Sonntag, 4. Dezember 2016

Das Reenactment der Schlacht bei Hastings: Von Walküren und Konformismusdruck



Als ich um 2006 herum zum ersten Mal im Internet auf das alle paar Jahre stattfindende Reenactment der berühmten Schlacht von Hastings stieß (dazu gibt es hier demnächst eine Buchbesprechung), war ich davon fasziniert. All die cool gerüsteten Reenactors hatten es mir angetan (in einer nicht-sexuellen Weise, versteht sich). 
Doch damals hatte ich von Living History ungefähr so viel Ahnung wie eine Kuh vom Schlittschuhlaufen (oder der Campus Galli von Experimenteller Archäologie). Mit dem anwachsenden Kenntnisstand der folgenden Jahre hat sich daher auch mein Blick auf das Hastings-Reenactment gewandelt. Als dann diesen Herbst zum 950-jährigen Jubiläum der Schlacht rund 2000 Darsteller aufmarschierten und etliche Videos davon bei Youtube veröffentlicht wurden, betrachtete ich das Gebotene mit deutlich kritischerem Blick, als noch vor 10 Jahren. Nein, ich habe nicht extra nach Kritikpunkten gesucht, aber gewisse Dinge sprangen mir einfach ins Auge. Es folgen ein paar Beispiele (wer weitere hinzufügen möchte, darf dies gerne im Kommentarbereich tun):

  • Viel zu viele Teilnehmer, die lediglich im Gambeson herumliefen, anstatt sich auf eine normale Tunika zu beschränken. Für den Massenhaften Einsatz dieses Kleidungsstückes im 11. Jahrhundert gibt es keine Belege oder wenigstens Indizien. Wenn dann auch noch alles gleich aussieht, da von der Stange gekauft, entsteht ein ahistorischer Uniform-Look. 
  • Zugegeben, es ist Gemecker auf hohem Niveau, aber die getragenen Kettenhemden sind den meisten Leuten zu groß; sie wurden, glaubt man den historischen Bildquellen, figurbetont getragen. Klar ist natürlich auch, dass nicht jeder Reenactor über das nötige Kleingeld verfügt, sich die Dinger auf den Leib 'schneidern' zu lassen.
  • Wieso verstehen viele männliche Darsteller scheinbar nicht, dass die Untertunika nicht unter der Übertunika hervorlugen sollte? Und schon gar nicht ein bis zwei Hand breit. So war das, betrachtet man die historischen Bildquellen, sicher nicht üblich. Darauf wurde sogar in einem Kitguide von Regia Anglorum, der größten Reenactment-Vereinigung in Großbritannien, ausdrücklich hingewiesen.
  • Wie ich festgestelle, ist der Teppich von Bayeux nicht mehr das Maß aller Dinge, denn bei der Schildbemalung der Reenactment-Teinehmer hat sich im Laufe der Jahre mehr Originalität breitgemacht. Vielleicht stellenweise schon zu viel? 
  • Unzählige sich gleichende, auf Hochglanz polierte Helme von der Stange - wie sie z.B. Battle-Merchant vertreibt. Auch hier ist es aber eine Geldfrage, ob man sich statt diesen zusammengeschweißten Dingern (bei denen die Schweißnähte verschliffen oder mit Spangen überdeckt werden) einen authentischeren Helm vom Schmied anfertigen lässt. Keine Frage des Geldes ist es allerdings, das moderne Innenfutter durch etwas historisch Passenderes zu ersetzen. Wer das unterlässt, ist einfach nur zu bequem. Übrigens: Die Helme Absichtlich mit einer Rostschicht zu überziehen, macht sie auch nicht authentischer.  
  • Ganze Rudel von selbstzertifizierten Walküren unter Waffen: Kann der Authentizitätsgedanke und das damit einhergehende Qualitätsstreben noch leichtfertiger zu Grabe getragen werden? Der Witz ist freilich: Jene, die dieses Transferieren eines modernen Rollenbildes in die darzustellende Vergangenheit aus politischer Korrektheit und Konformismusdruck (halbherzig) verteidigen, kommen sofort ins Stottern, wenn man sie mit der Frage überrumpelt, wie es denn wäre, wenn bei ähnlichen Veranstaltungen plötzlich etliche (bärtige) Männer in mittelalterlicher Frauenkleidung herumlaufen würden ^^. Einerseits möchte man dem Publikum ein besonders authentisches Bild bieten und zerbricht sich deshalb den Kopf über die Details der zu tragenden Kleidung. Andererseits ist dann aber immer häufiger der Träger/die Trägerin selbst der größte Anachronismus. Und das betrifft nicht nur die geschlechterspezifische Kleidung, denn beispielsweise waren beim Hastings-Reenactment unter den an der Schlacht teilnehmenden Bogenschützen auch Kinder von vielleicht 10 Jahren. Der ganze Krempel führt sich ob seiner Beliebigkeit doch längst völlig ad absurdum!  Wo werden denn die Grenzen gezogen? Aber Grenzen sind ja völlig aus der Mode. Zumindest wenn es nicht die eigenen sind. Nachsatz: Es gibt Ausnahmefälle, in denen es durchaus legitim sein kann, Frauen in Männerklamotten einzusetzen: Beispielsweise bei der Reiterei, wenn es an ausreichend männlichen Darstellern mangelt. Viele Frauen reiten schließlich gerne (lustige These dazu).
  • Der letzte Punkt betrifft das Video unten: Ca. ab Minute 06:25 wird die nachgestellte Schlacht aus dem Lautsprecher in dramatischem Tonfall ungefähr wie folgt kommentiert: "The melée is horrific to witness."  Beim Vergleich mit dem tatsächlichen Geschehen konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen (und auch aus dem Publikum hört man immer wieder Lacher); die Darbietung wirkt in Summe nämlich recht lahm und unglaubwürdig. Aber wie könnte es auch anders sein? Eine Kampf-Choreographie einzustudieren, wie wir sie von modernen Spielfilmen gewöhnt sind, ist mit den aus ganz Europa anreisenden Laiendarstellern nicht möglich. Und einfach wild drauf los hauen ist auch keine Option, Sicherheit geht schließlich vor (trotzdem wird es auch diesmal etliche blaue Flecken gegeben haben). Richtig blöd finde ich allerdings, wenn versucht wird, das etwas vor sich hin dümpelnde Treiben mit scheppernder Musik aufzupeppen. Das mag ja ganz gut zur Leistungsschau einer Modernen Armee passen, beim Reenactment einer historischen Schlacht hat so etwas meiner Ansicht nach aber nichts verloren. Audiokommentare zu den Abläufen auf dem Schlachtfeld sollten ausreichen.  


