Sonntag, 24. Mai 2026

Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 1.26: Schlachtfeldarchäologie (außerdem: steuergeldfinanziertes Archäo-Fressen in Erding, böse Metalldetektoren und mehr)


Und weiter geht es mit einer neuen Ausgabe der Zeitschrift "Bayerische Archäologie". Schwerpunkt ist diesmal das durchaus interessante Thema "Schlachtfeld-Archäologie" (und weil das Verzichten auf den Bindestrich im Heft-Titel zu einer stark veränderten Bedeutung geführt hätte, hat man diesmal nicht aus rein optischen Gründen absichtlich auf die deutsche Rechtschreibung gesch...pfiffen ^^). 

Natürlich enthält das Heft auch Beiträge zu anderen Themen. Entsprechend werde ich eine Auswahl treffen, um nicht zuletzt einen kritischen Blick auf den staatlichen bzw. staatsnahen Archäologiebetrieb und seine Akteure zu werfen. Schauen wir also, was mich diesmal - passend zum Blog-Motto - so alles aufregt 😉.



Rätselhaft wie die Sibylle von Cumae, Völlerei und eine geriatrischen Ausflugsgesellschaft

Die "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" (GfA) hat in wissenschaftlicher Hinsicht zweifellos ihre Verdienste. Ich finde diesen Verein bzw. einige seiner großkopferten Akteuer aber trotzdem in mancherlei Hinsicht skurril bis suspekt - wie ich schon mehrfach in den Rezensionen dieser Heftreihe anhand von Beispielen dargelegt habe. Etwa der wohl narzisstische Hang dieser Truppe und seines Dunstkreises, sich inflationär gegenseitig irgendwelche Ehrungen umzuhängen, ist in meinen Augen befremdlich. Nun hatte sich die GfA - unter anderem zu diesem Zweck - bei einer in Erding abgehaltene Jahrestagung versammelt, wo, wie es heißt, ein "archäologieaffiner" Ortskaiser regiert. Und weiter berichtet man:

Zuletzt lud Oberbürgermeister Gotz zum Empfang der Stadt ins Museum Erding, wo er in einer bewegenden Ansprache einerseits den Wert von Archäologie und Geschichte hervorhob und andererseits dazu aufrief, mit demokratisch gewählten Amtsträgern achtsam umzugehen, da man sonst womöglich irgendwann keine mehr finden werde.

Was redet der da? Was soll das heißen? Dass ihm der berüchtigte 188er-Paragraph nicht ausreicht und man seinesgleichen komplett in verbale Zuckerwatte einwickeln soll? Oder will dieser Herr auf etwas ganz anderes hinaus, das sich nur dem intimen Kenner der Politikszene Bayerns/Deutschlands erschließt?
Im Übrigen, nur direkte Demokratie ist echte Demokratie im Sinne einer Volksherrschaft, wie sie der Begriff 'Demokratie' bedeutet (von historischen Feinheiten abgesehen). 'Repräsentative Demokratie' ist hingegen ein astreines Oxymoron - sprachlich wie auch in der politischen Praxis. Man benötigt freilich ein Minimum an intellektueller Redlichkeit, um das zu konstatieren; was Parteipolitiker weitestgehend ausschließt. Die sägen nicht den Ast ab, auf dem sie sitzen. Der Adel hat seine Herrschaft ja auch nicht freiwillig abgegeben.

Auf die geistige Erbauung folgte umgehend die körperliche Stärkung an einem reichhaltigen und vielfältigen Büfett der Stadt.

