Dienstag, 4. Oktober 2016

Krimskrams: Der Geschichtspark Bärnau macht einen auf Campus Galli -- "Mist"

Der Geschichtspark Bärnau macht einen auf Campus Galli

Eine Leserin machte mich auf folgenden Artikel aufmerksam, in dem es darum geht, dass der in Bayern liegende Mittelalter-Geschichtspark Bärnau in einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren eine Kaiserpfalz errichten möchte: Klick mich
"Das wird eine archäologische Dauerbaustelle", reibt sich Wolters (=Museumsleiter) als experimenteller Archäologe die Hände, "eine Kaiserpfalz, 30 auf 40 Meter, an der 15 bis 20 Jahre gebaut wird - so etwas gibt es nirgends." 
"Nirgends"? Schon mal nach Meßkirch und der "Dauerbaustelle" Campus Galli geschaut, Herr Wolters? Ob Kloster oder Kaiserpflaz - das ist letztendlich die gleiche Sauce (nicht zufällig hatte der Initiator des Campus Galli ursprünglich den inoffiziellen Plan, neben der Klosterstadt auch eine Kaiserpfalz zu errichten). 
Die Idee dahinter: In enger Zusammenarbeit sollen Wissenschaftler, vier hauptamtliche Handwerker, die in der Tracht mittelalterlicher Baumeister, Mauerer und Zimmersleute Hand anlegen, aber auch Mittelalterfans, die sich ein profundes Wissen angeeignet haben, miteinander der Wirklichkeit einer Baustelle des 14. Jahrhundert näher kommen.
Nun, das hört sich schon besser an. Vor allem unterscheidet es sich von Konzept des Campus Galli, das aus Kostengründen die Beschäftigung von ahnungslosen Dilettanten priorisiert. Doch auch für das Kaiserpfalz-Projekt des Geschichtsparks Bärnau gilt frei nach der Bergpredigt: An ihren Taten sollt ihr sie messen! Demzufolge darf man gespannt sein, was dabei herauskommt - hoffentlich nur Gutes!

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"Mist"

Viele Menschen meinen ja, Bio-Landwirtschaft sei das absolute Nonplusultra, weil dort z.B. viele Spritzmittel und Kunstdünger tabu sind. So dürfen beispielsweise im Bio-Weinbau Fungizide wie Kaliumphosphonat nicht (mehr) verwendet werden. Sind die Sommer allerdings feucht - was die Ausbreitung von Schimmel begünstigt -, kann der Verzicht auf bestimmte Mittelchen zu erheblichen (und existenzbedrohenden) Ernteausfällen führen. Neuerdings versucht man dieses Problem nicht mehr nur mit von der Politik erteilten 'Ausnahmegenehmigungen', sonder auch wie folgt zu lösen:
„Vielmehr ist der Einsatz von biodynamischen Präparaten erforderlich. […] Dafür wird pulverisierter Quarz in ein Kuhhorn gefüllt und von Frühjahr bis Herbst im Boden eingegraben, damit es die kosmischen Kräfte speichert. Im Herbst ausgegraben, wird der feine Hornkiesel in Wasser rhythmisch verrührt (dynamisiert) und als Spritzpräparat in feinen Tröpfchen auf den Weinberg verteilt. Ein weiteres markantes Präparat ist der Hornmist […] Dafür wird Kuhmist in einem Kuhhorn im Herbst in den Boden eingegraben. Auch diese Präparat-Füllung wird dann dynamisiert und im Frühjahr auf den Weinberg gesprüht.“ (Quelle)
Muahaha, diese Methode scheint qualitativ nicht weit von der Flache-Erde-Theorie entfernt zu sein, mit der besonders Youtube seit einiger Zeit regelrecht geflutet wird!

4 Kommentare

  1. Geschichtspark macht auf Campus Galli - keine Angst, was Presse hört und Presse dann schreibt sind bekanntlich zwei Paar Schuh! Wahr ist, wir planen eine Zusammenarbeit im Bereich der Experimentellen Archäologie mit den Unis Bamberg, Pilsen und Prag. Neben Laborarbeitsplätzen zur Materialanalyse und einer entsprechenden Erweiterung der Prüfungsordnungen wird ein "Freiluftlabor" entstehen, eine archäologische Dauerbaustelle zur Umsetzung der erarbeiteten Fragestellungen - dies wird nun tatsächlich an den Geschichtspark angegliedert und bekommt einen historischen und planerischen Rahmen, der der Region und den Projektpartnern mit ihren Forschungsschwerpunkten angepasst ist. Es wird sich hier um Steinbau des 14. Jahrhunderts handeln, dadurch schließen wir sowohl eine Forschungs- als auch eine Museumslücke hier in Nordbayern. Es gibt Vorstellungen, welche Art Bauwerke umgesetzt werden sollen, die tatsächliche Ausführung wird jeweils von den Universitäten erarbeitet und mit Hilfe der im Projekt angestellten Praktiker umgesetzt. Zum einen verbinden wir dadurch Wissenschaft und bekannte Handwerkstechniken (was oft bei archäologischen Experimenten fehlt) und zum anderen wollen wir durch die Einbeziehung der "living history-Szene" eine Schnittstelle zwischen Akademischen Archäologen und ambitionierten Hobbyisten zum beiderseitigen Nutzen schaffen.
    p.s.:...und Nein, der Archäologe reibt sich nicht die Hände, ich wollte diesen Passus rausstreichen lassen, scheiterte aber an der "journalistischen Freiheit"!

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    1. Ja, das hört sich vielversprechend an; vor allem, weil hier ein Schwerpunkt auf dem empirischen Erkenntnisgewinn zu liegen scheint, und nicht auf der bloßen Publikumsbespaßung.

      Die "journalistischen Freiheit" scheint häufig daraus zu bestehen, sich frei Erfundenes aus den Fingern zu saugen. Aus dem Grund werden in diesem Blog Interviews nur in Dialogform veröffentlicht. Da bekommt der Leser keine Interpretationen des Gesagten geboten, sondern den unverfälschten Inhalt.

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  2. Gebt Bärnau eine Chance; die Vernetzung mit der Wissenschaft scheint hier wirklich, und schon im Vorfeld gegeben zu sein.
    Leser

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  3. Stefan, wenn Du so lieb bist, kannst Du der Ottonenzeit netzwerk (at) ottonenzeit.de einmal eine Stellungnahme bzw. eine Vorstellung Deines Projektes schicken. Zwecks der Verbr. und einige von uns sind ja immer mal bei Euch auf dem Gelände.

    Von seiner slaw. Insel, Dein Isí

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