PS: Ist die auch im Video mehrmals vorkommende Bezeichnung Schildwall bzw. shield wall eigenltich historisch belegt? Oder handelt es sich um eine Art Modebegriff, welcher der modernen Forschung entommen wurde oder gar durch Bernard Cornwells beliebter Uhtred-Reihe weite Verbreitung fand?

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Freitag, 2. Dezember 2016

Hinweis: Buch-Verlosungen zur Adventszeit!

Advent, theoretisch die Zeit der Besinnung. Realisitsch betrachtet aber vor allem die Zeit des Schenkens und Konsumierens. Dieses Blog mach dabei keine Ausnahme ;)
Daher werden am 9., 16. und 23. Dezember jeweils zwei Bücher verlost und die Vornamen der beiden Gewinner bekanntgegeben. Ich kontaktiere die Glücklichen außerdem per E-Mail, um die Adresse in Erfahrung zu bringen, an welche die Bücher geschickt werden sollen.

Wie nimmt man an den Verlosungen teil?  
Ganz einfach, man sende eine E-Mail an HILTIBOLD [ at ] gmail . com, schreibe in die Betreffzeile "Gib mir Bücher" und in die E-Mail selbst einen kurzen Gruß oder was auch immer einem einfällt :)

Eine einzige E-Mail reicht aus, um an allen jeweils noch ausstehenden Verlosungen teilzunehmen. Nur wer schon einmal einen Preis erhalten hat, wird aus dem Rennen genommen.

Die Zahlen auf den Bildern kennzeichnen die Reihenfolge der Verlosungen. Will heißen, zuerst werden die Bücher mit der Nummer 1 verlost usw.

Bis auf eines der zur Verlosung bereitstehenden Bücher habe ich bereits alle hier im Blog besprochen. Die Links zu den Rezensionen finden sich unter den Bildern.

Viel Glück!

Meine Rezensionen: Pontisches Gift - Die Legende von Mithridates, Roms größtem Feind
Glücklich ist dieser Ort! 1000 Graffiti aus Pompeji

Meine Rezensionen: Die dunklen Krieger
Tassilo III - Höchster Fürst und niedrigster Mönch

Meine Rezension: Die dunklen KriegerTassilo III - Höchster Fürst und niedrigster Mönch

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Krimskrams: 5-Kilo-Buch mit Griff -- Amazon verbietet und löscht "anreizbasierte" Bewertungen

5-Kilo-Buch mit Griff



Fotos: Hiltibold | Cover: (C) Taschen Verlag


"Ach du meine Güte" - waren meine ersten Gedanken, als ich vor einigen Tagen ein Paket entgegennahm. Irgendwie hatte ich übersehen, welche Dimensionen das georderte Buch besitzt; die da wären: 8,9 x 40,6 x 48,3 cm. Gewicht 5 kg - plus eine schöne 0,5 kg schwere Kartonverpackung mit Griff.
Der Buchtitel lautet: "Houses and Monuments of Pompeii". Die enthaltenen Texte sind dreisprachig: Englisch, Deutsch, Französisch. Wobei der Schwerpunkt allerdings auf den großformatigen Abbildungen liegt.
Der Preis mag auf den ersten Blick etwas hoch erscheinen, doch dem ist eigentlich nicht so, wenn man bedenkt, wie viel Buch es dafür gibt. Im Jänner folgt hier noch eine sehr ausführliche Rezension.

PS: Das Buch besitzt einen einzigen Nachteil - es passt in keines meiner Bücherregale ... 

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 Amazon löscht ältere "anreizbasierte" Bewertungen ...

... vermeldete Heise.de vor wenigen Tagen. Konkret geht es hier um Bewertungen von Produkten, die Interessierten gratis zur Verfügung gestellt wurden, sofern sie sich im Gegenzug zu einer Rezension bereiterklärten - die wiederum häufig recht beschönigend ausgefallen waren.
Diese Entwicklung ist insofern interessant, weil man natürlich auch für Buchbesprechungen Rezensionsexemplare erhalten kann und Amazon sich dessen durchaus bewuss ist (Link, letzter Absatz).

Ich persönlich würde nie ein Buch, das mir nicht gefallen hat, belobhudeln, bloß weil es kostenlos war oder weil ich die Hoffnung hätte, bei Wohlverhalten vom Verlag weitere Gratis-Exemplare zu erhalten. Nein, wer mir ein Buch anbietet, der muss schon auch ein gewisses Risiko tragen. 
Andererseits habe ich aufgrund langjähriger Erfahrung bei der Auswahl meiner Bücher - das sind zu 95 Prozent Sach- sowie Fachbücher - ein recht glückliches Händchen. Und sofern der Autor nicht durch Fremdwortvöllerei, elliptische Formulierungen oder grobe Unkenntnis negativ auffällt, werde ich sein Werk auch nicht verreißen.

