Freitag, 11. Februar 2022

📖 Zeitschrift "Bayerische ArchĂ€ologie" - Heft 4.21: FrĂŒhe Klöster in Bayern

In den WĂŒstengegenden der östlichen HĂ€lfte des Römischen Reichs entwickelte sich als Folge der Christianisierung ab dem 3. Jahrhundert eine Mönchs- und Klosterkultur. Diese breitete sich relativ rasch bis nach Europa aus und erlebte im FrĂŒhmittelalter einen ihrer ersten Höhepunkte. Auf den entsprechenden Gegebenheiten in Bayern liegt der Fokus dieses Heftes aus der Reihe "Bayerische ArchĂ€ologie".


FrĂŒhes Mönchtum zwischen Donau und Alpen

Bernd PĂ€ffgen (LMU) und Roland GschĂ¶ĂŸl (Herausgeber) beschreiben in ihrem Beitrag auf 14 schön bebilderten Seiten die Entstehung des Mönchtums und den Niederschlag, den es in weiterer Folge im frĂŒhmittelalterlichen Bayern fand. Angefangen bei den Einsiedlern, die dem Trubel der Welt entsagen wollten, bis hin zu den KlostergrĂŒndungen unter Herzog Tassilo.
Erörtert werden zu Beginn ganz grundlegende, aber umso interessantere Dinge; wie etwa die Herkunft des Wortes "Mönch", welche auf das typische Einsiedlerdasein in der Anfangszeit des Mönchtums zurĂŒckzufĂŒhren ist (monos/monachos = einzeln, allein). DarĂŒber hinaus enthĂ€lt die Geschichte dieser frĂŒhen Mönche Aspekte, die wir heute eher zum Lachen finden - auch wenn das einst von den handelnden Personen sicher völlig anders beabsichtigt war 😃. Beispielsweise versuchte manch spĂ€tantiker Mönch - besonders im Vorderen Orient - sich mittels stark ausgeprĂ€gter Askese als besonders heilig zu inszenieren. Man trug zerlumpte Kleidung und aß nur gesammelte KrĂ€uter und FrĂŒchte. Die Lebensweise dieser als "Grasfresse" bezeichneten Mönche wurde freilich von jenen Berufskollegen ĂŒberboten, die als BuĂŸĂŒbung jahrelang schwere Eisenketten mit sich herumtrugen. Teilweise waren diese dermaßen schwer, dass damit eine Fortbewegung nicht oder kaum noch möglich war. Den Vogel schossen allerdings die sogenannten "SĂ€ulenheiligen" ab. Diese zogen sich in ihrer Weltflucht auf die Spitze von SĂ€ulen zurĂŒck und predigten von dort oben Pilgern. Diese - im wahrsten Sinne des  Wortes - auf die Spitze getriebene Askese wurde allerdings aus den Reihen der Kirche kritisiert. Man sah in einer solchen Zurschaustellung von vermeintlicher oder tatsĂ€chlicher Tugend bereits eine Form der Eitelkeit und Angeberei.
Im zweiten Teil des Beitrages werden die bedeutenden spĂ€tantiken sowie frĂŒhmittelalterlichen KlostergrĂŒndungen Bayerns aufgezĂ€hlt und jeweils kurz erörtert. Darunter KĂŒnzing und Passau, die mit dem berĂŒhmten Severin in Verbindung gebracht werden. Außerdem Weltenburg, Benediktbeuern, Sandau am Lech und viele mehr. Die zerstörerischen UngarneinfĂ€lle im 10. Jahrhundert beendeten dann vorĂŒbergehend die BlĂŒtezeit der bayerischen Klosterlandschaft. Was sich nicht nur in den schriftlichen Überlieferungen widerspiegelt, sondern auch in Form von Brandhorizonten, die immer wieder im Rahmen archĂ€ologischer Grabungen zutage treten. In Sandau wurde sogar eine ungarische Pfeilspitze gefunden. 
'Beutebayern', also Bayerisch-Schwaben und Franken, wird in zwei gesonderten BeitrÀgen behandelt.