Ah, der indigene Zahlesel darf hier demnach für die opulente Fresserei eines auswärtigen Privatvereins löhnen, dessen saturierte Funktionäre überproportional im geschützten staatlichen Bereich arbeiten oder gearbeitet haben. Wirklich sehr sympathisch, dieses ungenierte Schnorrertum auf Steuerzahlerkosten. Besonders in Zeiten des rapiden wirtschaftlichen Niedergangs und Wohlstandsverlusts breiter Teile der Bevölkerung. Es bleibt hier nur noch die Frage: Erstreckt sich die Großzügigkeit der Gemeinde Erding auf alle lokalen Vereine? Werden diesen ebenfalls fette Buffets bezahlt? Falls nicht, dann sollte man diesem Oberdemokraten von einem Bürgermeister vielleicht die Frage stellen, wie "demokratisch" es eigentlich ist, wenn das cornu copia (Füllhorn) der Gemeinde tendenziell nur über jenen Vereinen ausgeschüttet wird, deren Vereinszweck er persönlich geil findet.

Zum Schluss noch eine Beobachtung: Die GfA berichtet auch von einem mehrtägigen Ausflug, der gut 20 ihrer Mitglieder nach Baden-Württemberg führte. Unter anderem zu meiner Lieblingsmittelalterbaustelle Campus Knalli Galli. Die Reisegruppe posiert dabei vor einer der dortigen Gebäuderekonstruktionen. Als ich mir die Leute so ansah, dachte ich mir: Sind die aber alt! Da würde ja selbst ich mit meinen Mitte Vierzig jung im Vergleich dazu aussehen. 
Falls diese Reisegruppe ungefähr das Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder repräsentiert, dann sollte man sich dringend überlegen, ob hier nicht Handlungsbedarf besteht. Denn wenn die Vereinsarbeit primär bei Personen Anklang findet, die in der Nacht vermutlich dreimal aufstehen müssen, um einmal zu pieseln, dann läuft hier grundlegend etwas falsch. 


Die befahrene Kühlgrube, in der Mäuseschädel und Holzreste eine Party feiern

Für mich eigentlich ganz interessant ist ein Text, in dem es um die Erforschung einer Grube im Keller der Burg Hiltpoltstein geht (Namensgeber war angeblich ein Hiltebold 😀). Man vermutet, dass diese nicht sehr große Grube - sie ist lediglich 2,25 Meter tief - für die Kühlung von Lebensmitteln vom Spätmittelalter bis in die späte Neuzeit verwendet wurde. Temperaturmessungen ergaben, dass es am tiefsten Punkt der Grube um fast 4 Grad kühler war als am Boden des Kellergewölbes. 
Ob es sich aber auszahlt, dafür eine Grube in den Sandstein zu schlagen? Oder haben hier die Forscher etwas übersehen? Wurde das Ding vielleicht im Winter dicht mit Eis vollgepackt, um dieses bis in den Sommer hinein verwenden zu können? Da ein doppelter Boden aus Holz vorhanden war, durch den Schmelzwasser hätte abrinnen können, würde mich das nicht wundern (mehr von mir zum Thema der historischen Lebensmittelkühlung hier).

So weit, so gut. Doch bei gewissen Formulierungen im Text habe ich mit den Augen heftig zu rollen begonnen. So konnte ich mich noch nie mit dem in der Archäologie gebräuchlichen Begriff "Vergesellschaftung" (von Funden) anfreunden. Wenn etwa in diesem Loch Mäuseschädel, Holzreste und Keramikscherben "vergesellschaftet" sind, dann hört sich das für mich an, als ob die zusammen eine Party feiern. In Gesellschaft befinden sich für mich nur Lebewesen; zuvörderst Menschen, aber auch Tiere.

Besonders ulkig wurde es aber, als es hieß, Besucher der Burg können die freigelegte Grube "befahren". Und ja, ich weiß natürlich, dass dieser Begriff in der Höhlenforschung üblich ist. Aber bei einem nur 2,25 Meter tiefen Loch hört sich das irgendwie lächerlich an. Wäre es so schlimm, wenn man einfch nur "hinuntersteigen" sagen würde? Oder hört sich das nicht schlaudeutsch genug an?


