleich ansteigenden Temperaturen. Mit dieser Interpretation nicht unbedingt konform geht die Tatsache, dass es beispielsweise in den letzten Jahrtausenden bereits mehrere globale Warmphasen gab, die ohne nennenswerten CO2-Anstieg - und somit klar ohne menschliches Zutun - zustande kamen. Die Verfechter der CO2-These wenden hier u.a. ein, besagte Warmzeiten wĂ€ren nicht ganz so intensiv ausgefallen wie die gegenwĂ€rtige. Doch lĂ€sst sich dergleichen im Angesicht der Faktenlage wirklich guten Gewissens behaupten? Ich denke nicht. Meine entsprechende Kritik daran habe ich vor einigen Wochen in einem Beitrag dargelegt.
Weil ich jedoch der Meinung bin, dass es dieses interessante und aspektreiche Thema verdient, erschöpfender behandelt zu werden, bat ich den kritischen Klimaforscher und Buchautor Sebastian LĂŒning, mir seine Sicht der Dinge zu erlĂ€utern. Es wird im folgenden Interview um vergangene Warmzeiten, die fragwĂŒrdige Rolle von Wikipedia in der Klimadiskussion und einiges mehr gehen.



Lieber Herr LĂŒning, Sie sind eigentlich Geowissenschaftler, der erfolgreich in der Privatwirtschaft tĂ€tig ist. Was brachte Sie dazu, sich der Klimaforschung zuzuwenden und gemeinsam mit Fritz Vahrenholt ein medial stark diskutiertes Buch zu diesem Thema zu schreiben?
Ich war lange Jahre in der geowissenschaftlichen Forschung tĂ€tig, bis ich in die Industrie ĂŒberwechselte. Leider gab es in der Wissenschaft in meinem Bereich keine geeigneten Dauerstellen. Als ehemaliger hauptamtlicher Forscher bin ich mit der wissenschaftlichen Methode natĂŒrlich bestens bekannt. Meine Forschungsergebnisse habe ich in mehr als 30 Papers veröffentlicht. Die wissenschaftliche Literatur hat mich immer fasziniert. Einige meiner besten Papers aus dieser Zeit sind Synthesen, bei denen ich eine Vielzahl von veröffentlichten und neuen Mosaiksteinchen analysiert und zu einem großen Bild zusammengefasst habe. Hierzu gehört auch eine Silursynthese, die im Fachblatt Earth-Science Reviews 2000 erschien und bislang 255 Mal von anderen Arbeiten zitiert wurde.
2007 wechselte ich in die Industrie, wo ich exzellente Arbeisbedingungen und ebenfalls spannende Fragestellungen vorfand. Allerdings meldete sich bei mir nach einigen Jahren das etwas vernachlĂ€ssigte „Forscher-Gen“ zurĂŒck. Durch Zufall stieß ich beim Stöbern in einer New Yorker Buchhandlung auf das Buch „Unstoppable Global Warming: Every 1,500 Years“ von Fred Singer und Dennis Avery. Die Klimadiskussion hatte ich bis dahin nur am Rande verfolgt. Als ausgebildeter Geologe und PalĂ€ontologe besaß ich aber im Gegensatz zu vielen anderen zum GlĂŒck die fachliche Grundlage, die Diskussion inhaltlich zu verfolgen. Ich verschlang das Buch in einem Rutsch und fand die Argumentation recht plausibel. Die Autoren dokumnetierten die Existenz eines langperiodischen Klimazyklus, der im Takt von 1000-2000 Jahren schlug. Sozusagen der klimatische Herzschlag der Erde.
Dabei stĂŒtzten sich die Autoren auch auf eine Publikation im angesehenen Wissenschaftfachblatt Science aus dem Jahr 2001. Eine Gruppe um Gerard Bond vom Lamont-Doherty Earth Observatory hatte die Zyklik anhand von Sedimentkernen im Nordatlantik nachgewiesen und eine SynchronitĂ€t mit der SonnenaktivitĂ€t gefunden. Alles passte zusammen. Trotzdem wurden diese wichtigen Erkenntnisse von den fĂŒhrenden Klimaforschern schlichtweg ignoriert. Neben meinem Forschergeist meldete sich auch das Gerechtigkeitsempfinden. Wie konnte es sein, dass fundamentale Grundlagen der jĂŒngeren Klimageschichte einfach ausgeblendet wurden? Weshalb ignorierten Physiker und Chemiker wichtige geowissenschaftliche Fakten? Die Neugier hatte mich gepackt. Ich arbeitete mich anhand der Originalliteratur tief in die Materie ein. Unerwarteterweise bestĂ€tigte sich das Problem, also schaute ich auch in andere Bereiche der Klimawissenschaften, wo es nicht unbedingt viel besser aussah.
UnabhĂ€ngig von mir hatte zu jener Zeit auch Fritz Vahrenholt Diskrepanzen in der Klimadebatte entdeckt. Er schrieb darĂŒber in einem Zeitungsartikel in der Welt, worauf wir eine Korrespondenz begannen. Irgendwann stellten wir fest, dass wir nur wenige hundert Meter voneinander arbeiteten, so dass wir uns auch persönlich treffen konnten. Schnell stand der Entschluss fest, das Thema in einem Buch aufzuarbeiten, was in die Veröffentlichung von "Die kalte Sonne" (2012) mĂŒndete. In unserem Blog www.kaltesonne.de berichten wir noch immmer tĂ€glich ĂŒber Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende. Ich bin selber erstaunt, dass das Thema so ĂŒberaus ergiebig ist. Die gesellschaftliche Bedeutung der Klimadebatte hat sogar eher zu- als abgenommen. 