Doctrix Doppelname-Doppelname: Herrenchimsee - das Ă€lteste Kloster Bayerns 

In diesem Heftbeitrag wird der Frage nachgegangen, ob die ArchĂ€ologie die These bestĂ€tigen kann, dass "Herrenchimsee" das Ă€lteste Kloster Bayerns ist. So weit, so gut. DarĂŒber hinaus fĂ€llt die Autorin - Brigitte Haas-Gebhard - hier allerdings negativ auf, da sie das unsĂ€gliche Binnen-I verwendet, um ihre feministische Tugend der Welt kundzutun. Wobei dieses Verhalten ja eigentlich nicht ĂŒberraschen sollte, denn Frau Dr. Doppelname-Doppelname ging vor einigen Jahren auch mit der zweifellos genauso feministisch beeinflussten These hausieren, im merowingerzeitlichen Bayern hĂ€tte es weibliche Krieger gegeben. Irgendwann hat sie zwar widerrufen, aber da war der substanzlose Mega-Stuss bereits draußen in der Welt und wurde von der ebenfalls feministisch drehenden Journaille begeistert wiedergekĂ€ut; so Ă€hnlich wie ein paar Jahre spĂ€ter im Fall der herbeifantasierten "Wikingerkriegerin" aus Birka. Die Geschichtsforschung besteht heutzutage eben zu nicht unerheblichen Teilen aus Ideologie-Trash. Das fĂ€ngt schon bei der Wortwahl an und endet bei der Interpretation. Freilich, wer sich Tacitus und Konsorten ansieht, der kommt zu der Erkenntnis: FrĂŒher war es auch nicht besser. Nur anders.


Campus Galli: Ein Kloster wird [nicht] gebaut

Wer der Autor dieses unkritischen Kurz-Beitrags (im Stil einer Werbeanzeige) ĂŒber die Klosterbaustelle Campus Galli war, wird nicht verraten. NatĂŒrlich passt aber das Projekt thematisch gut zum Heft, möchte man im baden-wĂŒrttembergischen Meßkirch doch ein frĂŒhmittelalterliches/karolingerzeitliches Großkloster nach dem Vorbild des Sankt Galler Klosterplans errichten. Zumindest lautet so das Marketing-Narrativ. Der Kenner weiß freilich, dass man in der RealitĂ€t kaum etwas weiter bringt und stattdessen seit 2012/2013 vor allem Millionen an Subventionen der Öffentlichen Hand verbrennt. Von den rund 50 geplanten GebĂ€uden steht gerade einmal ein einziges - nĂ€mlich eine mittelgroße Scheune. Rechnet man das eigentlich nur als Provisorium vorgesehene Holzkirchlein großzĂŒgig hinzu, dann sind es zwei. Zwei in rund 10 Jahren!!!
Dementsprechend ist es auch realitĂ€tsferner Blödsinn, wenn der Artikelautor behauptet, das Fertigstellungsdatum sei fĂŒr 2050 anvisiert. Selbst aus den Reihen der Projektbetreiber heißt es schon lange, dass man mit bis zu 80 oder  gar 100 Jahren Bauzeit rechnet. Will heißen, die werden - realistisch betrachtet - mit ihrem Krempel nie fertig werden. 

Erheiternd fĂŒr mich war freilich, dass man - sicher nicht in böser Absicht - in dem Artikel schreibt, auf der Klosterbaustelle wĂŒrden Mittelalterbegeisterte "werkeln". Weiß ich doch aus erster Hand, dass der Leiter des Campus Galli - Hannes Napierala - diesen Begriff als despektierlich empfindet; weswegen auch ich ihn immer wieder gerne in meinen Texten ĂŒber das Projekt verwende 😄


Wenn das der FĂŒhrer wĂŒsste! - Corona-Selbstmörder (?) und Quark(s)

