Dienstag, 24. Januar 2017

Hörbares: Umweltzerstörung in der Steinzeit -- Hahnenkampf unter Archäologen -- Neue Facetten in der Lutherforschung -- Erkenntnisse aus Skelettresten von Feuerbestattungen -- Das Pergamon-Museum

Umweltzerstörung in der Steinzeit | Spieldauer 6 Minuten | DR | Direkter Download

500 Jahre Reformation - Neue Facetten in der Lutherforschung | Spieldauer 50 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

Hahnenkampf unter Archäologen: Streit um Forschungskooperation Schöninge  | Spieldauer 6 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

Erkenntnisse aus Skelettresten von Feuerbestattungen |  Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

Das Pergamon-Museum in Berlin |  Spieldauer 4 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

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Samstag, 21. Januar 2017

Buch: 1066 - Englands Eroberung durch die Normannen

Der mittelalterliche Geschichtsschreiber Wilhelm von Malmesbury schrieb, der 14. Oktober 1066, als in der Schlacht bei Hastings die Angelsachsen Englands von einem normannisch-französischen Heer vernichtend geschlagen wurden, sei "ein Schicksalstag für England gewesen"; und die damaligen Ereignisee hätten "zur Zerstörung unseres geliebten Landes" geführt. 
Starker Tobak. Wie es aber überhaupt dazu kommen konnte, wie sich die Abfolge der Ereignisse gestaltete und wer die herausragendsten Protagonisten waren erläutert Dominik Waßenhoven in 1066: Englands Eroberung durch die Normannen (Verlag C.H. Beck).

Das Buch hat mich positiv überrascht. Entgegen meiner Befürchtung konzentrierte sich der Autor auf das Wesentliche und streift die Normannen gerade so viel wie es für die Erläuterung der Ereignisse nötig ist. Im Zentrum stehen stattdessen England und seine Bevölkerung, für die sich nach der Eroberung ihrer Heimat manches änderte - wie etwa der Umstand, dass die neue Oberschicht fremdsprachig war. Doch Dominik Waßenhoven relativiert hier ein wenig. Die Nachfahren der Normannen übernahmen die Sprache der Einheimischen relativ bald, reicherten sie allerdings mit viel eigenem Vokabular an, woraus sich Mittelenglisch - ein Vorläufer des modernen Englisch - entwickelte. 

Vor einigen Jahren hatte ich schon einmal etwas über die normannische Eroberung Englands gelesen. Daher fragte ich mich, ob mir dieses Buch - das zum 950jährigen Jubiläum der Schlacht von Hastings erschienen ist - überhaupt Neues würde bieten können. Doch das konnte es. Beispielsweise erfuhr ich, dass die normannischen Eroberer dem letzten englischen König - Harold Godwinsohn - erst Jahren nach seinem Schlachtentod bei Hastings rückwirkend die Legitimität absprachen. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als es wegen anhaltender Widerstände in der Bevölkerung aus politischen und propagandistischen Gründen sinnvoll erschien. In frühen Urkunden war Harold hingegen noch von den Normannen selbst als König bezeichnet worden. Demnach handelt es sich hier um einen typischen Fall von Geschichtsfälschung durch die Sieger.

Auf Fuß- oder Endnoten wurde verzichtet - was halbwegs verschmerzbar ist, da die Quellen zumeist im Text selbst genannt werden und sich der Autor durchaus kritisch mit ihnen auseinandersetzt. Überdies werden in einem eigenen Abschnitt die bedeutendsten historischen Quellen zur normannischen Eroberung behandelt.
An einer Stelle hat der Autor jedoch gepatzt: Und zwar als er den zugegebenermaßen sehr weit verbreiteten Irrtum wiederholte, der Überfall auf das nordenglische Kloster Lindisfarne sei die erste überlieferte Untat der 'Wikinger' gewesen. Ein Blick in die Angelsachsen-Chronik zeigt jedoch, dass dort ein mehrere Jahre zuvor erwähnter Überfall auf Portland ausdrücklich als erster Angriff der Wikinger (Normannen, Dänen) bezeichnet wird.

Fazit: Das Buch ist kurzweilig, informativ und den günstigen Kaufpreis von 9 Euro allemal wert.


Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Angelsachsen, Norweger und Normannen
- Kontakte und Konflikte
- Herrschaft und Erbe Knuts des Großen
- Angelsachsen und Normannen
- Rebellion in Northumbria

Fünf Könige und drei Schlachten - die Eroberung
- Die Schlacht von Fulford
- Die Schlacht von Stamford Bridge
- Die Schlacht von Hastings
- Von Hastings nach London

Widerstand
- Unruhen im Süden und Westen
- Der Norden erhebt sich
- Rückzug ins Moor
- Edgar Aetheling und Malcolm Canmore

Legitimation und Interpretation
- Wilhelms Legitimation
- Eduards Designation
- Harolds Ursupation

Folgen der Eroberung
- Land und Leute
- Burgen und Krichen
- Sprache und Identität
- 1066 - ein Epochenjahr?

Glossar

Bibliographie
- Quellen
- Literatur

Personenregister

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Weiterführende Informationen:

Hinweis: Interessanterweise hat der C.H. Beck Verlag gleichzeitig zum hier besprochenen Buch ein weiteres veröffentlicht, in dem ebenfalls die normannische Eroberung Englands behandelt wird. Eventuell ist es ganz interessant, allerdings ist es mir mit über 400 Seiten aus Zeitmangel im Moment zu umfangreich. Der Titel lautet: 1066 - Der Kampf um Englands Krone


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Donnerstag, 19. Januar 2017

Krimskrams: Die Uni als Tollhaus -- Das Blog hat eine neue Rubrik

Die Uni als Tollhaus

Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) ist ein bekannter Tummelplatz für Extremisten, Wirrköpfe und sonstige Aktivisten-Spinner, die der Allgemeinheit aufgrund mangelnder Arbeitsauslastung ständig mit ihrem quasireligiösen Missionierungseifer sowie einem unappetitlichen Belauer- und Denunziantenwesen auf den Wecker gehen. Nun scheint ein Teil dieser sogenannten Studentenvertreter völlig jedes Maß verloren zu haben; Zitat aus einem Zeitungsartikel
Für ordentlichen Spott sorgen jetzt die jüngsten Wildwüchse der sprachlichen Sittenwächter unter studentischen Uni-Vertretern. Mit einem "Gender Watch Protokoll" werden künftig Verstöße gegen die rot-grünen Gender-Ideologien bei Sitzungen der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) Salzburg minuziös dokumentiert.
Auszug gefällig? Einträge gibt es etwa wenn ein Student die "Augen verdreht", "nicht geschlechtergerecht spricht", eine "sexistische Wortmeldung" macht [...]".
Wen erinnert diese Wortkontrolliererei nicht an Orwells Roman 1984? Der dort beschriebene "Neusprech" war zu dem Zweck geschaffen worden, den Wortschatz der Menschen gezielt einzuschränken und zu verändern. Die Überlegung dahinter war (und ist): Wer die Sprache kontrolliert, kontrolliert auch die Gedanken.

Glücklich können sich jene schätzen, die ihr Studium bereits hinter sich haben oder zumindest ein Fernstudium absolvieren. Der leibhaftige Besuch eines dieser universitären Erziehungsheime, wo zunehmend jedes Wort auf seine Konformität geprüft wird, ist nämlich kaum noch jemandem zuzumuten. Längst ist in den meisten Unis der Damm, der den Wahnsinn von der Normalität trennt, gebrochen.

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Eine neue Rubrik ...

... befindet sich in der Navigationsleiste des Blogs - und sie heißt Interviews. Ich denke, diese Bezeichnung ist selbsterklärend 😏

Ich möchte auch 2017 wieder mehrere Interviews mit geschichtlichem bzw. archäologischem Bezug führen. Wenn jemand interessante Vorschläge hat, dann bitte nur her damit! Meine E-Mail Adresse lautet nach wie vor: h i l t i b o l d  [ a t ] b l o g s p o t . c o m

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Mittwoch, 18. Januar 2017

Videos:Die 'richtige' Aussprache von Latein -- Unterwasserarchäologie vor Helgoland

Die 'richtige' Aussprache von Latein | Spieldauer 14 Minuten | Youtube

In nachfolgendem Video von Metatron geht es um die sich deutlich unterscheidende Aussprache von klassischem und dem heute noch in Verwendung befindlichen Kirchen-Latein.
Ich selbst versuche seit einiger Zeit - wenn ich z.B. Passagen aus den Schriften von Cicero im Original halblaut lese - die Aussprache des klassischen Latein zu verwenden. Die Macht der Gewohnheit funkt mir dabei freilich immer wieder dazwischen. Es ist eben alles eine Übungs- bzw. Gewöhnungssache. Notiz am Rande: Die Aussprache, die bei uns im Lateinunterricht an Schulen üblich ist, ist eine absolute Katastrophe. 