Skepsis ist - als GegenstĂŒck zur LeichtglĂ€ubigkeit - eigentlich eine positive Eigenschaft des menschlichen Geistes. In der Klimawissenschaft scheint das jedoch anders beurteilt zu werden, denn dort wird 'Skeptiker' gerne als eine Art Pejorativ verwendet. Warum ist das so? 
Ich habe an der Wissenschaft stets die FĂ€higkeit geschĂ€tzt, fachlich diskutieren zu können. In der Geologie scherzen wir manchmal: Vier Geologen, fĂŒnf Meinungen. Trotz unterschiedlicher wissenschaftlicher Ansichten schĂ€tzen wir Geologen uns jedoch. Nach einer fachlich kontroversen und fĂŒr alle Seiten nutzbringenden Debatte, verlagert sich die Diskussion meist in einen Biergarten, wo man den Abend fröhlich gemeinsam ausklingen lĂ€sst. Umso erstaunter war ich, als ich das vergiftete Diskussionsklima in den Klimawissenschaften vorfand. Dort scheinen religiös zementierte Denkschulen vorzuherrschen, wobei jegliche Kritik daran umgehend als Hochverrat gedeutet und den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat. Genau dies ist uns dann auch mit unserem Buch passiert. Anstatt die Kritikpunkte professionell aufzunehmen und inhaltlich zu diskutieren, wurden wir vor allem persönlich bekĂ€mpft. Ein absolut unerwartetes psychologisches PhĂ€nomen, das ich im 21. Jahrhundert nicht fĂŒr möglich gehalten hĂ€tte.
Das Hauptproblem ist vermutlich die enge Verbandelung zwischen einigen fĂŒhrenden Klimaforschern und der Politik. Schnell wurde bemerkt, dass man das Thema als Machtinstrument einsetzen und dabei die eigenen persönlichen Ideologien verwirklichen kann. Bereits um die Jahrtausendwende wurde behauptet, alles wĂ€re jetzt bekannt, "the science is settled". Das war natĂŒrlich vollkommen falsch, wie wir heute wissen. Ab diesem Punkt ging es dann gar nicht mehr so sehr um die Wissenschaft, sondern eher darum, das Gesicht zu wahren und die gewonnene Macht und öffentliche Rolle zu schĂŒtzen. Ein ergebnisoffenes Forschen ist bei diesem Hintergrund fĂŒr viele Beteiligte gar nicht mehr möglich.

Man weiß mittlerweile: Zu Zeiten des Römer-Schrecks Hannibal waren die Alpen weitestgehend eisfrei. DarĂŒberhinaus stellte die Forschung in den letzten Jahren erstaunt fest, dass unter den derzeit wieder abschmelzenden Alpengletschern BaumstĂ€mme auftauchen, die, verglichen mit heute, eine wesentlich höher liegende Baumgrenze in der Römerzeit und auch davor belegen. 
Was bedeutet dieses spannende Faktum Ihrer Ansicht nach fĂŒr das gerne vorgebrachte Argument, die derzeitige Warmphase sei in ihrer IntensitĂ€t einzigartig und unerreicht? Liegt hier nicht vielmehr ein klarer Beweis vor, dass es dazumal ohne menschliches Zutun wĂ€rmer als in den vergangenen Jahrzehnten war? Und untermauert dieses Beispiel nicht auch die von Kritikern geĂ€ußerte Annahme, das Klima wĂŒrde weniger von der Industrialisierung bzw. vom atmosphĂ€rischen CO2 beeinflusst, sondern wesentlich stĂ€rker von anderen Faktoren wie etwa der SonnenaktivitĂ€t?
Das Klima der letzten 10.000 Jahre war eine wahre Achterbahnfahrt. Aus nachvollziehbaren GrĂŒnden wird die klimatische Geschichte in der öffentlichen Diskussion meist ausgeblendet. In der Zeit 7000-4000 Jahre vor heute herrschten in Europa Temperaturen, die ein bis zwei Grad ĂŒber dem heutigen Niveau lagen. Diese Zeit ist auch als „holozĂ€nes thermisches Maximum“ oder „Atlantikum“ bekannt. Öffentlich darf man nur hinter vorgehaltener Hand darĂŒber sprechen. In der Fachliteratur ist die Zeit jedoch bestens beschrieben. Auf der Webseite http://www.klimawandel-in-deutschland.de/temperatur.html habe ich einmal versucht, die bekannten Temperaturtrends der letzten Jahrtausende darzustellen. GemĂ€ĂŸ dem Motto „Fakten statt Meinungen“ muss hier dringend AufklĂ€rungsarbeit geleistet werden. Totschweigen von unbequemen klimahistorischen Fakten ist keine Lösung. Viele deutsche BundeslĂ€nder erstellen regelmĂ€ĂŸig Klimaberichte. Deren Berichtszeitraum beginnt meist um 1850, blendet also alle vorindustriellen Warmphasen aus. Man muss sich das mal vorstellen, wenn die Weltgeschichte erst um 1850 losginge: Keine Steinzeit, keine Völkerwanderungen, kein Römisches Reich, keine Französische Revolution. Genau so wird die Entwicklung des vorindustriellen Klimas in diesen aufwendigen Berichten dargestellt: NĂ€mlich gar nicht.
Es ist unglaublich, wie hier schon bei der Auswahl der Berichtsthemen getrickst wird. Ich wundere mich, dass sich viele Geologenkollegen das einfach gefallen lassen. Offenbar ist die Angst vor persönlichen Nachteilen grĂ¶ĂŸer, was jegliche Proteste im Keim erstickt. Auf Grillparties findet man aber schnell heraus, dass viele Geowissenschaftler heimliche Klimaskeptiker sind.
Vor zehn Jahren hatte eine Abteilung der Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaften und Rohstoffe in vorsichtiger und höflicher Weise berechtigte Klimakritik vorgebracht. Die Abteilung wurde daraufhin auf politischen Druck hin aufgelöst, die Kollegen unehrenhaft strafversetzt. Ein Skandal. Die Klimawissenschaften bedienen sich undemokratischer Methoden, um Kritiker kaltzustellen und Diskussionen zu unterbinden.