Der Herr Doktor

In Wolkertshofen ist man im Rahmen von Bauarbeiten auf das steinerne Fundament eines römerzeitlichen Grabhügels gestoßen, der in dieser Form auf dem Gebiet der einstigen Provinz Raetia  selten vorkommt - heißt es. Gewundert habe ich mich aber vielmehr über den komplizierten Namen der zuständigen Grabungsfirma: "Archäologiebüro Dr. Woidich GmbH." Wie kommt man, bitteschön, auf so etwas? Wieso hat "Archäologiebüro GmbH" nicht ausgereicht? Das ist doch eingängig und knackig? Wozu auch noch den Dr. Woidich dranhängen? Um mit dem akademischen Grad Kompetenz zu signalisieren? So wie hier 😄? Oder hat einfach das Ego dieses Herrn Woidich es nötig gehabt, dass er mit seinem Doktor im Firmennamen aufscheint? 
Mit dieser Verkomplizierung verringert man jedenfalls nur wieder einmal die Auffindbarkeit mittels Suchmaschine. Ich habe über ein anderes Beispiel ja erst in der Rezension der vorherigen Ausgabe von "Bayerische Archäologie" berichtet. Davon abgesehen, sieht die Website aus, als ob sie von einem Programmier-Laien bzw. ihm selber erstellt wurde - und zwar in grauer Vorzeit. Hoffentlich ist er wenigstens als Archäologe besser...


Böser Metalldetektor

In einem Beitrag, der unter anderem schlachtfeldarchäologische Untersuchungen in Oberfranken zum Thema hat, heißt es:

Eines der Beispiele ist der Reisberg bei Scheßlitz in Oberfranken, der vor allem durch zahlreiche Hinterlassenschaften aus der späten Kaiserzeit bekannt geworden ist. Bei den dortigen Fundauf- sammlungen und Prospektionen konnten aber auf den Hängen unterhalb der Wallreste auch etliche Bronzepfeilspitzen entdeckt werden. Sie lassen auf eine militärische Auseinandersetzung um die Höhensiedlung während der Urnenfelderzeit schließen. Dennoch lässt sich daraus kein vollständiges Bild gewinnen, denn die Fläche innerhalb der Umwehrung wurde bei der Prospektion mit dem Metalldetektor zum Schutz des Denkmals bewusst ausgespart.

Inwieweit schütz der Verzicht auf Metalldetektoren ein Bodendenkmal? Das ist doch erst mal eine nicht-invasive Methode, mit der man die Verteilung von Metallobjekten im Gelände dokumentieren kann; das Graben ist ja nicht die zwingende Folge daraus. Und wenn doch, dann kann das selektiv und vergleichsweise behutsam erfolgen; so kann dies etwa nur dort durchgeführt werden, wo sich eine ungewöhnlich starke Häufung von Metallfunden abzeichnet (z.B. Hortfund). Auch ist es möglich, sich unter bestimmten Umständen auf den sowieso gestörten Mutterboden zu beschränken. Der (gute) Detektor zeigt die ungefähre Tiefe an, in der ein Metallobjekt liegt.  

Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass die Nichtverwendung von Metalldetektoren - möglicherweise aus ideologischen Gründen (und ja, das gibts in der Archäologie tatsächlich!) - ziemlich blödsinnig auf mich wirkt. Hier auf potentiell wertvolle Informationen zu verzichten, widerspricht dem ureigendsten Gedanken der Wissenschaft: WISSEN SCHAFFEN! Die Verantwortlichen sehen sich stattdessen mehr als Konservatoren. 
Eine üble Unsitte, die da in der Archäologie seit einiger Zeit zunehmend am Einreissen ist und auch bei manch Ausgräber auf wenig Begeisterung trifft; ich habe über die wahrscheinlichen Hintergründe u.a. in meinem Beitrag über die äußerst fragwürdige Erschlißung der berühmten Anlage von Göbekli Tepe (Türkei) geschrieben.



1 Kommentar:

  1. Also mich überrascht es nicht, dass so ein Archäologe nicht gut in SEO ist, denn wenn ich mir überlege wie unsagbar schlecht oft archäologische Bilddatenbanken organisiert sind, dann komme ich zu dem Schluss, dass die IT-Kopmetenz in der Archäologie nicht stark verbreitet sein kann.

    Gero

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