SelbstverstĂ€ndlich bietet die "Gesellschaft fĂŒr ArchĂ€ologie in Bayern" mit ihrer eigentĂŒmlichen Einstellung zu den Corona-Maßnahmen auch diesmal wieder Grund zur Erheiterung. Einerseits erklĂ€rt man in einem Beitrag ganz artig, dass die Vereinsmitglieder nur in Siebener-Gruppen an einer FĂŒhrung im Straubinger GĂ€ubodenmuseum teilnehmen durften - weil es sich um geschlossene RĂ€ume handelte und die Corona-Regeln das angeblich so vorsahen. Andererseits posieren die fast 30 Teilnehmer noch kurz davor dicht an dicht gedrĂ€ngt fĂŒr ein Gruppenbild - und zwar ebenfalls in einem mehr oder weniger geschlossenen Raum (auch stellt sich die Frage, ob die Leute einzeln angereist sind oder gemeinsam im Bus 🙄).
Wollte man hier den fĂŒr die Corona-Regeln Verantwortlichen seitens des Vereins - besonders aber seitens seiner VorstĂ€nde PĂ€ffgen und Husty - demonstrativ etwas husten? Sollte hier ganz bewusst der Politik der Mittelfinger gezeigt werden oder hatte man lediglich das Hirn nicht eingeschalten gehabt und deshalb aufs durchgehende Tugend-Signalisieren vergessen? Da es sich um die Gesellschaft fĂŒr ArchĂ€ologie in Bayern handelt, die ja schon mehrfach mit einschlĂ€gigem Nonsens aufgefallen ist, tendiere ich zu letzterer Möglichkeit. Doch so oder so wird ersichtlich, dass die Vereinsmitglieder das Corona-Virus mittlerweile Ă€hnlich ernst nehmen wie einen Schnupfen. Aber zugeben wĂŒrden sie das öffentlich freilich nicht.

Weil wir gerade bei diesem unsĂ€glichen Nerv-Thema sind, ein Exkurs: Angeblich nicht zuletzt aufgrund von medial breitgewalzten Empfehlungen der Macher der TV-Reihe Quarks, sah sich die UniversitĂ€t Greifswald kĂŒrzlich dazu veranlasst, die Studenten aufzufordern, sich von etwaigen VollbĂ€rten zu trennen (zum VergrĂ¶ĂŸern auf Bild klicken):
Bildzitate

Wenn das der FĂŒhrer wĂŒsste! Bemerkenswert ist auch, dass die ECDC (nicht AC⚡DC) hier wieder einmal vollstĂ€ndig ignoriert wird. Freilich, man wird sich gedacht haben: Wenn das die hohe Politik schon seit etlichen Monaten so macht, warum dann nicht auch wir als nachgeordnete Uni? So viel wieder einmal zu "follow the science". Der Spruch wird immer mehr zum entlarvenden Deppenstempel fĂŒr jene heuchelnden Kreise, die ihn wie ein Glaubensbekenntnis vor sich hertragen. 
Es hat schon seine GrĂŒnde, warum nahezu nirgendwo auf der Welt eine breitflĂ€chige FFP2-Maskenpflicht anzutreffen ist - außer in ĂŒberdimensionierten KlapsmĂŒhlen wie beispielsweise Österreich und Deutschland. Obschon gerade die Politiker dieser beiden Staaten aus der Geschichte gelernt haben sollten: Gemeinsam marschieren, heißt verlieren! 
Da eine FFP2-Masken ĂŒber keine Gummilippe verfĂŒgt, die sie perfekt mit der GesichtsoberflĂ€che abschließen lĂ€sst, atmet man unweigerlich ĂŒberwiegend an ihren RĂ€ndern vorbei - egal ob mit oder ohne Bart. Die mit Aerosolen angereicherte Luft wird dabei aufgrund der relativ geringen GrĂ¶ĂŸe der Öffnungen zusĂ€tzlich beim Ausatmen beschleunigt - Ă€hnlich wie das Wasser in einem Gartenschlauch, dessen Ende man zusammendrĂŒckt; ein Vollbart könnte hier möglicherweise sogar von Vorteil sein, weil er fĂŒr Verwirbelungen sorgt, was wiederum zu einem Abbremsen der Luft fĂŒhrt. 
Also: Jeder, ich wiederhole, wirklich jeder, der schon eine solche Maske getragen hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass die Luft primĂ€r an den RĂ€ndern rein und raus strömt. Einfach weil sie den Weg des geringsten Widerstandes wĂ€hlt. Doch die Anti-Bart-Aktivisten und Kurzstreckendenker der medizinischen FakultĂ€t der Uni Greifswald behirnen das offensichtlich nicht. Billiges 'virtue signalling' ist stattdessen angesagt. Das Rektorat sollte sich daher mit den kaum minder komischen Gestalten der "Gesellschaft fĂŒr ArchĂ€ologie in Bayern" auf ein Packl schmeißen.