Wie in der Antike, so gab es auch im Mittelalter eine Warmphase, ohne dass dieser ein nennenswerter CO2-Anstieg in der AtmosphĂ€re vorausgegangen wĂ€re. Damals wurde auf Grönland von Wikingern sogar Ackerbau und Viehzucht betrieben. 
Sie haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, wissenschaftliche Belege fĂŒr die sogenannte "Mittelalterliche Warmzeit" zu sammeln und auf Google Maps einzutragen. Was bewog Sie zu diesem Projekt bzw. worin liegt der Zweck?
Hochaufösende PalĂ€oklimaforschung findet erst seit anderthalb Jahrzehnte statt. Wir befinden uns also in einer Ă€ußerst spannenden Phase, in der Klimageschichte geschrieben wird. Dies lĂ€uft weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ab. Zur Zeit der berĂŒhmten Hockeystickkurve gab es noch kaum belastbare und hochqualitative Klimadaten fĂŒr die letzten 2000 Jahre. Michael Mann hatte im Prinzip keine Chance, die RealitĂ€t robust abzubilden.
Das hat sich jetzt geĂ€ndert. Ich finde es faszinierend, wie sich das klimahistorische Bild allmĂ€hlich zusammensetzt. Hauptberufliche Forscher sind bereits stark mit der Datengenerierung beschĂ€ftigt, reisen quer um den Globus, um Sedimentkerne aus Seen zu ziehen und GletschermorĂ€nen zu datieren. FĂŒr die Synthese der Daten bleibt da wenig Zeit. An dieser Stelle setze ich an, da die ZusammenfĂŒhrung komplexer Daten zu einem plausiblen Ganzen eines meiner Steckenpferde ist. Der erste Schritt ist die Sichtung und Filterung der Daten, die wir auf einer fĂŒr alle Forscher und Interessieren zugĂ€nglichen Google Map sammeln: http://t1p.de/mwp. Die Karte wurde bislang mehr als 76.000 mal verwendet, woraus ich schließe, dass diese Datensammlung von den Benutzern geschĂ€tzt und fĂŒr nĂŒtzlich befunden wird. Das bestĂ€tigen mir auch viele Klimakollegen per Email.
In der Kohlenwasserstoffexploration gibt es entsprechende Software, die diesen Datenwust inhaltlich ordnen und graphisch ansprechend darstellen kann. Einer der Softawarehersteller hat mir dankenswerterweise die Software fĂŒr meine privaten Klimastudien kostenfrei zur VerfĂŒgung gestellt. Über diese Art der Forschungsförderung bin ich sehr dankbar. Durch diesen Technologietransfer haben wir eine gute Chance, die mittelalterliche Klimaanomalie endlich flĂ€chenhafter zu charakterisieren und WissenslĂŒcken schließen zu können. Dabei gehen wir als Team ergebnisoffen ans Werk. Die Daten sollen am Ende fĂŒr sich sprechen, was auch immer herauskommen sollte.
Auf Basis dieser Auswertung habe ich mit Fachkollegen bisher zwei Publikationen zur mittelalterlichen Temperaturgeschichte und Niederschlagsentwicklung in Afrika veröffentlicht (LĂŒning et al. 2017, LĂŒning et al. 2018). Beide Papers beschreiben systematische klimatische Verschiebungen wĂ€hrend der Mittelalterlichen WĂ€rmeperiode und diskutieren mögliche natĂŒrliche Klimafaktoren. Die erste Studie wurde von der American Geophysical Union besonders gewĂŒrdigt und dazu ausgewĂ€hlt, in der Mitgliederzeitschrift Eos einem breiten Publikum vorgestellt zu werden. Weitere Synthesen zum mittelalterlichen Klima in anderen Regionen der Erde sind in Vorbereitung, darunter SĂŒdamerika, Antarktis, Ozeanien und der Mittelmeerraum.

Nach meiner Beobachtung bewertet die Geschichtswissenschaft Warmzeiten tendenziell positiver als Kaltzeiten; und zwar hinsichtlich der Auswirkungen auf die Menschheit. In der öffentlichen Klimadiskussion spielt dieser Umstand bisher allerdings kaum eine Rolle. Wie sehen Sie das?
Hier kommt es auf die jeweilige Region der Erde an. In hohen und Mittleren Breiten sind moderate WĂ€rmephasen sicher vorteilhaft. Wenn es aber allzu heiß werden sollte, wĂŒrde es auch in den Mittleren Breiten Probleme geben. In den heißen Subtropen könnten Kaltphasen angenehmer sein. Alles in Maßen. Neben der Temperatur spielen auch systematische VerĂ€nderungen der RegenfĂ€lle eine große Rolle. Wichtige Zvilisationen wie die Maya und Khmer scheinen letztendlich Opfer ausbleibender RegenfĂ€lle geworden zu sein.

