Vor wenigen Tagen ist der viel kritisierte, aber auch viel gelesene Schweizer Bestseller-Autor und Privatforscher Erich von Däniken verstorben. Er wurde 90 Jahre alt. Aus diesem Anlass ein paar persönliche Gedanken.
Die sogenannte "Mystery"-Sparte hat mich mein Leben lang immer nur am äußersten Rande interessiert. Hält doch die klassische Geschichtsforschung ebenfalls sehr viele Spannendes bereit. Ein Umstand, der nicht nur einen Teil meiner Ausbildungsentscheidung beeinflusste, sondern auch meine Hobbies. Wohl deshalb bin ich erst sehr spät auf Erich von Däniken gestoßen. Zwar habe ich in den frühen 1990ern etwas von seiner 25teiligen Sendereihe auf "Sat 1" mitbekommen - ihr Titel lautet "Auf den Spuren der All-Mächtigen" - aber das hat wiederum bei mir selbst absolut gar keine Spuren hinterlassen. Vielmehr habe ich damals als Halbwüchsiger gerade begonnen, meine Nase in die vielen Seekriegsromane zu stecken, die aus den Schreibfedern von Alexander Kent, Cecil Scott Forester, Patrick O'Brian und etlichen weiteren Autoren stammten.
Doch irgendwann, es war so um 2007, kam mir auf dieser damals noch relativ neuen Plattform namens "Youtube" ein in mehrere Schnipsel aufgeteiltes Video unter, in dem Erich von Däniken eine seiner Thesen ausbreitete. Eigentlich wollte ich nur kurz reinschauen, aber als der Schweizer gleich zu Beginn einen alttestamentarischen Text neu auslegte und dabei etwas von "geilen Außerirdischen" erzählte, die "Sex mit Menschenfrauen" machen wollten", musste ich natürlich weiterschauen 😁. Das war für mich der Einstieg in das Thema Prä-Astronautik bzw. Paläo-SETI.
Däniken hat die Idee von der Prä-Astronautik zwar nicht selbst erfunden, aber durch seine Bücher - allen voran "Erinnerungen an die Zukunft" - weltweit populär gemacht. Und im Angesicht der bemerkenswerten Entwicklung, die gerade die seriöse und z.T. staatlich getragene UFO- bzw. UAP-Forschung in den vergangenen Jahren genommen hat, wird die Wahrscheinlichkeit immer größer, dass der Schweizer richtig lag. Nicht unbedingt im Detail, aber was die Kernaussage der Prä-Astronautik betrifft. Nämlich, dass die Erde bereits in vormoderner Zeit mehrfach Besuch von Außerhalb erhielt; und dass diese Ereignisse möglicherweise Spuren bei unseren einfach gestrickten Vorfahren hinterließen: Kulturell/religiös, technisch und eventuell sogar genetisch (ich selbst weise ja seit etwas mehr als einem Jahr in meiner Rubrik "Was in der alten Zeitung steht" auf als historische UFO/UAP-Sichtungen interpretierbare Himmelserscheinungen hin).
Obwohl mich Däniken nie völlig mit seinen Argumenten überzeugt hat, so wünsche ich mir irgendwie doch, dass er zumindest teilweise richtig lag. Nicht nur der wissenschaftlichen Sensation wegen, sondern auch, weil dann all seine Kritiker aus der Wissenschaft und dem Journalismus überaus dumm dastehen würden. Sind sie Erich von Däniken doch nur selten auf sachlicher Ebne begegnet, sondern verlegten sich aus intellektueller Faulheit lieber darauf, ihm rein finanzielle Beweggründe zu unterstellen; er würde ja nicht einmal selbst glauben, was er da so erzählt. Belegen konnte man diese Unterstellung freilich nie, was für Leute, die sich in der Pose des angeblich so sachlichen Wissenschaftlers gefallen, schlicht und ergreifend peinlich ist.
Unabhängig davon, was man von den Theorien des Erich von Däniken hält, so ist doch eine Tatsache unbestritten: Er hat die Geschichtswissenschaft bzw. die Archäologie für viele Millionen Menschen überhaupt erst interessant gemacht. Und nicht wenige seiner Leser sind dann irgendwann von der hochspekulativen "Mystery"-Schiene in den argumentativ solideren Bereich übergewechselt.
Außerdem ist es Däniken zu verdanken, dass unzählige Forscher sich im Laufe der Jahrzehnte genötigt sahen, ihre eigenen Behauptungen besser zu argumentieren und mit harten Fakten zu untermauern. Vielen von ihnen ist das gelungen, vielen aber auch nicht. Und es sind oft besonders die Letzteren, welche unseriös und unwissenschaftlich auf den Schweizer Privatforscher reagierten. Ein Paradebeispiel dafür habe ich im Rahmen meiner Rezension des Buchs "Fakten und Fiktionen - Archäologie vs. Pseudowissenschaft" dargelegt.
Was bleibt abschließend zu sagen? Nun, ein Blogleser hat Erich von Dänikens Ableben wohl am treffendsten kommentiert: "Ich hoffe, dort wo Erich von Däniken jetzt ist, erhält er Antworten auf die vielen Fragen, die ihn sein Leben lang umgetrieben haben."
In der Tat, möge er nicht in Frieden ruhen, sondern jetzt erst recht die Geheimnisse des Universums ergründen.
—————–
HINWEIS: Der von mir sehr geschätzte Experimentalarchäologe Dominique Görlitz hat aus gegebenem Anlass ein längeres Interview gegeben, in dem Dänikens Verdienste gewürdigt werden, aber man durchaus auch ein kritischen Blick auf sein Lebenswerk wirft. Hier geht es zum Youtube-Video.
—————–
Weitere interessante Themen:
- Krimskrams: Der Münzschatz von Ellwangen und seine 'undankbaren' Nutznießer -- Nachtrag zu den römischen Pfannenbroten
- Ärger als der Campus Galli: Das absonderliche Limeskastell Pohl
- Krimskrams: Stonehenge von Extremisten verunstaltet -- Campus-Galli-Geschäftsführer Hannes Napierala outet sich als Parteipolitiker
👽👉 https://cropfm.at/frontpage
AntwortenLöschenSpitz! Danke für den Hinweis!
LöschenAn die notgeilen Aliens erinnere ich mich 😂
AntwortenLöschenIch glaube, das hat EvD in einem auf DVD veröffentlichten Vortrag erzählt.
Muss aber sagen, die Sache mit den Hybridwesen, die aus solchen Mischberbindungen mit menschlichen Frauen entstanden sein sollen, habe ich immer als eine seiner schwächsten Theorien betrachtet. Das Henoch-Raumschiff war wesentlich plausibler.
Gero
Sozusagen eine "EvD-DVD" ;)
LöschenDie Sache mit dem Bericht des Propheten Henoch fand ich insgesamt auch immer am überzeugendsten. Däniken hat wohl nicht zufällig dieses Beispiel besonders häufig bei Interviews und Vorträgen erwähnt.