Dienstag, 13. August 2013

Die typischen Urteile eines Ketzergerichts

Die "Heilige Inquisition" wird gerne bemüht, wenn es darum geht religiösen Fanatismus, Verbohrtheit und Grausamkeit zu versinnbildlichen. Und in der Tat hat sich diese Organisation mit nur wenig Ruhm bekleckert. Allerdings ist es ein Mythos, dass die zuständigen Inquisitoren reihenweise "Ketzer" auf den Scheiterhaufen schickten. Zwar gab es solche Strafen natürlich, aber sie stellten letztendlich die Ausnahme dar, nicht die Regel.
Als exemplarisch darf vielmehr nachfolgende Tabelle gelten: In den Jahren 1245 und 1246 führte der Dominikaner Bernard de Caux umfangreiche Untersuchungen in zwei Erzdiakonaten des französischen Languedoc durch. 5471 Personen wurden dabei verhört ("verhört" ist nicht automatisch mit Folterung gleichzusetzen). Die zwischen dem 18. März und dem 22. Juli 1246 verhängten Urteile beinhalteten keine einzige Todesstrafe. Von den 207 Verurteilten mussten lediglich 23 Personen ins Gefängnis, während der große Rest leichte Bußen auferlegt bekam, wie etwa eine Pilgerfahrt oder das Anbringen eines Kreuzes auf der Kleidung.
Diese vergleichsweise Milde ist ums bedeutungsschwerer, wenn man bedenkt, dass das Languedoc in jenen Tagen eine Hochburg der Katharer war. 

Ortschaft
Gefängnisstrafe   
Aufgenähtes Kreuz u. sonstige Bußstrafen
Airoux
0
1
Auriac
0
4
Avignonet
0
11
Baraigne
0
3
Barelles
3
3
Beauteville
0
2
Bram
0
3
Cambiac
1
4
Cambon
0
4
Castelnaudary
0
8
Drémil
0
1
Fanjeaux
3
25
Gaja-le-Selve
0
1
Gibel
0
1
Goudourville
1
2
Juzes
0
2
Lanta
0
1
Laurac
2
28
Lavaur
1
5
Lavelanet
1
0
Les Mas-Saintes Puelles
0
8
Les Cassés
1
3
Montauriol
0
1
Montégut
0
3
Montesquieu-Lauraguais   
0
7
Montgiscard
1
4
Montmaur
0
2
Odars
0
1
Pexiora
0
5
Prunet
0
1
Roumens
1
4
Saint-Germier
0
1
Saint-Julia
0
1
Saint Martin-la-Lande
7
19
Saint-Paul-Cap-de-Joux
0
1
Saint-Paulet
1
1
Villeneuve-la-Comtal
0
7
Villepinte
0
3
Villesiscle
0
3

6 Kommentare

  1. HerzlichenDank für diesen Artikel!
    Vergessen darf man nicht, dass auch (oder sogar erst recht) diese Sekten, wie die Katherer, fanatisch, verbohrt und grausam waren.

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    1. Leider werden die Katharer, die in der Tat Fanatiker waren, in den Medien gerne als pazifistische Proto-Reformatoren dargestellt (wenn, dann trifft das höchstens auf die Waldenser zu, die nicht ohne Grund erbitterte Gegner der fanatischen Katharer waren).

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  2. Danke für die Tabelle - es ist in der Tat so, dass hier die Geschichtsschreibung gerne Schwarz-Weiß-Malerei betreibt und das Bild der Inquisition in den durchschnittlichen Mittelalterromanen IMMER negativ ist, während die alternativen christlichen Strömungen immer als positiv dargestellt werden.
    Das soll nicht beschönigen, was die Inquisition auf dem Kerbholz hat - aber ein differenzierteres Bild ist immer positiv und eine kritische Sicht besser als eine einseitige.

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    1. Ein wenig zu differenzieren war meine Absicht ;)
      Hinzu kommt, dass man der mittelalterlichen Inquisition, vor allem in Romanen, gerne pauschalisierend die berüchtigten Hexenverbrennungen zuschreibt - in Wirklichkeit wurden aber die meisten einschlägigen Urteile in der frühen Neuzeit und von weltlichen Gerichten verhängt. Hinzu kommt, dass Hexen und Zauberer lange vor dem Auftreten des Christentums von Germanen, Kelten - aber auch von den angeblich so hoch zivilisierten Römern - hingerichtet wurden. Die Kirche hat sich gegen die tief im Volk verwurzelte Angst vor Zauberei lange gewehrt. Erst relativ spät gab man dem Druck nach und integrierte diesen Aberglauben in das eigene "Programm".

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  3. Sehr anschaulich! Aber natürlich macht sich eine mächtige Organisation wie die Inquisition, die massenweise "Ketzer" auf den Scheiterhaufen bringt, in fiktiven Büchern und Filmen wesentlich besser. ;-)

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    1. Ja, Romane leben meist von dieser Schwarz-weiß-Malerei. Das strengt den Leser weniger an ;)

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