Ein wichtiger Punkt bezĂŒglich der Klimadiskussion scheint mir die Rolle von Wikipedia zu sein. Zwar handelt es sich dabei in wissenschaftlicher Hinsicht um keine zitierfĂ€hige Quelle, was aber den Durchschnittsjournalisten bedauerlicherweise nicht davon abhĂ€lt, sich zuvörderst genau dort zu informieren. Mittlerweile plant sogar Youtube, unter Videos mit 'kontroversen' Inhalten Wikipedia-Informationen einzublenden. Somit ist Wikipedia zweifellos ein mĂ€chtiger Meinungsmultiplikator
Nun habe ich in der Versionsgeschichte zum Artikel Ihrer Person festgestellt, dass einige wenige Nutzer eifrig bemĂŒht sind, dem Text durch einseitige Quellenauswahl ein gewisses 'GschmĂ€ckle' zu verleihen. Zu den entsprechenden Maßnahmen zĂ€hlt beispielsweise die vollstĂ€ndige Entfernung der Liste Ihrer wissenschaftlichen Veröffentlichungen; darunter befindet sich auch die von Ihnen oben bereits erwĂ€hnte Warmzeit-Studie aus dem Jahr 2017.
Wikipedia war eine tolle Erfindung, die das Recherchieren kinderleicht und kostenlos machte. Dass etliche Autoren und Organisatoren mögliche Interessenskonflikte haben könnten, wurde erst spĂ€ter klar. WĂ€hrend die unpolitischen Themen meist gut und solide geschrieben sind, sind Wikipedia-Artikel zu politisch sensiblen Themenfeldern wie Klimawandel und Atomkraft leider nicht zuverlĂ€ssig. Das stasiĂ€hnliche Prinzip der Tarnnamen der Schreiber und Korrektoren lĂ€dt geradezu dazu ein, ideologische EinfĂ€rbungen vorzunehmen. Aktivisten sind hier recht frĂŒh eingestiegen und wenden jetzt viel Zeit zur Verteidigung ihres geschaffenen „Gesamtwerkes“ auf. Da auch viele Wikipedia-Schiedsrichter auf der Aktivistenseite mitmischen, laufen alle ÄnderungsbemĂŒhungen ins Leere. Das habe ich auch an meinem eigenen Artikel schnell gemerkt. Hier blockieren Aktivisten seit lĂ€ngerem die kleinsten Korrekturen, da sie meine Kritik an extremen Positionen der Klimawissenschaften ablehnen. Anstatt sich einer Fachdiskussion zu stellen, wird vor allem auf persönlicher Ebene gekĂ€mpft. Es ist schade, dass viele Bereiche von Wikipedia dadurch unbrauchbar gemacht wurden. Das ist umso bedenklicher, da auch SchĂŒler hier fĂŒr Hausarbeiten rechechieren und dann durch ideologisch gefĂ€rbte Darstellungen in die Irre gefĂŒhrt werden. Aus diesem Grund habe ich mir auf www.luening.info nun meine eigene Profilseite aufgebaut.

Abschließend eine Frage, die uns zwar ein kleines StĂŒckchen vom eigentlichen Thema wegbringt, mir aber sehr spannend zu sein scheint: Als Geowissenschaftler ist Ihnen natĂŒrlich die Annahme bekannt, Erdöl sei unter Luftabschluss und hohem Druck aus pflanzlichen und tierischen Ăœberresten entstanden. Deshalb handle es sich auch um eine endliche Ressource, was wiederum die Menschheit langfristig dazu nötigen wĂŒrde, auf alternative EnergietrĂ€ger umzusteigen. 
DemgegenĂŒber gibt es aber auch die in den Augen von sogenannten Klima-Alarmisten zweifellos angsteinflösende These, Erdöl sei ein 'nachwachsender' Rohstoff (Video). Was halten Sie davon?
Die von uns heute geförderten Kohlenwasserstoffe sind in der Tat ein Naturprodukt, das heißt sie entstanden unter hohem Druck und Temperatur aus pflanzlichen und tierischen Überresten. NatĂŒrlich gibt es aber auch abiogenes Methan, das z.B. aus Vulkanen ausgast. Auch in einigen tiefen Erzminen wurden Methanaustritte festegestellt, deren Ursprung abiogen ist. Bei der Entstehung der Erde waren große Mengen an C und H mit im Spiel, die z.T. heute als CH4 (Methan) aus der Tiefe ausgasen. FĂŒr die Erdgas- und Erdölproduktion spielen diese Vorkommen aber heute keine Rolle, da die austretenden Methanmengen der einzelnen Quellen nicht ausreichen. Vor etlichen Jahren machte Thomas Gold mit einer Theorie zur tiefen BiosphĂ€re von sich reden. Auch wenn viele seiner Hinweise interessant waren, hat sich die Idee abiogener gewinnbarer Kohlenwasserstoffe leider nicht bewahrheitet. NatĂŒrlich werden im Untergrund weiterhin biogene Kohlenwasserstoffe aus Muttergesteinen erzeugt, jedoch lĂ€uft dieser Prozess in geologischen MaßstĂ€ben von Millionen von Jahren ab, wird uns also nicht weiterhelfen können. Insofern bleiben Öl, Gas und Kohle endliche EnergietrĂ€ger und mĂŒssen in den kommenden 50-200 Jahren aufgrund der Erschöpfung ihrer Vorkommen durch andere EnergietrĂ€ger ersetzt werden. Ich unterstĂŒtze daher eine Energiewende, die mittel- und langfristig erneuerbare Energielieferanten aufbaut. Dies sollte wohlbedacht und in einem geeigneten Tempo ablaufen. Und vor allem sollte es wirtschaftlich nachhaltig geschehen, ohne ausufernde Subventionen und lange Verbostlisten. Die aktuell praktizierte naive Holzhammer-Methode bringt uns mehr Kummer als Fortschritt.

Vielen Dank, Herr LĂŒning, dass Sie sich fĂŒr dieses Interview Zeit genommen haben.



WeiterfĂŒhrende Informationen:

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Kommentare:

  1. Der starke Temperaturanstieg im Atlantikum, also zur Zeit des Neolithikums und Chalkolithikums, ist auch in der archÀologischen Forschung nur zu bekannt. Viele Kollegen vermeiden leider aus Karriereangst einen Bezug zu aktuellen Klimadiskussion herzustellen. Nur nicht verdÀchtig machen.

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    1. So viel also zur Wissenschaftsfreiheit ....

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    2. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
      Oder wer es lieber in Englisch mag: Who pays the piper calls the tune.

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  2. Thomas Golds "The Deep Hot Biosphere" habe ich vor ein paar Jahren gelesen. Dass die natĂŒrlichen Prozesse zur Regeneration von bestimmten fossilen EnergietrĂ€gern ggf nicht so rasch ablaufen können, wie darin suggeriert wird, habe ich immer schon vermutet.

    Aber was mich dann doch noch interessieren wĂŒrde, ist, wie es möglich ist, dass Ölquellen, die als ausgebeutet galten und lĂ€ngst abgeschrieben waren, nach ein paar Jahrzehnten plötzlich wieder gefĂŒllt sind? Ich habe gelesen, dass sich das nicht in jedem Fall mit dem Nachsickern von Öl aus angrenzenden Strata erklĂ€ren lĂ€sst. Denn in einigen FĂ€llen ist da einfach nichts, sagen zumindest die Befunde der Prospektionen.