Im Übrigen stellt sich die Frage, wie Amazon bitteschön all jene Kontaktaufnahmen zwischen Verlagen und Rezensenten mitbekommen möchte, die nicht über Amazon sondern per E-Mail stattfinden? Insofern erscheint mir das veranstaltete Getöse etwas überzogen. Wie ich hier außerdem vor wenigen Wochen festgestellt habe, schafft es Amazon ja oft nicht einmal echte Fake-Rezensionen zu löschen, auf die Kunden ausdrücklich aufmerksam machen.

UPDATE: Golem.de berichtet, dass Amazon anscheinend selbst nicht weiß, wie bezahlte bzw. anreizbasierte Rezensionen erkannt werden können... Klick mich

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Mittwoch, 30. November 2016

Videos: Frühmittelalterliches Gräberfeld -- Bronzezeitliches Schlachtfeld -- LIDAR -- Fundberatung für Hobbyarchäologen -- Stonehenge -- Kultugüter in 3D

Frühmittelalterliches Gräberfeld mit 1500 Bestattungen in Regensburg | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream

CSI Tollense – Die erste Schlacht Mitteleuropas? | Spieldauer 7 Minuten | ARD | Stream

LIDAR - Archäologie aus der Vogelperspektive | Spieldauer 6 Minuten | ARD | Stream

3D-Modelle gefährdeter Kulturgüter | Spieldauer 6 Minuten | ARD | Stream

Stonehenge: auf der Suche nach verborgenen Landschaften  | Spieldauer 6 Minuten | ARD | Stream

Fundberatung für Hobby-Archäologen| Spieldauer 3 Minuten | ARD | Stream 
Hehe, die Medien lassen sich von dem Begriff "Hobby-Archäologe" einfach nicht abbringen, obwohl nicht wenige professionelle Archäologen deshalb regelrecht in Schnappatmung geraten :) Doch so falsch ist der Begriff nicht, wie Raimund Karl in diesem aktuellen PDF gewohnt humorvoll aufzeigt.

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Montag, 28. November 2016

Eine volle Wagenladung erstklassiger Hör-Dokus!



Eine Anmerkung vorweg: Aufgrund leichter Copyright-Zweifel verlinkte ich nicht direkt auf die Hör-Dokus, sondern auf die Suchergebnisse bei Youtube. Beim jeweils ersten der ausgespuckten Einträge dürfte es sich aber um das Gewünschte handeln.


Ärzte in der Antike | Spieldauer 65 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Ärzte in der Antike (erster Treffer)

Massenunterhaltung in der römischen Antike | Spieldauer 104 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Massenunterhaltung in der römischen Antike (erster Treffer)

Sternstunden der Archäologie | 272 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Sternstunden der Archäologie (erster Treffer)

Marcus Antonius - Ein Lebensbild  | Spieldauer 189 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Marc Antonius - Ein Lebensbild (erster Treffer)

Legionär in der römischen Armee | Spieldauer 65 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Legionär in der römischen Armee (erster Treffer)

Die Punischen Kriege | Spieldauer 75 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Die Punischen Kriege (erster Treffer)

Der Alltag in der römischen Antike | Spieldauer 65 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Der Alltag in der römischen Antike (erster Treffer)

Die Römischen Bürgerkriege - Das Ende der Republik | Spieldauer 180 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Die Römischen Bürgerkriege (erster Treffer)

Heiliges Römisches Reich - Erstes Buch | Spieldauer 465 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Heiliges Römisches Reich - Erstes Buch  (erster Treffer)

Heiliges Römisches Reich - Zweites Buch | Spieldauer 351 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Heiliges Römisches Reich (Deutscher Nation) - Zweites Buch  (erster Treffer)

Der Amerikanische Bürgerkrieg | Spieldauer 255 Minuten | Youtube | Suchbegriff: Der Amerikanische Bürgerkrieg sechs, setzen (erster Treffer)

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Sonntag, 27. November 2016

Buch: Der Aufstieg Roms - Vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall Karthagos

Sehr viel wurde und wird über die Frühe und Hohe Römische Kaiserzeit geschrieben. Verwunderlich ist das kaum, bei all den skandalumwobenen Herrschern jener Tage. Auch Gaius Julius Caesar und die turbulenten Jahrzehnte der Späten Republik haben Autoren in unzähligen Büchern aufs Ausführlichste behandelt. Doch umfassende Darstellungen der Mittleren Republik - also jener Epoche, in der Rom zur Großmacht Aufstieg - sind vergleichsweise rar gesät. Über die Gründe kann man nur spekulieren: Natürlich ist zum einen die Quellenlage - verglichen mit späteren Jahrhunderten - mitunter etwas dürftig; zum anderen fehlt dem Rom des 3. und 2. vorchristlichen Jahrhunderts noch der marmorne Glanz späterer Tage. Beides mag dazu beigetragen haben, dass sich bisher eher wenige Autoren damit auseinandersetzen wollten.

Zu diesen Ausnahmen zählt der Althistoriker Herbert Heftner, der in seinem Buch Der Aufstieg Roms - Vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall Karthagos (Verlag Friedrich Pustet) auf knapp 500 Seiten einen detailreichen, leicht verständlichen und kurzweiligen Überblick zur Mittleren Republik zusammengestellt hat. In mehr oder weniger chronologischer Reihenfolge schildert er die Entwicklungen und zum Teil erschütternden Ereignisse, die Rom in jenen Jahren umtrieben und formten. Rasch realisiert der Leser, wie sehr auch diese Periode der römischen Geschichte angefüllt ist mit großen Persönlichkeiten, Konflikten von weltpolitischer Bedeutung und vielen anderen hochspannenden Begebenheiten; dazu zählt etwa der Krieg gegen Pyrrhos I. ("Pyrrhos-Sieg"), die drei Punischen Kriege (Hannibal), der lange und zähe Kampf gegen die Kelten/Gallier Norditaliens, die Kriege gegen Makedonien usw. usf. (weitere Einzelheiten finden sich im angefügten Inhaltsverzeichnis).