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Unterwasserarchäologie vor Helgoland | Spieldauer 28 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

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Dienstag, 17. Januar 2017

Hörbares: Dendrochronologie -- Francois Villon -- Die Geschichte der Steuern -- Aus dem Apostel Junias wird Junia

Neues Labor für Dendrochronologie in Köln | Spieldauer 5 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

Francois Villon -  Ein Dichter des Mittelalters und seine deftigen Balladen aus dem Milieu der Huren und Gauner | Spieldauer 25 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Die Geschichte der Steuern - Zugemauerte Fenster und gestutzte Bärte | Spieldauer 19 Minuten | BR | Direkter Download

Neue Bibelübersetzungen - Aus dem Apostel Junias wird die Apostelin Junia | Spieldauer 8 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 15. Januar 2017

Ohren ab, Nase ab: Eine unschöne Episode aus dem 2. Punischen Krieg


Livius' Schilderung des 2. Punischen Kriegs - die sich vom 21. bis zum 30. Buch seines Geschichtswerks Ab urbe condita erstreckt - bietet nicht nur einen guten Gesamtüberblick, sondern ist auch voller wenig beachteter Randereignisse, die zwar keine große Relevanz für den Kriegsverlauf besaßen, aber nichtsdestotrotz häufig spannender und interessanter sind, als manch große Schlacht.
Besonders eindrücklich ist beispielsweise die Beschreibung eines Massakers, das die römische Garnison der sizilianischen Stadt Henna verübte. Angeblich befürchtete der Kommandant Verrat und ließ auf den bloßen Verdacht hin alle Einwohner niedermetzeln, nachdem sich diese ahnungslos auf dem Hauptplatz eingefunden hatten. Selbst Livius, der zumeist die römische Sichtweise vertritt, scheint von diesem Vorfall peinlich berührt zu sein und möchte der offiziellen Version - die auf vorsorgliche "Notwehr" hinausläuft - keinen rechten Glauben schenken. 

Ein noch bemerkenswerteres Ereignis trug sich in der Endphase des Krieges zu: Man schrieb das Jahr 205 v. Chr. Der karthagische Feldherr Hannibal hatte seinen Zenit längst überschritten, stand aber noch mit einem furchtgebietenden Heer im Süden Italiens. Sein neuester römischer Gegenspieler - Publius Cornelius Scipio (der später den Beinamen Africanus erhalten sollte) - stellte unterdessen in Syracus auf Sizilien ein Heer zusammen, um damit nach Nordafrika überzusetzen. Hannibal sollte durch diese Maßnahme gezwungen werden, Italien endlich zu verlassen, um seine Heimatstadt Karthago zu verteidigen. 
Mitten in Scipios Vorbereitungen platzte die überraschende Nachricht, dass die einst von Rom abgefallene Stadt Locri beabsichtigte, erneut die Seiten zu wechseln. Grund waren die ständigen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung seitens der in der Stadt liegenden karthagischen Garnison. 
Scipio ließ nichts anbrennen und segelte sofort mit einigen Schiffen nach Locri, um dort die bereits aus Rhegium angerückten römischen Truppen bei der Rückeroberung zu unterstützen. Doch auch Hannibal hatte Wind von der Sache bekommen und marschierte eiligst mit einem Teil seines Heeres los, um das Abfallen der Stadt zu verhindern; er kam allerdings zu spät. Nachdem klar war, dass eine der beiden zu Locri gehörenden Burgen bereits in römischen Händen war, die Bevölkerung auf Seiten der Römer stand und Scipio selbst das Kommando führte, zogen sich die Karthager zurück (Notiz am Rande: Hier, und nicht erst in Afrika (Zama), trafen Hannibal und Scipio das erste Mal als gegnerische Feldherren aufeinander). 
Nachdem die Stadt gesichert war, wurden einige romfeindliche Elemente hingerichtet und den Bewohnern von Scipio eine Standpauke für ihre einstige Untreue gehalten. Er versprach aber auch, dass man den Locrern ihre freiwillige Rückkehr zum Bündnis mit Rom durchaus positiv anrechnen werde. Sie mögen eine Abordnung an den Senat schicken, auf dass dieser alles Weitere entscheide. Das Kommando über die vor Ort stationierten römischen Truppen erhielt der Legat Pleminius; er hatte sich bei der Rückeroberung von Locri hervorgetan. Scipio selbst kehrte nach Sizilien zurück, um seine Vorbereitungen für die Invasion in Afrika voranzutreiben. (Ab urbe condita, 29. Buch 6,1-8,5)
Was nun, nachdem der Oberkommandierende erst einmal abgereist war, in Locri folgte, wirft ein äußerst übles Licht auf die heute noch so hochgelobte Disziplin der römischen Streitkräfte. Auch Livius ist sich dieses Umstandes nur allzu bewusst:

Nach ihrem einstigen Abfall von den Römern waren die Locrer von den Karthagern so hochmütig und brutal behandelt worden, dass sie maßvolle Übergriffe nicht nur gleichmütig, sondern fast sogar gern hinnehmen konnten. In der Tat übertraf aber Pleminius Hamilkar, den Kommandanten der (punischen) Besatzung, und die römischen Besatzungssoldaten übertrafen die der Punier so sehr an Grausamkeit und Habgier, dass sie sich nicht mit Waffen, sondern mit ihren Lastern zu messen schienen. Nichts von all dem, was einem Schwachen die Macht des Stärkeren verhasst macht, ließen der Anführer oder die Soldaten gegenüber den Stadtbewohnern aus; ihnen selbst, ihren Kindern und Frauen wurden unsägliche Schändlichkeiten zugefügt. Denn die Habsucht machte nicht einmal vor der Plünderung der Heiligtümer Halt; man vergriff sich nicht nur an den anderen Tempeln, sondern sogar an den Schätzen der Proserpina, die immer unangetastet geblieben waren, wenn man davon absieht, dass sie angeblich einmal von Pyrrhus geplündert wurden, der aber für seinen Tempelraub schwer büßen musste und die Beutestücke wieder zurückbrachte. [...]
Das Oberkommando lag bei Pleminius; ein Teil der Soldaten, die nämlich, die er selbst aus Rhegium herangeführt hatte, waren ihm, der andere Teil den Tribunen unterstellt. Nachdem er einen silbernen Becher aus dem Haus eines Bürgers geraubt hatte, traf der Soldat des Pleminius, verfolgt von den Eigentümern, bei seiner Flucht zufällig auf die Militärtribunen Sergius und Matienus. Als man ihm auf Geheiß der Tribunen den Becher wieder abgenommen hatte, kam es zu lautstarken Auseinandersetzungen und schließlich zwischen den Soldaten des Pleminius und denen der Tribunen zu einer Schlägerei, wobei - da jeder, der dazustieß, seinen Kameraden willkommen war - die Menge und das Durcheinander immer größer wurden.
Die Soldaten des Pleminius zogen den Kürzeren, liefen zu ihrem Kommandanten, zeigten ihm nicht ohne ein Geschrei der Entrüstung ihre blutenden Wunden und berichteten ihm von den Beschimpfungen, die gegen ihn selbst während des Gezänks erhoben worden waren. Daraufhin stürzte dieser wutentbrannt aus dem Haus, ließ die Tribunen rufen und gab den Befehl, sie zu entblößen und die Ruten herbeizuschaffen. Während sie entkleidet wurden - sie wehrten sich nämlich und flehten ihre Soldaten um Schutz an - verging einige Zeit. Wie wenn man gegen den Feind zu den Waffen gerufen hätte, liefen plötzlich Soldaten, in trotziger Begeisterung über ihren gerade errungenen Sieg, von allen Seiten zusammen. Und als sie sahen, dass ihre Tribunen bereits durch Rutenschläge verletzt waren, gerieten sie sofort erst recht in eine noch viel unbändigere Wut; und ohne Rücksicht nicht nur auf den hohen Rang, sondern auch auf die Menschlichkeit gingen sie gegen den Legaten los, nicht ohne vorher die Liktoren auf empörende Weise misshandelt zu haben. Dann rissen sie ihn von seinen Leuten weg, schleppten ihn beiseite, brachten ihm voller Feindseligkeit schwere Wunden bei und ließen ihn, die Nase und Ohren verstümmelt, halbtot liegen.
Wenige Tage nachdem diese Vorfälle in Messana gemeldet geworden waren, fuhr Scipio auf einem Sechsruderer nach Locri. Er hörte sich den Fall des Pleminius und der Tribunen an, sprach Pleminius von aller Schuld frei und beließ ihn auf seinem Posten in Locri, während die Tribunen für schuldig erklärt und in Fesseln gelegt wurden, weil sie nach Rom zum Senat geschickt werden sollten. Dann kehrte Scipio über Messana zurück nach Syrakus.
Pleminius glaubte, außer sich vor Zorn, dass das ihm zugefügte Unrecht von Scipio nicht ausreichend berücksichtigt und allzu leicht genommen worden sei und dass das, worum es in diesem Streit ging, nur von jemandem beurteilt werden könne, der den ganzen Horror am eigenen Leibe erfahren habe. Deshalb ließ er die Tribunen zu sich schleppen, sie mit allen Martern, die ein Körper erleiden kann, zerfleischen und umbringen; und er gab sich mit der Bestrafung der Lebenden nicht zufrieden, sondern ließ sie unbestattet auf die Straße werfen. Mit ähnlicher Grausamkeit ging er auch gegen die führenden Männer der Locrer vor, die, wie er hörte, zuvor zu Scipio gereist waren, um sich über die Ungerechtigkeiten zu beklagen. Und den schändlichen Taten, die er vorher aus Begierde und Habsucht an den Bundesgenossen verübt hatte, ließ er nun in seiner Wut immer weitere folgen und brachte Schande und Hass nicht nur über sich selbst, sondern auch über den Feldherrn (Scipio). 
(Ab urbe condita, 29. Buch 8,6-8,9)

