Mittwoch, 26. Mai 2021

📖 Buch: Historien, 2. Buch (das Alte Ägypten) - von Herodot

Der um 485 v. Chr. geborene Herodotos von Halikarnassos verfasste ein aus neun BĂŒchern bestehendes Geschichtswerk, das heute zu den bedeutendsten Schriftquellen der Antike zĂ€hlt: Die sogenannten "Historien". Ihr mehr oder weniger chronologisch geordneter Inhalt  reicht von der mythischen Zeit der alten Griechen bis zu den Perserkriegen im ersten Drittel des 5. Jahrhunderts v. Chr. (eine ĂŒbersichtliche Inhaltsangabe findet man hier). Anders als noch Homer stellt Herodot nicht die Götter, sondern den Menschen und seine Leistungen ins Zentrum der Betrachtungen. Dementsprechend berichtet er nicht nur ĂŒber bedeutende Ereignisse und Personen, sondern betreibt auch ethnographische Studien.

Das prominenteste Buch der "Historien" ist fraglos das zweite, in dem der Autor vor allem das von ihm bereiste Ägypten betrachtet. Dabei weiß Herodot beispielsweise zu berichten, dass die Ägypter glaubten, sie seien die Ă€lteste Kultur. Und dass der ursprĂŒngliche Name von Ägypten "Theben" lautete.
Herodot befasste sich aber nicht nur mit derlei historischen Überlieferungen aus zweiter Hand, sondern machte auch selbst viele Beobachtungen. So stellt er die These auf, dass das Nil-Delta eine verlandete Bucht sei, denn auf seinen Reisen durchs Land hatte er noch in höheren Lagen Muscheln aus dem Boden hervortreten sehen. Interessant ist hinsichtlich dieser Verlandungs-These Herodots auch, dass laut Auskunft Ă€gyptischer Priester/Gelehrter der Nil 900 Jahre zuvor imstande gewesen wĂ€re, bereits bei 8 Ellen Anstieg das Land mit fruchtbarem Schlamm zu ĂŒberfluten, nun aber dafĂŒr 15-16 Ellen nötig seien. Apropos Überflutung: Etwas nebulös meint Herodot, (Meer)Salz wĂŒrde die Pyramiden zerstören - was heute einige Forschern als Indiz dafĂŒr werten, die Pyramiden wĂ€ren einst unter Wasser gestanden... 
Zwischendurch macht Herodot immer wieder auch geographische Schlenker in Richtung anderer Regionen der damals bekannten Welt; etwa wenn er den Fluss "Istros" - also die Donau - erwĂ€hnt, die nahe der keltischen Stadt "Pyrene" entspringen soll. Dieses "Pyrene" wird bis heute von Historikern gesucht, obschon Lokalpolitiker aus primĂ€r touristischen ErwĂ€gungen behaupten, sie wĂ€ren lĂ€ngst fĂŒndig geworden - und zwar in Deutschland, Stichwort "Heuneburg".

Ein wichtiger, hier unbedingt noch erwĂ€hnenswerter Aspekt von Herodots ErlĂ€uterungen Ägyptens ist sein Blick auf das Alltagsleben der Bewohner. So befasst er sich ĂŒber mehrere Seiten hinweg nur mit der Einbalsamierung bzw. Mumifizierung Verstorbener.  Auch beschreibt er sonstige religiöse GebrĂ€uche, Kleidung, Kosmetik, ErnĂ€hrungsweise und vieles mehr. Kurz gesagt, man hat es hier mit einer außerordentlich reichhaltigen historischen Quelle zu tun. Alles glauben darf man Herodot jedoch nicht, wie etwa aus der Beschreibung eines Flusspferdes hervorgeht, das bei ihm eine MĂ€hne hat 😉

FĂŒr die vorliegende schwulstfreie/moderne Übersetzung (griechisch-deutsch) der "Historien" zeichnet der Althistoriker Kai Brodersen verantwortlich. Neben einer interessanten Einleitung enthĂ€lt diese Ausgabe außerdem einen Anmerkungsteil mit vielen Endnoten, die das sinnerfassende Lesen erleichtern. 

Fazit: An der Antike ernsthaft Interessierte sollten die "Historien" unbedingt in ihrer Bibliothek haben, ganz besonders aber das 2. Buch. Leider hat Reclam auch nach Jahren noch nicht Übersetzungen aller BĂŒcher veröffentlicht. Der Kröner Verlag hingegen schon - siehe unten den entsprechenden Link zu meiner Rezension der betreffenden Ausgabe - die noch dazu recht gĂŒnstig ist und in einem Festeinband daherkommt.

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2 Kommentare:

  1. Vielleicht hat Herodot beim Salz an den Pyramiden sowas wie AusblĂŒhungen gemeint?

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    1. Guter Einwand! Ich bin mir ziemlich sicher, darĂŒber auch schon mal etwas gelesen zu haben. Die modernen Vertreter der These, wonach die Pyramiden irgendwann einmal lĂ€nger (bzw. oft) unter Wasser gestanden sind, hatten bezĂŒglich der AusblĂŒhungen ein Gegenargument vorgebracht. Leider weiß ich nicht mehr, was genau das war.

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