Bei seinen Erläuterungen der großen, oft krigerischen römischen Außenpolitik verliert Herbert Heftner nie aus den Augen, dass damit viele innenpolitische und gesellschaftliche Veränderungen eng verknüpft waren; beispielsweise strömte im Zuge der Eroberung des hellenistischen Ostens verstärkt griechische Kultur nach Rom, was zu Abwehrreaktionen wertkonservativer Kreise führte. Als ihr bekanntester Vertreter gilt bis heute Cato, der jedoch nicht nur die steigenden kulturellen Einflüsse aus dem Ausland kritisierte, sondern - und das ist weitaus weniger bekannt - auch die Ursache dafür; nämlich den sich rapide verselbstständigenden römischen Imperialismus. In diesem Zusammenhang legt der Buchautor anhand vieler Beispiele dar, dass Roms Weg zur nahezu alles beherrschenden Macht keinem Masterplan folgte. Ganz im Gegenteil, man stolperte quasi in die Rolle des Hegemons - und die Eliten sträubten sich zur Zeit der Mittleren Republik noch häufig dagegen, außerhalb Italiens militärisch oder auch nur politisch tätig zu werden. Erst im Laufe der Zeit fand man daran Gefallen und war bereit, die umfassende Verantwortung zu übernehmen, die einem 'Global Player' zukam. Freilich, nicht selten wurde diese Vorrangstellung zum eigenen Vorteil missbraucht.

Fazit: Anstatt eine oberflächliche Zusammenfassung der rund 500jährigen republikanischen Periode Roms zu fabrizieren, hat sich Herbert Heftner mit der Mittleren Republik gezielt einen interessanten Abschnitt herausgegriffen und diesen einer eingehenden, aber nicht weitschweifigen oder gar langweiligen Betrachtung unterzogen; auch Quellenangaben/Endnoten wurden reichlich beigefügt.
Wer also besser verstehen möchte, warum Rom zur dominierenden Großmacht der Antike aufstieg, deren kulturelle Einflüsse bis in die Gegenwart reichen, dem kann ich dieses angenehm zu lesende Buch nur empfehlen; egal ob er nun privates Interesse an der Thematik hat oder Student ist. Alleine schon wegen der gelungenen Darstellung der Punischen Kriege lohen sich die 35 Euro Kaufpreis allemal. In deutscher Sprache gibt es meines Wissens derzeit keine echte Alternative dazu. Es sei denn, man studiert gleich die Übersetzungen der antiken Originalquellen: Das wären vor allem Polybios' Historia und Livius' Ab urbe condita.


INHALTSVERZEICHNIS:


Vorwort

1. TEIL: DAS VORSPIEL
Die Anfänge der römischen Expansion
- Rom und seine Nachbarn bis 338 v. Chr.
- Das Zeitalter der Samnitenkriege
Pyrrhos
- Die ersten Kämpfe gegen Rom
- Diplomatie und Krieg
- Der Sieg der Römer
- Die Eroberung Süditaliens

2. TEIL: DIE GRUNDLAGEN - ROM UND ITALIEN AM VORABEND DER PUNISCHEN KRIEGE
- Rom und die Römer
- Patrizier gegen Plebejer: Die 'Ständekämpfe'
- Das Ergebnis der Ständekämpfe
- Die Verfassung der mittleren Republik
- Die Grundlage der römischen Gesellschaftsordnung
- Die soziale Gliederung
- Das politische Leben der römischen Republik
- Bürger und Bundesgenossen: Das römische Herrschaftssystem in Italien

3. TEIL: DER ERSTE PUNISCHE KRIEG UND DIE ZWISCHENZEIT (264 - 219 v.Chr.)
Kriegsausbruch und Anfangsjahre
- Karthago und sein Reich
- Gründe und Anlass des römisch-karthagischen Konfliktes
- Erste Kämpfe auf Sizilien
Wechselndes Kriegsglück: Die Jahre 260 - 250 v. Chr.
- Die Römer gehen zur See
- Die große afrikanische Expedition
- Regulus in Afrika
- Sturmkatastrophe, Städteeroberungen und Elefantenschlachten
Rückschläge und Triumph
- Festungskrieg und neue Katastrophen
- Staatskrise und Stellungskrieg: Die Jahre 249 - 243)
- Die letzte Runde
Unruhiges Nachspiel: Die Krisenjahre 241 - 219)
- Kriegsfolgen und Verfassungsreformen
- Rom, der griechische Osten und die Illyrischen Kriege
- Gefahr aus dem Norden: Der Galliersturm von 225
- Das Barkidenreich in Spanien

4. TEIL: HANNIBAL GEGEN ROM - DER ZWEITE PUNISCHE KRIEG
Hannibals Siegeszug
- Die Belagerung von Sagunt
- Hannibals Marsch nach Italien
- Von der Trebia bis zum Trasimenischen See
- Hannibals zäher Widersacher: Fabius Maximus
- Roms düsterste Stunde: Die Katastrophe von Cannae
Jahre der Entscheidung: 215 - 210
- Der Krieg des Durchhaltens
- Makedonien und Sizilien
- Tarent und Capua
- Die Scipionen in Spanien: 218 - 211
- Kriegsnöte und römische Innenpolitik
Scipio und der Sieg: 210-201
- Der Aufstieg des Publius Cornelius Scipio
- Hasdrubla in Italien
- Scipios Siegeszug: Der Sturz der Barkidenmacht in Spanien
- Scipios Heimkehr und Afrikapläne
- Landung in Afrika
- Die Entscheidung: Zama-Narragara

