Sonntag, 26. Juni 2022

📖 Comic-Rezension: "Asterix in Italien" - vom guten Deutschen bis zu Berlusconi

Der fĂŒr den Erhalt der römischen Straßen zustĂ€ndige Senator Lactus Bifidus (😄) wird im Senat von einem Kollegen mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er seine Aufgabe sehr schlecht erfĂŒllt. Um das zu entkrĂ€ften, kĂŒndigt Bifidus an, ein mit internationalen Teilnehmern besetztes Wagenrennen von Nord- bis nach SĂŒditalien zu veranstalten. Damit soll unter Beweis gestellt werden, dass die Straßen völlig in Ordnung sind. NatĂŒrlich bekommt Caesar davon Wind und fordert Bifidus auf, gefĂ€lligst dafĂŒr zu sorgen, dass nicht ein AuslĂ€nder gewinnt, sondern ein Römer. Doch auch Asterix und Obelix erfahren im fernen Gallien von diesem Rennen und entschließen sich, daran teilzunehmen.


Ad fontes - zu den Quellen!

Die Geschichte erscheint mir ein wenig wie eine Mischung aus "Asterix bei den Olympischen Spielen" und vor allem "Tour de France" - zwei Ă€lteren BĂ€nden der Reihe. Autor und Zeichner bedienen sich quasi bei sich selbst - oder besser gesagt bei den frĂŒhen Werken ihrer beiden VorgĂ€ngern Goscinny und Uderzo. Das muss nicht schlecht sein - und ist es hier nach meinem Empfinden auch keinesfalls. An die oben genannten Klassiker kommt man allerdings nicht heran.

Als 'Fan' der spĂ€ten Römischen Republik und ihrer Schriftzeugnisse ist mir natĂŒrlich sofort aufgefallen, dass die Sache mit dem unfĂ€higen bzw. korrupten Senator, der seine Aufgaben beim Straßenbau vernachlĂ€ssigt, in Ă€hnlicher Form auch im Rahmen von Ciceros bekannten 'Reden gegen Verres' vorkommt. Dort heißt es, dass der als Korruptionist berĂŒchtigte Senator Gaius Verres eine besonders bedeutende Straße in der Stadt Rom dermaßen nachlĂ€ssig instand setzen hat lassen, dass er es im Nachhinein aus Scham vor seinen MitbĂŒrgern vermied, sich darauf zu zeigen; wohl aufgrund schlechter Pflasterung dĂŒrfte die Straße bereits nach kurzer Zeit wieder mit unzĂ€hligen Schlaglöchern ĂŒbersĂ€t gewesen sein. 

Wer ist von der Statue des (Gottes) Vertumnus zum Circus Maximus gegangen, ohne bei jedem Schritt an deine Habsucht erinnert zu werden? Diesen Weg hast du ja fĂŒr FestzĂŒge und Götterwagen derart herstellen lassen, dass du selbst nicht darauf zu gehen wagst!
Marcus Tullius Cicero Reden gegen Verres II, 59  | Übersetzung von Gerhard KrĂŒger, Reclam, 1986/2017

Ob Verres bzw. Ciceros Bemerkung Ideengeber fĂŒr den entsprechenden Abschnitt der Handlung von "Asterix in Italien" war?


Die Goten = die Deutschen

Die Goten stehen in den Asterix-Heften fĂŒr die Deutschen. Wer das weiß, dem fallen natĂŒrlich sofort diverse Anspielungen auf. Etwa der schwer gePANZERte Wagen der Goten sowie die davor gespannten feld- bzw- wehrmachtsgrauen Pferde, die im Stechschritt marschieren. Sozusagen eine Reminiszenz an jene Zeit, als die Wehrmacht in Paris vorbeigeschaut hat und die Champs ÉlysĂ©es hinuntermarschiert ist. 

