Mittwoch, 8. Januar 2014

Schekel, Obolos, Drachme und Pecunia - die alten Bezeichnungen des Geldes


Münzgeld kam, so lautet die gängigste Theorie, im 7. vorchristlichen Jahrhundert in Lydien auf und verbreitete sich dann relativ rasch in der gesamten antiken Welt. Passenderweise ist der Name eines lydischen Königs bis heute Synonym für einen reichen Mann: Krösus
Besonders interessant ist, dass sich die frühen Bezeichnungen für die unterschiedlichen Arten von Geldmünzen häufig auf uralte Gewichtsmaße oder besonders gängige Handelsgüter bezogen. So hat etwa der jüdische Schekel seinen hebräischen Namen vom babylonisch-assyrischen šiqlu - einer Gewichtseinheit (Judäa stand geraume Zeit unter mesopotamischem Einfluss).
Die Bezeichnungen für die griechischen Münzen obolos und drachme bedeuten wortwörtlich "Metalltropfen"* bzw. "Handvoll". Und in der Tat ist der (in Atika) 0,73 Gramm leichte obolos kaum mehr als ein "Tropfen", während die 6,24 Gramm schwere Drachme nicht zu Unrecht als eine "Handvoll" angesehen werden kann, da sie dem Wert von 6 oboloí entspricht, die zu Fassen quasi nur mit einer ganzen Hand möglich ist.
Die römische bzw. lateinische Bezeichnung für Geld im Allgemeinen, pecunia, leitet sich wiederum von pecus ab, dem Wort für "Vieh". Dieses war in den alten Zeiten vermutlich eine besonders beliebtes Tauschobjekt und somit Vorgänger des Münzgeldes. 

* Anmerkung: Die deutsche Wikipedia schreibt lediglich, obolos bedeute "Spieß". Verwundert habe ich daraufhin einen Blick in den englischsprachigen Artikel geworfen, in dem unter anderem von "spit" die Rede ist, was sich in gewisser Weise mit meiner Quelle (siehe unten) bzw. der Bezeichnung "(Metall-)Tropfen" deckt. 

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Weiterführende Literatur: 

3 Kommentare

  1. Ein Tropfen läuft, wenn er sich bildet, auch spitz zusammen, ähnlich einem Spieß bzw. einer Lanzenspitze. Da könnte ja eigentlich beides richtig sein. (?)

    Britta

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    1. Ja, das könnte tatsächlich so sein
      "Spit" kann man übrigens als "Spieß" und als "spucken" übersetzen. Wenn ich spucke, dann hat auch der Speichel auf seiner Flugbahn eine langgezogene Gestalt, ähnlich einer Speerspitze.
      Möglich also, dass die Begriffe "Tropfen" und "Spieß" auch im Griechischen ähnliche Ursprünge haben.
      Lustig wäre natürlich, wenn der deutsche Übersetzer meiner Quelle bloß versehentlich "Spit" mit "Tropfen" (bzw. "Spucketropfen") übersetzt hat. Leider habe ich das englische Original von O.A.W. Dielke nicht zur Hand, um das überprüfen zu können. Es wäre allerdings seltsam, wenn man nach 6 Auflagen einen eventuellen Übersetzungsfehler noch immer nicht entdeckt hätte. Von daher wirds wohl nicht so falsch sein ;)

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    2. Dass man das nach so vielen Auflagen nicht bemerkt hat, ist für mich auch schwer vorstellbar. Das ist schließlich ein Einführungswerk und wird wahrscheinlich auch von Studenten gerne benutzt.

      Britta

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