5. TEIL: ROM AUF DEM WEG ZUR WELTMACHT (200 - 146 v. Chr.)
Philipp und Antiochos
- Rom im Konflikt mit Philipp V. von Makedonien
- Flaminius und die Schlacht von Kynoskephalai
- Flaminius' Friedensordnung und erste Spannungen mit König Antiochos
- Zusammenprall der Supermächte
Das westliche Mittelmeer nach dem Hannibalkrieg
- Karthago und Numidien
- Die römische Eroberung Norditaliens
- Die Römer in Spanien
Der Untergang der Makedonischen Monarchie
- Griechenland unter römischer Herrschaft
- Die letzten Jahre Philipps V.
- Perseus und der Weg in den 3. Makedonischen Krieg
- Roms Krieg gegen Perseus
- Herrschaft ohne Verantwortung: Rom und der Osten nach dem Perseuskrieg
Rom im Wandel
- Die römische Innenpolitik nach dem 2. Punischen Krieg
- Der geistige Wandel: Literatur und griechischer Einfluss
- Der materielle Wandel: Wohlstand und wirtschaftliche Umwälzungen
- Der politische Wandel: Die Folgen des Reichtums
Jahre der Krise: 154 - 146
- Spanien im Aufstand
- "Karthago muss vernichtet werden!"
- Der Andriskos -Aufstand in Makedonien
- Scipio Aemilianus und der Fall von Karthago
- Der Achäerkrieg und die Zerstörung Korinths
- Ausblick

Anhang

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Weiterführende Informationen:


Foto: Hiltibold
(C) Verlag F. Pustet
Hinweis: Es existiert eine gelungene Fortsetzung der oben besprochenen Publikation; der Titel lautet: Von den Gracchen bis Sulla - Die römische Republik am Scheideweg (133-78 v. Chr.)
In diesem mittlerweile leider vergriffenen Buch behandelt der Autor die erste Hälfte der Späten Republik. Ich konnte gerade noch ein Rest-Exemplar ergattern. Zwar werde ich es hier nicht extra besprechen, aber lesenswert ist es auf jeden Fall. Wer das Buch irgendwo gebraucht und zu einem akzeptablen Preis (unter 30 Euro) sieht, kann getrost zugreifen.







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Donnerstag, 24. November 2016

Krimskrams: Die Tabula Peutingeriana für Leser mit zu viel Geld -- Blogspot -- Huscarl.at

Die Tabula Peutingeriana für Leser mit zu viel Geld

Der Konrad Theiss Verlag hat diesen September ein Buch über die Tabula Peutingeriana herausgebracht - eine schöne Sache, könnte man meinen. Doch leider, man verlangt für das gerade einmal 112-seitige Buch ganz und gar nicht schöne 199 Euro: Klick mich
Würde es sich um ein Faksimile handeln, dann wäre dieser Preis völlig in Ordnung. Im konkreten Fall jedoch scheint - neben dem großen Format - vor allem eine künstliche Verknappung des Angebots als Rechtfertigung für den vergleichsweise hohen Preis zu dienen, denn es wird nur eine limitierte Stückzahl von 666 Exemplaren verkauft; was für ein teuflischer Plan ;)
Dass es auch günstiger geht, zeigt ein italienischer Verlag, der ebenfalls eine großformatige Publikation über die Tabula Peutingeriana für nur 97 Euro - also die Hälfte - anbietet. Das ist zwar auch kein Schnäppchen, aber noch im Bereich des Akzeptablen: Klick mich

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Google schraubt an "Blogspot/Blogger" herum

Google hat gerade am Back-End der Blogplattform Blogger/Blogspot ein paar Veränderungen vorgenommen - die ersten wirklich spürbaren, seit ich dieses Blog gestartet habe (das war Ende Juni 2012 - wie schnell doch die Zeit vergeht!). 
Übersichtlicher ist die Bedienoberfläche für mich dadurch nicht gerade geworden, eher im Gegenteil. Dem Leser kanns allerdings egal sein, für den ändert sich nichts.
Schlussendlich bin ich ohnehin froh, bei diesem Blog nicht auf die große Alternative - nämlich Wordpress - gesetzt zu haben. Der Kram ist ein sicherheitstechnischer Super-GAU, der alle paar Monate schlecht von sich reden macht

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Es war einmal und ist nicht mehr: Huscarl.at

Es gab einmal die gut besuchte österreichische Internetseite Huscarl.at, wo vor allem Neuigkeiten aus der Mittelalterszene thematisiert wurden. Auch ein Forum war vorhanden und man berichtete von Mittelaltermärkten und ähnlichem. Ich fand die Mischung eigentlich recht gelungen (obwohl ich so halb mitbekommen habe, dass sich bei den Berichten/Kritiken von Veranstaltungen nicht immer jeder fair behandelt gefühlt hat).
Aus mir unbekannten Gründen ist die Seite zuerst kaum noch und dann überhaupt nicht mehr betreut worden; das Forum wurde ganz geschlossen.
Ein vergleichbares Portal für den österreichischen Raum scheint es bisher nicht zu geben. Das mag auch daran liegen, dass sich viele Leute mit ihren Internetangeboten zur Gänze in das unfreie Parallel-Internet von Facebook begeben. Für mich käme das nicht in Frage, weshalb ich bei Facebook nur Links zu den auf diesem Blog veröffentlichten Beiträgen setzte, aber keine zusätzlichen Inhalte poste. Ich möchte Facebook nicht mehr als ein absolutes Minimum an Bedeutung für meine Bloggerei einräumen. Letztendlich soll es vor allem eine kommode Möglichkeit für Facebook-Nutzer sein, diesem Blog zu folgen und Beiträge zu teilen. 

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Mittwoch, 23. November 2016

Hörbares: Paläogenetik -- Ausgrabungen am Circus Maximus -- Der Vampir-Mythos -- Franz-Joseph I.