Wenn ein mobiles Wirtshaus "Zum guten Goten" heißt, dann liegt der Verdacht nicht ganz fern, dass hier auf den Begriff vom "good German" angespielt wird. Im Englischen ist das ironisch gemeint bzw. es handelt sich um einen negativ konnotierter Begriff, der in gewisser Weise DuckmĂ€user- und MitlĂ€ufertum beschreibt - und zwar in Anspielung auf die NS-Zeit. Mich erinnert das freilich sofort an eine Stelle in einer Folge der "Simpsons" đŸ˜


Alle Wege fĂŒhren nach Rom

Alle Wege fĂŒhren bekanntlich nach Rom, entsprechend sind auch die Wegweiser bzw. Meilensteine ausgestaltet. 😄

Der Weg des Rennens fĂŒhrt auch zu bekannten Italienern der jĂŒngeren Geschichte, darunter der ObernsĂ€nger Luciano Pavarotti und der vor allem von unserer Journaille so 'geliebte' Politiker Silvio Berlusconi ('bunga bunga'). Wobei ersterer hier als Gastwirt in Erscheinung tritt, letzterer als reicher Garum-Fabrikant. Beide Herren sind zeichnerisch gut getroffen! Wobei sich freilich die Frage stellt wie es um den Wiedererkennungswert in einigen Jahrzehnten bestellt sein wird. Es ist immer ein gewisses Problem, wenn man allzu Aktuelles in die Comic-Handlung einbindet. Das altert meistens nicht sehr gut.


Augen auf: Römerinnen im Bikini!

Wer mit den archĂ€ologischen Zeugnissen der Antike relativ gut vertraut ist, wird in den Asterix-Geschichten viel Altbekanntes wiederfinden. So etwa die bemerkenswerte Darstellung einer Römerin im Bikini. Ja, das ist keine bloße Erfindung des Zeichners, sondern dergleichen hat es tatsĂ€chlich schon damals gegeben. Bei der Originaldarstellung handelt es sich um den Teil eines Mosaiks der spĂ€tantiken "Villa Romana del Casale" in Piazza Armerina (Sizilien). Es zeigt u.a. verschiedene Frauen beim Sport.


Fazit

Ja, geht so. Besser als "Asterix und der Greiff" ist dieser Band allemal. Vielleicht auch einen Tick besser als "Der Papyrus des CĂ€sar". Ich habe daher ĂŒberlegt, ob ich nicht vielleicht vier Sterne vergeben kann. Allerdings sind fĂŒr mich der Maßstab die alten klassischen Asterix-Geschichten von vor 50 Jahren. Und im Vergleich damit erscheinen mir hier drei Sterne angemessener. Immerhin ist besonders in "Asterix in Italien" feststellbar, dass sich die Macher durchaus mit den schriftlichen und archĂ€ologischen Überlieferungen auseinandergesetzt haben. Die daraus hervorgehenden Anspielungen und Einsprengsel zu finden, kann gerade Lesern mit einschlĂ€gigem Vorwissen ein gewisses VergnĂŒgen bereiten. 


PS: Von mir werden hier in nĂ€chster Zeit auch noch "Asterix bei den Pikten" und "Die Tochter des Vercingetorix" besprochen. Ich kann jetzt schon verraten, dass es nicht besser wird. Ganz und gar nicht ...

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3 Kommentare:

  1. Die AsterixbĂŒcher des neuen Zeichners und des Neuen Texters sehe ich als sehr durchwachsen an.
    Da sind ein paar passable dabei, aber auch ein paar schlechte. Weil ich sie seit 27 Jahren sammle und lĂŒckenlos besitzen möchte, kaufe ich mir aber immer alle. Auch die, von denen ich im Vorhinein durch Rezensionen weiß, dass sie mir wahrscheinlich nicht gefallen werden. Kunden wie mich mag der Verlag wahrscheinlich besonders.
    ;-)

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  2. Schöne Rezension, danke!
    MiMod

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  3. Also mal wieder ein Asterix Comic, das man sich kaufen kann. Das hats schon lange nicht mehr gegeben.

    Gero

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