Als die skandalösen Vorgänge in Locri nach Rom drangen, war dort der Teufel los. Scipio, der damals noch nicht den Gipfelpunkt seiner Karriere und Popularität erreicht hatte, wurde vor allem von politischen Gegnern vorgeworfen, dass er Pleminius auf seinen Posten belassen hatte und die Disziplinlosigkeit der Soldaten fördere. Nach heftigen Debatten im Senat wurde eine hochrangige Untersuchungskommission entsandt. Wohl auf deren Veranlassung wurde Pleminius, zusammen mit 32 Mitangeklagten, in Ketten nach Rom geführt und dort in den Kerker geworfen, wo er unter unbekannten Umständen starb, bevor ein Urteil über ihn gefällt werden konnte. Angeblich unternahm er zuvor noch den vergeblichen Versuch, mithilfe bestochener Handlanger Rom an mehreren Stellen gleichzeitig anzuzünden, um im allgemeinen Durcheinander entkommen zu können. 
Den Locrern aber gab man auf Beschluss des Senates nicht nur ihr geraubtes Hab und Gut zurück, sondern auch die volle kommunale Selbstbestimmung. (Ab urbe condita, 29. Buch 16,4-22,10)

Wäre diese Episode aus dem 2. Punischen Krieg nicht eine wunderbare Rahmenhandlung für einen spannenden historischen Roman? 
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Quelle / weiterführende Literatur:
  • Livius / Ursula Blank-Sangmeister (Übers.) | Ab urbe Condita, 29. Buch | Reclam Verlag | 2016 | Infos bei Amazon

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Mittwoch, 11. Januar 2017

Krimskrams: Germanen und Römer an die Wand genagelt -- Salz war im Mittelalter kostbar wie Gold (Fake-News!)