Paläogenetik - Das Archiv der Knochen | Spieldauer 30 Minuten | DR | Stream & Info, Direkter Download

Ausgrabungen am Circus Maximus in Rom - Shops, Latrinen und ein Bordell | Spieldauer 5 Minuten | DF/ARD | Stream & Info, Direkter Download

Vukodlak, der Vampir - Der Kulturwissenschaftler Igor Petković über die Geschichte des Vampir-Mythos | Spieldauer 159 Minuten | CROPfm | Direkter Download

Franz Joseph I. - 68 Jahre Kaiser der Donaumonarchie | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & InfoDirekter Download

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Montag, 21. November 2016

Video: Paleoernährung / Steinzeiternährung (nichts für schwache Nerven)

Ist eine Ernährung streng nach steinzeitlichem Vorbild sinnvoll bzw. gesund? Und ist so etwas mit den heute zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln überhaupt ohne weiteres möglich - Stichwort "Authentizität"?

Im Youtube-Kanal Das Eule geht man dieser Frage mit viel Ironie nach. Darüber hinaus finden sich dort auch weitere hochinteressante Videos zum Thema Ernährung - vor allem jene mit dem bärtigen Bayern sind zu empfehlen!



Das Schöne an solchen Youtube-Kanälen ist, dass hier Wissenschaftler direkt Einblick in ihre Arbeit geben, ohne einen journalistischen Filterprozess zu durchlaufen. Wichtig ist das vor allem bei ideologisch kontaminierten Themen, wozu längst auch die Ernährung zählt.

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Mehr Videos

Sonntag, 20. November 2016

Finanzmarode Mittelalter-Baustelle Campus Galli wird Prognosen wieder nicht erreichen!

"Medioten mit Lizenz zum Schreiben": Diese wenig schmeichelhafte Bezeichnung münzte ein Blog-Leser auf den Reutlinger General-Anzeiger. Grund dafür war ein Artikel über die in Meßkirch beheimatete Mittelalterbaustelle Campus Galli. Und in der Tat handelt es sich bei dem dargebotenen Geschwurbel zumindest um ein journalistisches Armutszeugnis, das den unguten Eindruck hervorruft, die Blattmacher würden das von den baden-württembergischen Blockparteien getragene Projekt schönschreiben, wenn nicht sogar hochjazzen wollen (eventuell aus pekuniärem Eigeninteresse; Stichwort 'Inserate'). Sich den Artikel anhand einiger Beispiele etwas näher anzusehen, lohnt aber durchaus, da er nicht nur Skurriles, sondern auch Explosives enthält.


➤ Der nicht gerade für seine geschichtswissenschaftlichen Fachkenntnisse berühmte Initiator des Campus Galli - ein gelernter Kaufmann und Journalist - wird vom Reutlinger Käseblatt kurzerhand zum "Aachener Historiker" befördert. Zumindest ging man nicht so weit, ihm auch noch eine Professur und das Bundesverdienstkreuz anzudichten ^^

➤ Um das langsame Arbeitstempo zu rechtfertigen und die angebliche Authentizität der Mittelalterbaustelle hervorzuheben, heißt es unter anderem: "Mit Eisennägeln wurde damals schließlich noch nicht gearbeitet." Selbstverständlich wurden bereits Eisennägel verwendet, wenn auch in beschiedenem Umfang. Hat die Zeitung sich ihre Fehlinformation selbst aus den Fingern gesogen oder stammt sie gar vom Campus Galli? Letzteres wäre keine Überraschung, da das Personal bereits des Öfteren mit Halbwissen und Ahnungslosigkeit glänzte.

➤ Für die Bauzeit sind "40 Jahre" veranschlagt, behauptet man. Dabei stimmt das schon lange nicht mehr. Frei nach Cheops' Gesetz (= alles dauert länger als geplant und kostet mehr als gedacht) räumen die am Projekt Beteiligten längst ein, dass selbst satte 40 Jahre Bauzeit völlig illusorisch sind.

➤ " [...] zum Ende der vierten Saison, ist endlich die große Holzkirche fertig geworden." Doppelt falsch: Erstens ist es keine "große Holzkirche", sondern ein kleines hölzernes Übergangskirchlein, das in zehn oder mehr Jahren durch einen Steinbau ersetzt werden soll; groß war höchstens die Inkompetenz der Verantwortlichen, die zu einer absurd langen Bauzeit führte, über die man selbst im Mittelalter den Kopf geschüttelt hätte. Zweitens soll besagtes Holzkirchlein erst in den kommenden Monaten komplett fertiggestellt werden. Der Artikelautor schreibt im Übrigen selbst: "... auf ihn (gemeint ist der Boden) wird im kommenden Frühjahr noch ein Estrich-Boden auf Kalkbasis mit viel Ziegelmehl aufgebracht." Wie muss es um das logische Denkvermögen von jemandem bestellt sein, der einen solchen Widerspruch nicht sofort erkennt und korrigiert?
Und überhaupt, woher nahmen karolingerzeitliche Mönche, die quasi mitten in der Wildnis aus dem Nichts das erste Gebäude ihres Klosters aufbauten, denn bitteschön "viel Ziegelmehl? Kein Wunder, dass sich der Geschäftsführer des Campus Galli - Herr Dr. weiß. nix. Hannes Napierala - bisher davor scheut, eine wissenschaftlich fundierte Dokumentation des rekonstruierten Holzkirchleins zu publizieren. Er müsste dann nämlich eingestehen, dass man nicht nur die historischen Quellen missachtet, sondern auch exzessiv der Unlogik frönt. Beides passt nicht recht zum eigenen wissenschaftlichen Anspruch, den man so gerne zwecks besserer Vermarktung des Projekts hinausposaunt.