    Karl0

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  3. Es wird von Alarmisten manipuliert, indem man das Zeitintervall so wĂ€hlt, dass der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur einzigartig und besonders hoch aussieht. Ganz konkret heißt das, ausgerechnet das Ende der Kleinen Eiszeit in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts hat man als Startpunkt gewĂ€hlt, als die Temperaturen ungewöhnlich tief waren und aus ganz natĂŒrlichen GrĂŒnden wieder haben ansteigen mĂŒssen. So bekommt man dann Temperaturkurven zustande, die steil nach oben zeigen und fĂŒr den Unwissenden gefĂ€hrlich aussehen. GrĂŒĂŸe, J. Heinle

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  4. die weltweite kartierung von beweisen fĂŒr die ma warmzeit ist eine gute idee und sauber umgesetzt. grĂŒĂŸe aus der schweiz, chris

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  5. Ich verfolge das Kalte-Sonne-Blog schon seit einigen Jahren und schĂ€tze die sachliche, aber nicht immer humorfreie Art von Herrn LĂŒning.

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  6. Wer sich mit Atlantis beschĂ€ftigt, hat zwar auch viel Nonsense gelesen, aber auch einiges ĂŒber die KlimaverĂ€nderungen im Laufe der Zeit gelernt. Und genau dieses "Bond-Ereignis", auf das sich das Interview hier gleich am Anfang bezieht, könnte tatsĂ€chlich auch mit Atlantis bzw. wenigstens den Seevölkerkriegen um 1200 v.Chr. zu tun haben.
    -- Der erste, der dieses Bond-Ereignis mit den Seevölkerkriegen und Atlantis in Verbindung brachte, war Prof. Rhys Carpenter vom rennomierten Bryn Mawr College. Ab etwa dem Jahr 1955 in Vorlesungen, veröffentlicht dann 1966. Meine kurze aber aussagekrÀftige Besprechung der Theorie von Rhys Carpenter ist hier zu finden, mit Literaturangaben:
    https://www.atlantis-scout.de/atlantis-rhys-carpenter.htm

    Und was er zu Wikipedia sagt, kann ich voll unterschreiben. Wikipedia kann aufgrund seines Prinzips immer nur jenen (mediokren) Zeitgeist wiederspiegeln, der in dem Milieu der (halbgebildeten) oberen Mittelschicht vorherrscht, denn diese Leute haben dort schlicht die Mehrheit. Wobei halbgebildet heißt: Sie haben Abitur und irgendwas studiert, z.B. Physik, aber sie haben philosophisch und wissenschaftsphilosophisch nie ĂŒber den Tellerrand hinaus geblickt. Zur Zeit sind diese Leute eher "grĂŒn", man könnte sich aber auch jede beliebige andere Ideologie vorstellen, darauf kommt es nicht an. Die Einseitigkeit selbst ist das Problem. Hier meine eigenen Erfahrungen mit Wikipedia:
    https://www.atlantis-scout.de/atlantis-wikipedia.htm

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    1. Die von dir in der Besprechung gut dargelegte These von Rhys Carpenter klingt fĂŒr mich nicht unvernĂŒnftig.

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  7. Danke fĂŒr dieses Interview, es regt zum Nachdenken an!

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  8. Jeder der sich tiefer mit lange zurĂŒckligenden Epochen beschĂ€ftigt, muss bezĂŒglich der aktuellen Klima-Weltuntergangsszenarien zwangslĂ€ufig ein gehöriges Maß Skepsis entwickeln.