Zyklopenmauer der Bronzezeit in Bayern

Auf dem StĂ€tteberg in Unterhausen erforschen ArchĂ€ologen seit einigen Jahren eine sogenannte "zyklopische Mauer". Dieses aus ĂŒbergroßen Steinen bestehende Bauwerk ist Teil einer bronzezeitlichen Befestigungsanlage, die als "einzigartig" in Deutschland bezeichnet wird. C14-Datierungen von organischem Material deuten zurzeit auf eine Entstehungszeit im 14. Jh. v. Chr. hin.  Das ist jene Epoche, in der auch beispielsweise im mykenischen Griechenland Ă€hnliche Bauten aus großen Quadern entstanden. Spannend wĂ€re es daher, wenn bei den Grabungen Hinweise entdeckt werden wĂŒrden, die auf einen Warenaustausch mit der Mittelmeerwelt hindeuten.


Weitere Heft-BeitrĂ€ge (Auswahl)
  • ArchĂ€ologie in den Bezirken
  • Homo sapiens sapiens am Inn
  • UhrmacherhĂ€usl muss wieder hergestellt werden (ein geschichtsvergessener Besitzer hat in MĂŒnchen entgegen dem Denkmalschutzgesetz ein historisches GebĂ€ude abreißen lassen - jetzt wurde er dazu verdonnert, es wieder aufzubauen; ob das noch sinnvoll ist, wage ich allerdings zu bezweifeln)

Fazit

Ich habe mich bei dieser Rezension zu sehr mit meiner Kritik an NebenkriegsschauplĂ€tzen verzettelt. Will heißen, die Gewichtung passt unterm Strich nicht. Allerdings fehlt mir die Zeit, das mit noch mehr Text auszugleichen. Und löschen mag ich schon gleich gar nichts vom Geschriebenen. Daher sei betont: Das Heft gibt einen recht umfangreichen Überblick zur frĂŒhmittelalterlichen Klosterwelt auf dem Gebiet des heutigen Bayern. Allerdings ist dabei fĂŒr meinen Geschmack der damalige Lebensalltag der Mönche deutlich zu kurz gekommen. Stattdessen hat man sich auf die Entstehungsgeschichte der einzelnen Klöster konzentriert. Wen nun aber vor allem das interessiert, der sollte hier zugreifen.

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4 Kommentare:

  1. Jetzt pass mal auf, zB die Schweden sind bekanntlich fast ausgestorben, weil sie keine allgemeine FFP2 Maskenpflicht, keine vorverlegten Sperrstunden, keine geschlossene Nachtgastronomie, keine Schulschließungen, kein 2G, kein 3G und keine Lockdowns gehabt haben! ;-)

    Campus Galli wird fertig, wenn Christus wiederkehrt, also am Tag des JĂŒngsten Gerichts. Die fĂŒr die Geldvernichtung verantwortlichen Ortspolitiker kann er dann gleich direkt in die Hölle einweisen.

    Gero

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  2. Ich habe das Heft. Ja, der Klosteralltag kommt zu wenig vor. Ansonsten aber fĂŒr mich ok.
    Die Gesellschaft fĂŒr ArchĂ€ologie habe ich schon vor Covid als Komikertruppe in Erinnerung. Einige Äußerungen von fĂŒhrenden Mitgliedern zur römischen Besiedlung in Regensburg bei einem Vortrag waren kabarettreif.
    GrĂŒĂŸe nach Österreich
    Martin

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  3. Vor ein paar Wochen im Zug von MĂŒnchen nach Berlin: Mit mir im Abteil sitzt eine junge Frau, die mich immer strafend anschaut, wenn ich die Maske nicht sofort wieder raufziehe, nachdem ich von meiner Limo einen Schluck genommen habe. Gleichzeitig beobachte ich sie dabei, wie sie stĂ€ndig an ihrer eigenen Maske rumzupft und sie innen und außen mit ihren Fingern betatscht. Sie macht das wĂ€hrend der Fahrt mindestens 100 mal. Im Bundestag die gleiche Sorte von Deppen. Keine Sau dort verwendet den Mund-Nasenschutz vorschriftsgemĂ€ĂŸ, das kann man bei den im Fernsehen ĂŒbertragenen Sitzungen sehr gut beobachten.

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    1. Deshalb fahre ich mit dem Auto. Lieber im Stau stehen, anstatt sich mit solchen BlödmĂ€nnern und Blödfrauen abgeben zu mĂŒssen.

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