➤ "Mit der Hand am Arm wird gemeißelt, nicht mit dem Presslufthammer." Soso, "mit der Hand am Arm". Wo bitteschön soll die Hand denn sonst angewachsen sein? Am Bein? Oder am Hintern, um sich dort besser kratzen zu können?
Von dieser ungelenken Formulierung abgesehen, werden die für die Baustelle benötigten Steine nicht - wie im Mittelalter üblich - händisch aus ihren natürlichen Lagerstätten gebrochen, sondern mittels Sprengstoff und Maschinen. Im Anschluss transportiert man sie zur Weiterverarbeitung per LKW zum Campus Galli. Der Herstellungsprozess beinhaltet demnach sehr wohl moderne Hilfsmittel und darf keinesfalls pauschal als historisch korrekt dargestellt werden.

➤ "Am Anfang wurden viele der Campus-Galli-Aktivisten noch milde belächelt." Aktivisten? *LOL*
Wer sich so einen sprachlichen Unsinn ausdenkt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Jedenfalls nicht ohne Mitwirkung eines guten Psychotherapeuten ;)


Dieser stalinorgelhafte Beschuss mit Mumpitz erweckt den Eindruck, als ob der Reutlinger General-Anzeiger und der Campus Galli ernsthaft darum bemüht sind, der Märchensammlung der Gebrüder Grimm neues Material hinzuzufügen.
So richtig interessant, um nicht zu sagen 'explosiv', wird es freilich erst am Ende des Artikels. Versteckt zwischen Lobhudelei heißt es dort nämlich:
Dennoch – "der Gemeinderat stand immer fast komplett hinter dem Projekt", sagt Bürgermeister Zwick dem GEA. Murren gab es auch nicht, als klar war, dass die finanzielle Unterstützung länger andauern würde als ursprünglich angenommen. "Am Anfang sind wir davon ausgegangen, dass wir drei bis vier Jahre, also höchstens bis 2017 finanziell unterstützen müssten. Mittlerweile gehen wir von mindestens 2019 aus", so Zwick.
Bei der Behauptung, man habe geplant, die Bezuschussung würde bis max. 2017 andauern, handelt es sich um - pardon - astreinen Bullshit (Zitat Homer Simpson). Dem Betreiber dieses Blogs liegen nämlich jene originalen Prognosen vor, die Grundlage für die finanzielle Förderung des Projekts waren. Daraus kann entnommen werden, dass der "Break Even Point" in der dritten Saison - also 2015 - hätte erreicht werden sollen (siehe nachfolgende Grafik).

Es besteht freilich Grund zur Annahme, dass der Meßkircher Gemeinderat insgeheim nie völlig davon überzeugt war, mit dem Projekt bis 2015 aus den Roten Zahlen herauszukommen, sondern lediglich aus taktischen Gründen der Öffentlichkeit gegenüber einen gegenteiligen Eindruck vermittelte. 
Nachdem dann aber bereits Millionen in das Projekt gebuttert worden waren, ließ sich leicht dahingehend argumentieren, dass unbedingt weitere Gelder zugeschossen werden müssen, um nicht einen Totalverlust zu erleiden. Vor genau so einem 'griechischen' Szenario - also einem Fass ohne Boden - haben die Kritiker von Anfang an gewarnt.
Erschwerend kommt nun hinzu, dass selbst jene aktualisierte Prognose, die der eigens installierte Geschäftsführer des Campus Galli 2014 mit viel Tamtam verkündete, plötzlich völlig obsolet ist. Ein Redakteur der Schwäbischen Zeitung, der dem Campus Galli durchaus zugetan ist, schrieb dazu damals:
In vier Jahren soll der Campus Galli finanziell auf eigenen Füßen stehen, ab 2018 soll es kein Defizit mehr geben. Die Berechnungen, die Geschäftsführer Hannes Napierala im Rat vorstellte, gehen von einer jährlichen Besucherzunahme von jeweils 25 Prozent aus. Napierala nannte das Rechenbeispiel „vorsichtig“ und „konservativ“ – demnach sei dies die denkbar schlechteste Entwicklung des zukünftigen Gästeaufkommens. Die Planung muss aber in jedem Fall aufgehen – eine Stagnation oder ein Rückgang der Besucherzahlen ist in diesem Konzept nicht vorgesehen. Sollte der positive Trend dieser Saison auch in den nächsten Jahren anhalten, kann der Plan gelingen, und die Stadt Meßkirch ist die Zuschüsse bald los. 
Im vergangenen April schrieb ich zu dieser als "konservativ" bezeichneten Kalkulation in einem offenen Brief an Hannes Napierala folgendes: 
"Und ich prophezeie Ihnen hier und heute überdies, dass der Campus Galli auch ab dem Jahr 2018 keinesfalls ohne Zuschüsse wird auskommen können. Sämtliche anderslautenden Prognosen werden sich als Bogus und billige Zeitschinderei entpuppen - daran besteht mittlerweile so gut wie kein Zweifel.
Was aber werden Sie dann machen? Neue Versprechen abgeben, in der Hoffnung, dass man Sie auf Kosten des Steuerzahlers eine weitere Runde drehen lässt? "
In Bezug auf den Campus Galli immer Recht zu behalten ist schon beinahe langweilig. Überdies ist es nur ein schwacher Trost für den Bürger, der hier von merkbefreiten Provinzpolitikern und Pseudowissenschaftlern in fahrlässigster Weise finanziell geschädigt wird. Daher scheint es sinnvoll zu sein, den baden-württembergische Bund der Steuerzahler auf den Plan zu rufen. Die entsprechende Kontaktadresse findet man übrigens hier:
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18. November 2013: Geurtens Mund, tut Nonsens kund
15. Jänner 2014: Bund der Steuerzahler kritisiert Campus Galli
22. April 2014: Die  Zahlenmagier vom Campus Galli
29. April 2014: Der Campus Galli - Ein pseudowissenschaftliches Laientheater
02. Juni 2014: Campus Galli: The show must go on!
04. August 2014: Hannes Napierala - Der neue Geschäftsführer des Campus Galli
10. September 2014: Der Campus Galli ist kein wissenschaftliches, sondern ein touristisches Projekt!
12. Dezember 2014: Der Campus Galli und seine Mittelalterversteher - Ein Fass ohne Boden
26. Jänner 2015: Gastbeitrag von Hannes Napierala: Zum Selbstverständnis des Projekts Campus Galli
30. Jänner 2015: Campus Galli: Nachbetrachtungen und neuer Unsinn von einem alten Bekannten
23. März 2015: Des Klosters neue Kleider - außen hui, innen pfui
12. Oktober 2015: Das potemkinsche Dorf Campus Galli - Ein kritischer Jahresrückblick
25. Oktober 2015: Weltsensation - Campus Galli rekonstruiert mittelalterlichen Traktor!
01. November 2015: Kauf dir ein paar Kritiker: Die fragwürdigen Jobangebote des Campus Galli
10. April 2016: Campus Galli: Offener Brief an den Geschäftsführer Hannes Napierala
28. August 2016: Der Campus Galli - Ein tolldreistes Medienmärchen
19. November 2016: Finanzmarode Mittelalter-Baustelle Campus Galli wird Prognosen wieder nicht erreichen!