    Der Wanderschmied

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  9. Hallo,
    ich möchte ein paar kritische Punkte anmerken.
    Das Problem bei dem Interview ist, dass kein Argument genannt wird, wieso es keinen Zusammenhang zwischen dem CO2-Austoß seit Beginn der Industriealisierung und dem Anstieg der Temperatur geben sollte. Herr LĂŒning beschreibt natĂŒrlich, dass es Klimaschwankungen gibt und immer schon gegeben hat. Es gibt Warmzeiten und eben Kaltzeiten. Das ist ein altbekanntes PhĂ€nomen und auch bekannt. Aber das ist eben kein Widerspruch dafĂŒr, dass CO2 den Klimawandel befördert.
    Ganz im Gegenteil: Es ist sogar eine Tatsache, dass CO2 einen Beitrag zum Klimawandel hat: Wie in der Einleitung zum Interview deutlich wird: Der Temperaturanstieg ist real und wird auch nicht bestritten. Es geht nur darum, ob der Mensch einen Anteil hat und wie groß der ist. Dass er Anteil hat steht meiner Meinung nach außer Frage: Den Fakt, dass CO2 ein Treibhausgas ist, kann man nicht leugnen. Ebenfalls kann man nicht leugnen, dass der menschengemachte Ausstoß zu immer grĂ¶ĂŸeren Mengen dieses Gases in der AtmosphĂ€re beitrĂ€gt.
    Den Klimawandel also mit Klimaschwankungen zu erklÀren, reicht nicht aus.
    Ich denke also, dass man den Klimawandel und sogar einen menschengemachten Anteil daran nicht leugnen KANN.
    Nun zu dem Alarmistischen: Was Forscher und Wissenschaftler hinter vorgehaltener Hand vom Klimawandel denken, kann ich nicht beurteilen. Sollten dabei unredliche Aspekte eine Rolle spielen, ist das natĂŒrlich voll und ganz abzulehnen. Da Prognosen immer tĂŒckisch sind, ist die Klimadebatte wie geschaffen fĂŒr eine Auslegung, die die eigenen Interessen befördert. Extreme sind also immer verdĂ€chtig und sollten zumindest hinterfragt werden, v.a. nach den Interessen die dahinter stehen. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass nirgendwo kritisch angemerkt wird, dass sowohl Herr LĂŒning als auch der Ko-Autor seines umstrittenen Buches „Die Kalte Sonne“ fĂŒr RWE oder Ă€hnliche Firmen arbeiten. Dass man bei ihnen also ebenfalls nicht von „ergebnisoffenem Forschen“ (wie er selbst formuliert) ausgehen kann, scheint doch sehr wahrscheinlich.
    Auch verschiedene Argumente oder Verweise auf Kollegen, die deren Meinung unterdrĂŒckt werden, scheinen in diesem Zusammenhang dann doch etwas tendenziös.
    Zudem ist die Darstellung der Klimaentwicklung seit 1850 auch schon aus praktischen GrĂŒnden plausibel. Es kommt immer darauf an, was man zeigen möchte. Soll eine Entwicklung der Zahl gefĂŒhrter Kriege gezeigt werden, kann man sich auf die letzten Jahre beschrĂ€nken, um eben zu zeigen, ob es mehr oder weniger wurde. Absolut mag das ein Witz gegen das 17./ 18. Jahrhundert sein, aber darum geht es nicht. Es geht um die relativen Zahlen. Und bei der Klimaentwicklung eben auch: Es geht um den Anstieg, die Geschwindigkeit davon und eben am wichtigsten: Um die parallele Entwicklung von CO2- und Temperaturanstieg, der etwas zeitversetzt erfolgt. Dass diese Entwicklung fast parallel verlĂ€uft, ist eines der INDIZIEN fĂŒr den menschengemachten Klimawandel.
    Damit der Kommentar nicht zu lang wird, mache ich jetzt Schluss, mit einem letzten Hinweis: Das Problem ist die schleichende Entwicklung. Wie sehr sich das CO2 niederschlĂ€gt ist nicht unumstritten. Doch es ist sicher, dass es nicht mehr einfach aus der Luft herauszubekommen ist. Eine menschengemachte KlimaerwĂ€rmung ist fĂŒr Generationen unumkehrbar. Gerade deshalb sollte man lieber etwas mehr Vorsicht als Nachsicht walten lassen.
    Auf Antworten wĂŒrde ich mich freuen. LG DieNervensĂ€ge

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    1. Es gibt Warmzeiten und eben Kaltzeiten. Das ist ein altbekanntes PhĂ€nomen und auch bekannt. Aber das ist eben kein Widerspruch dafĂŒr, dass CO2 den Klimawandel befördert.
      Richtig, aber besonders starke Warmzeiten in der Vergangenheit, die eben mit keinem signifikanten CO2-Anstieg einhergingen, legen den bedeutenden Schluss nahe, dass CO2 nicht zwingend die treibende Hauptkraft hinter einer Warmzeit wie der derzeitigen sein muss.
      Nicht zufĂ€llig versuchen Alarmisten z.B. die Mittelalterliche Warmzeit kleinzureden und als lokales PhĂ€nomen abzutun. Deshalb hat Herr LĂŒnig auch das erfolgreiche Projekt gestartet, harte wissenschaftliche Belege fĂŒr das globale Auftreten der Mittelalterlichen Warmzeit mithilfe von Google-Maps zu dokumentieren.

      Es ist sogar eine Tatsache, dass CO2 einen Beitrag zum Klimawandel hat:
      Eine Korrelation zwischen Temperaturanstieg und CO2-Anstieg ist nicht per se eine KausalitĂ€t/Tatsache. Der empirische/experimentelle Nachweis dafĂŒr steht nach wie vor aus.
      Man kann deshalb seriöserweise nur einen Zusammenhang vermuten. Wie stark dieser gegebnenfalls ausfĂ€llt, steht aber völlig in den Sternen, weil u.a viel zu wenig darĂŒber bekannt ist, zu welchen Wechselwirkungen es im Klimasystem der Erde kommen kann.
      Selbst laut dem klimaalarmistischen IPCC schwankt die Klima-SensitivitĂ€t von CO2 zwischen 1,5 und 4,5°C pro Verdoppelung des vorindustriellen CO2-Niveaus.

      Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass nirgendwo kritisch angemerkt wird, dass sowohl Herr LĂŒning als auch der Ko-Autor seines umstrittenen Buches „Die Kalte Sonne“ fĂŒr RWE oder Ă€hnliche Firmen arbeiten..
      Ich verstehe die Bedenken. Andererseits wurde eingangs darauf hingewiesen, dass Herr LĂŒnig "in der Privatwirtschaft" tĂ€tig ist (dort gibt es fĂŒr einen Geowissenschaftler nicht so viele Möglichkeiten). Und zweimal wurde danach direkt auf seine Biographie verlinkt, wo er offen ĂŒber seine berufliche TĂ€tigkeit in der Kohlenwasserstoffindustrie Auskunft gibt. Ich finde, dass das reicht und dem mit Medienkompetenz ausgestatteten Leser die Möglichkeit gibt, sich ein Bild zu machen. Im Übrigen habe ich selbst keinen Anlass, anzunehmen, Herr LĂŒnig wĂŒrde als Sockenpuppe von 'Big Oil' agieren. Ich kenne sein gut gepflegtes Blog schon lange und bin deshalb der Meinung, mir ein entsprechendes Urteil bilden zu können.
      Zum Hinweis auf RWE: Dieser Konzern verdient lÀngst prÀchtig an der "Energiewende" bzw. der These vom menschgemachten Klimawandel. Selbst eine Firma wie Exxon investiert in die "Konkurrenz". Die Fronten verlaufen also lÀngst nicht so klar wie noch vor 20 oder 30 Jahren.