Alle meine Beiträge über den Campus Galli - inkl. der hier nicht gelisteten Kurzmeldungen


Ausgewählte externe Beiträge und Artikel:

Karfunkel: Causa Galli - Was ist los am Bodensee? - OFFLINE
Aachener Zeitung: Dunkle Wolken über der Klosterstadt - Klick mich
Bund der Steuerzahler: Kommt die Kloster-Katastrophe? - OFFLINE
Zollern-Alb-Kurier: Meßkirch muss nachschießen - OFFLINE
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs):  Die Akte Campus Galli - Klick mich
Agis kritischer Bildbericht vom Campus Galli: Klick mich
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs): Spiegel Geschichte und der Campus Galli - Klick mich
Badische Zeitung: Mittelalter-Stadt "Campus Galli" - Weniger Besucher, mehr Kritik - Klick mich

Donnerstag, 17. November 2016

Krimskrams: Update zu Amazon-Fake-Rezensionen -- usw.

Update zu Fake-Rezensionen bei Amazon

Vor einer Woche habe ich hier auf ein bei Amazon angebotenes Buch hingewiesen, dessen vier Rezensionen allesamt Fälschungen waren. Nachdem mindestens drei Personen Amazon darauf aufmerksam machten, wurden diese Rezensionen endlich gelöscht. Doch leider, es handelt sich um keinen Einzelfall: Publikationen aus derselben Reihe wurden nach dem gleichen Schema mit bis dato jeweils vier gefälschten Rezensionen versehen, wie eine Blog-Leserin bemerkt hatte. Auch die Autorennamen der Bücher dürften Fakes sein - während die Bücher selbst hauptsächlich ein aus Copy & Paste zusammengestellter Ramsch sind: Klick mich

Zwar wurde Amazon auf die Ansammlung von systematischen Fake-Rezensionen per E-Mail hingewiesen, doch anstatt etwas Eigeninitiative zu entwickeln, antwortete man lapidar: 
"gerne würde ich Ihnen sofort weiterhelfen, benötige aber zum Auffinden der von Ihnen genannten Rezension noch weitere Informationen:

1) Name des Rezensenten/ Link zum Profil des Rezensenten
2) ASIN/ ISBN des Artikels
3) Datum der Rezension
Sobald uns Ihre Antwort erreicht, werden wir uns natürlich schnellstmöglich um eine Lösung bemühen."
Der Kunde soll also gratis die Arbeit des Multimilliarden-Konzerns erledigen? Die noch im Sommer propagierte härtere Gangart gegen Fake-Rezensionen dürfte demnach vor allem eine für die Öffentlichkeit bestimmte Show gewesen sein.
Ein Einzelfall ist diese provokante Trägheit freilich nicht, denn Heise.de hat erst kürzlich davon berichtet, dass man es bei Amazon selbst nach vier Jahren (!) noch nicht zuwege gebracht hat, eine beliebte Betrugsmasche bei Marketplace-Händlern zu unterbinden. Dabei wäre das technisch ohne Weiteres möglich.

Hätte ich bei Amazon etwas zu sagen, würde ich jene, die auf betrügerische Vorgänge aller Art hinweisen, mit Gutschriften belohnen. Ähnliches hat sich etwa auch bei der Suche nach Sicherheitslücken in Software durchaus bewährt. 

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Strohdoof oder ignorant?

Man vergleiche den Buchtitel mit dem Coverbild: Klick mich
Ich bin derlei Schmarrn ja von den Covern historischer Romane gewöhnt, aber bei einem Sach- oder Fachbuch sollte man schon etwas mehr Sorgfalt walten lassen ...

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Mittwoch, 16. November 2016

Hörbares: Faszination altes Ägypten -- Hallstätter Schweine -- Am Grab des Griffin Warrior -- Der Sonnenwagen von Trundholm



Faszination altes Ägypten - ein Gespräch mit dem Ägyptologen und Kulturwissenschaftler Jan Assmann | Spieldauer 37 Minuten | DR | Stream & Info, Direkter Download

Hallstätter Schweine und ihre Verwandten - Tierische Funde aus der Frühgeschichte | Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream & Info, Direkter Download

Am Grab des Griffin Warrior - archäologische Sensation im antiken Pylos | Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream

Der Sonnenwagen von Trundholm - Frühe Verehrung des Sonnenlaufs | Spieldauer 2 Minuten | DR | Stream & Info, Direkter Download

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