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    2. "Doch es ist sicher, dass es nicht mehr einfach aus der Luft herauszubekommen ist. "
      Die Dauer, in der das CO2 in der ErdatmosphĂ€re bleibt, wird mit ca. 30 bis 100 Jahren angenommen. Erd- und selbst menschheitsgeschichtlich betrachtet ist das ein relativ ĂŒberschaubarer Zeitraum. Außerdem sollte man bedenken, dass das zusĂ€tzliche CO2 das Wachstum unserer CO2-unterversorgten Pflanzen krĂ€ftig fördert - wovon z.B. Landwirtschaft und angeschlagene RegenwĂ€lder profitieren. Seriöserweise dĂŒrfen Vorteile wie dieser nicht einfach ausgeblendet werden. Jede Medaille hat zwei Seiten.

      lieber etwas mehr Vorsicht als Nachsicht walten lassen.
      Vorsicht ist grundsĂ€tzlich begrĂŒĂŸenswert, aber nur solange das bedeutet, wissenschaftlich ergebnisoffen zu arbeiten und nicht voreilig weitreichende SchlĂŒsse zu ziehen. Denn lĂ€ngst wird mit dem Argument des "menschgemachten Klimawandels" die Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen tiefgreifend verĂ€ndert. So wird z.B der Wirtschaftsstandort gegenĂŒber China und Co. leichtfertig geschwĂ€cht, indem man die Energiepreise wegen der UnterstĂŒtzung volatiler, nicht einmal grundlastfĂ€higer (!) EnergietrĂ€ger massiv in die Höhe treibt und so ganze Industriesparten unrentabel macht.
      Wer nun einwendet, Geld ist nicht alles, der sei daran erinnert, dass ...
      - die Kernkraft aufgrund der propagierten Klima-Apokalypse weltweit einen Höhenflug erlebt
      - man Regenwald fĂŒr den Anbau von "klimafreundlichen" Biosprit-Pflanzen abholzt
      - jĂ€hrlich hunderttausende (z.T. vom Aussterben bedrohte) Vögel und FledermĂ€use in Windenergieparks zerstĂŒckelt werden
      - Menschen und Tiere durch den von Windturbinen erzeugten Infraschall gesundheitlich beeintrÀchtig werden
      - bei den ĂŒberwiegend in Asien erzeugten Photovoltaik-Elementen und Windgeneratoren viele Umweltgifte eine bedeutende Rolle spielen
      - usw. usf.
      Aufgrund all der dokumentierten KollateralschĂ€den fĂŒr Wirtschaft, Mensch und Natur ist es wichtig, das Thema Klimawandel nicht ĂŒberhastet zu beurteilen. Es macht keinen Sinn, viel Geld und Energie in Maßnahmen gegen den Klimawandel zu stecken, wenn sich im Nachhinein die Grundannahme - nĂ€mlich dass CO2 der Hauptschuldige ist - als falsch herausstellt.

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    3. Richtig, aber besonders starke Warmzeiten in der Vergangenheit, die eben mit keinem signifikanten CO2-Anstieg einhergingen, legen den bedeutenden Schluss nahe, dass CO2 nicht zwingend die treibende Hauptkraft hinter einer Warmzeit wie der derzeitigen sein muss.

      Welche Hauptkraft sehen Sie denn dann dahinter? Es geht ja nicht nur um einen Temperaturanstieg, sondern, dass dieser um ein vielfaches schneller ablĂ€uft als andere Temperaturschwankungen. Im Mittelalter war eine der wesentlichen TriebkrĂ€fte eine verstĂ€rkte Sonneneinstrahlung. Diese ist aber seit 1950 rĂŒcklĂ€ufig und kann nicht die Ursache dafĂŒr sein.

      Eine Korrelation zwischen Temperaturanstieg und CO2-Anstieg ist nicht per se eine KausalitĂ€t/Tatsache. Der empirische/experimentelle Nachweis dafĂŒr steht nach wie vor aus.
      Das scheint mir nicht so zu sein. Wie gesagt, ich bin kein Klimaforscher, aber es gibt viele Belege fĂŒr den Zusammenhang von CO2 Anstieg und Temperaturerhöhung: Nature Geoscience: Le QuĂ©rĂ© et al., 2009 / PNAS: Josep Canadell et al., 2007 / NOAA Earth System Research Laboratory
      Oft werden von Skeptikern auch Ursache und Wirkung vertauscht, was aber so nicht ok ist: WÀrmeres Klima bedeutet Co2Anstieg und umgekehrt. Das ist hinlÀnglich bewiesen.

      Zum Hinweis auf RWE: Dieser Konzern verdient lÀngst prÀchtig an der "Energiewende" bzw. der These vom menschgemachten Klimawandel. Selbst eine Firma wie Exxon investiert in die "Konkurrenz". Die Fronten verlaufen also lÀngst nicht so klar wie noch vor 20 oder 30 Jahren.
      Dass RWE an der Energiewende verdient mag sein, aber das HauptgeschĂ€ft ist es noch lange nicht. In Australien ist meines Wissens seit diesem Jahr die Kohleverstromung gestoppt und es laufen massive Investitionsprogramme in erneuerbare Energien. Teilweise sind deutsche Firmen mit AuftrĂ€gen beteiligt, aber RWE etc. eben nicht. Diese Firmen laufen Gefahr die Wende zu verpassen. Auch wird zur Zeit bei der Autoindustrie immer wieder darauf hingewiesen, dass sie endlich mal in die Zukunft blicken sollten um den Anschluss nicht zu verlieren. China mit den Elektromotoren ist viel weiter. Es wird einfach Zeit, dass sich etwas Ă€ndert. Ob die neuen EnergietrĂ€ger grundlastfĂ€hig sind, ist soweit ich das weiß aber auch umstritten. BefĂŒrworter sagen klar, dass es möglich ist. Gegner natĂŒrlich nicht.

      Ich habe mich nun etwas genauer eingelesen: Dass Herr LĂŒning behauptet, seine Fakten wĂŒrden nicht beachtet werden und er wĂŒrde nur persönlich angegriffen werden, stimmt ebenfalls einfach nicht. Es gibt eine Masse von BeitrĂ€gen, Zeitungsartikel, Blogs etc. die sich kritisch und sachlich mit seinen Thesen auseinandersetzen.

      Außerdem ist die Prognose von LĂŒning und seinem Koautor schlichtweg falsch: https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/files/Daten-versus-Vahrenholt.png

      Außerdem sollte man bedenken, dass das zusĂ€tzliche CO2 das Wachstum unserer CO2-unterversorgten Pflanzen krĂ€ftig fördert - wovon z.B. Landwirtschaft und angeschlagene RegenwĂ€lder profitieren. Seriöserweise dĂŒrfen Vorteile wie dieser nicht einfach ausgeblendet werden. Jede Medaille hat zwei Seiten.
      Wieso sollten Pflanzen denn mit CO2 unterversorgt sein? Wir haben mehr CO2 denn je. Außerdem wĂŒrden sich solche Probleme natĂŒrlich lösen lassen; zu wenig CO2 -> Absterben der Pflanzen bis es sich wieder ausgleicht. Der jetztige Eingriff bringt dagegen jedes Gleichgewicht durcheinander und der CO2-Kreislauf ist gestört.

      Teil 1/2 DieNervensÀge

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    4. Übrigens lĂ€uft ein Verfahren in der USA gegen Exxon wegen Betrugs seiner AktionĂ€re. Ein kurzes Zitat: 83% seiner begutachteten Fachpublikationen und 80% seiner internen Dokumente erkennen an, dass der Klimawandel real ist und vom Menschen verursacht wird – doch diese wurden nur von einer kleinen Zahl von Fachleuten gelesen. Dagegen ziehen 81% seiner „advertorials“ die anthropogene ErwĂ€rmung in Zweifel. Advertorials sind bezahlte Meinungsartikel, die Exxon in großen Tageszeitungen publizierte, z.B. von 1972-2001 jeden Donnerstag in der New York Times (StĂŒckpreis rund $ 30.000 im Geldwert von 2016). Diese Texte wurden von einem Millionenpublikum gesehen. Exxon hat der breiten Öffentlichkeit etwas völlig anderes erzĂ€hlt als das, was intern im Unternehmen und unter seinen Wissenschaftlern akzeptiert war.

      NatĂŒrlich ist vieles, was als "grĂŒn" bezeichnet wird, keinesfalls grĂŒn. Aber das ist ja kein Argument dafĂŒr, dass der Klimawandel stattfindet und dass man etwas dafĂŒr tun muss. Es heißt lediglich, dass man genauer hinschauen sollte und die Maßnahmen ordentlich und ĂŒberlegt auswĂ€hlt.

      LG DieNervensÀge

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    5. Ich bin auch kein Klimawissenschaftler, sondern nur Laie, aber die Geschwindigkeit von Temperaturanstiegen lĂ€sst sich fĂŒr viele vergangene Ereignisse nur schwer einschĂ€tzen, weil die vorhandenen Proxydaten das aufgrund einer vergleichsweise geringen Auflösung nicht hergeben. Das heißt, TemperatursprĂŒnge können sich durchaus Ă€hnlich schnell abgespielt haben, ohne dass das bisher in den Daten ersichtlich ist. Vergleiche hinsichtlich der Geschwindigkeit von Temperaturanstiegen zwischen Gegenwart und der lange zurĂŒckliegenden Vergangenheit sind deshalb problematisch. Außerdem hat man mit den gĂ€ngigen Modellen, in denen CO2 die Hauptrolle spielt, den Hiatus der letzten eineinhalb Jahrzehnte nicht erklĂ€ren können. Im Nachhinein wurde herumorakelt, was denn der Grund sein könnte. Viele Thesen, aber nichts Stichhaltiges. Folgerichtig ist deshalb:

      https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimaforschung/klimamodellierung/temperatur-hiatus
      "Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre geben immer öfter zu erkennen, dass natĂŒrliche Schwankungen im Klima erheblich sind. Der aktuelle Temperatur-Hiatus zeigt, dass das Klimasystem derzeit noch nicht in seiner vollen KomplexitĂ€t verstanden ist und die globalen Klimamodelle noch nicht ausreichen."

      LG
      Hagen

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  10. Man kann das Thema so oder so sehen. Aber dass man bei Wikipedia LĂŒnigs Liste mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen rausgelöscht hat, geht gar nicht.

    GrĂŒĂŸle,
    Maria

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  11. Ein ganz großes Problem bei Wikipedia ist, dass wenn man in den angegebenen Quellen nachschaut, diese oft gar nicht das enthalten, was im Artikel behauptet wird. Ich habe erst vor wenigen Tagen wieder so einen Fall erlebt, und zwar beim Eintrag ĂŒber die Partei der Demokraten in den USA. FrĂŒher hĂ€tte ich mir noch die MĂŒhe gemacht, solche Fehler, die vielleicht sogar Absicht sind, auszubessern. Mittlerweile habe ich an der Mitarbeit bei Wikipedia aber kein Interesse mehr. Dieses stĂ€ndige Hin- und Her ist mir lĂ€ngst zu zeitintensiv. Ich bin nĂ€mlich Bauingenieur mit einer 40- bis 50-Stundenwoche und nicht als Uni-Klavierlehrer oder staatlicher Rechtspfleger im geschĂŒtzten Bereich tĂ€tig, wo man in seiner Arbeitszeit Hobbys wie Wikipedia nachgehen kann.
    GrĂŒĂŸe aus St. Pölten,
    Franz

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  12. Eine gut fundierte, plausibel dargelegte alternative Sichtweise.

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  13. "the science is settled"

    Ich darf daran erinnern, dass das nicht einmal fĂŒr Theorien wie Alfred Wegeners Plattentektonik gilt. Unsere Beobachtungen decken sich zwar mit der Therorie, endgĂŒltiger Beweis fĂŒr deren Richtigkeit ist das aber nicht. In der Antike konnte man zB auch die Theorie vom Geozentrischen Weltbild "beweisen", indem man einfach den Planeten andere Bahnen zuschrieb.

    Lukas. H.

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