Mein alter Drucker (Canon IP4200) hat nach ziemlich genau 10 Jahren seinen Geist aufgegeben. Ich bin selbst überrascht, dass er so lange durchgehalten hat. Der von mir verwendete Scanner wiederum (HP ScanJet 3500) funktioniert zwar noch, ist allerdings mit einem Alter von rund 14 Jahren ein absoluter Methusalem. Dementsprechend lahm scannt er.
Daher habe ich mich dazu entschlossen, ein Kombigerät anzuschaffen. Nach ewig langem Suchen und Vergleichen entschied ich mich für den Brother DCP-J4120DW (kostet um die 120 Euro). Und was soll ich sagen, das Gerät funktioniert (bisher) wirklich erstklassig. Es scannt und druckt nicht nur schnell, sondern auch in ordentlicher Qualität. Außerdem sind die gewährten drei Jahre Garantie für einen Tintenstrahldrucker geradezu außergewöhnlich lang. Obwohl ein USB-Anschluss vorhanden ist (den muss man aber erst einmal finden!) wurde kein USB-Kabel mitgeliefert. Diese Geizhälse! Vermutlich war man der Meinung, das Gerät würden die meisten Leute sowieso nur mit WLAN betreiben. Nun, ich ganz bestimmt nicht, denn nichts ist unkomplizierter und verlässlicher als eine direkte Kabelverbindung.

Da mit dem Gerät auch A3-Ausdrucke möglich sind, kam ich auf die Idee, diesen Umstand zu nutzen, um die kahlen Wände meines Arbeitszimmers etwas zu verschönen. Ich holte die fünf in meinem Besitz befindlichen Hefte des Zeughaus Verlages hervor (Links dazu am Ende des Blogbeitrags), scannte insgesamt 12 Kriegerdarstellungen ein, druckte diese jeweils auf A3 aus, rahmte sie und hängte dann alles an die Wände des Arbeitszimmers. Vier Beispiele zeigt das nachfolgende Foto.



Ich bin mit dem Endergebnis sehr zufrieden. Anzumerken ist vielleicht noch, dass ich relativ dickes, fast schon kartonartiges Papier mit einem Gewicht von 200 Gramm/m2 verwendet habe. Grund: Da ich die Bilder in hoher Qualität ausdrucke, wird dadurch verhindert, dass sich bei einem stärkeren Tintenauftrag das Papier eventuell wellt. Beim Bestellen hatte ich allerdings übersehen, dass das Papier eigentlich primär für Laserdrucker vorgesehen ist (es hat eine glattere Oberfläche als Normalpapier) aber das Bedrucken funktioniert trotzdem auch mit meinem Tintenstrahldrucker hervorragend.

Die von mir ausgedruckten Bilder habe ich aus folgenden Büchern entnommen:

Anmerkung: Der dritte und letzte Teil der Merowinger-Reihe lässt leider schon seit einer halben Ewigkeit auf sich warten. Der Verlag verschiebt den Erscheinungstermin seit über einem Jahr immer wieder. 

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Fake-News: Kostbar wie Gold

Salz sei im Mittelalter so kostbar gewesen wie Gold, ist im Text zu einem ARD-Video-Beitrag zu lesen.
Die Bezeichnung Blödsinn wäre für diese Behauptung ein unzulänglicher Hilfsausdruck. Doch wie kommen Journalisten eigentlich immer auf derlei Unsinn? Können sie nicht logisch denken? Wenn nämlich Salz kostbar wie Gold gewesen wäre, dann würde das quasi bedeuten, sein Gewicht wäre dereinst mit Gold aufgewogen worden. Alleine die Vorstellung ist haarsträubend, schließlich war Salz in ganz Europa mindestens seit der Bronzezeit ein weit verbreitetes Konservierungsmittel. Zwar war es nicht dermaßen billig wie heute, wurde aber doch auch von einfachen Leuten verwendet. Siehe hierzu beispielsweise meine Beiträge über das Nahrungsmittel Fisch im Mittelalter und die Lebensmittel-Konservierung in der Antike.
Nun mag sich der geneigte Leser einmal die Frage stellen, wie es um den Wahrheitsgehalt der Nachrichten im Öffentlich-rechtlichen Dummfunk Rundfunk generell bestellt ist, wenn die Verantwortlichen nicht einmal in der Lage sind, so einen simplen Sachverhalt zu beachten.

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Videos:Archäologische Ausgrabungen -- Wie man eine Harfe baut

Aufwändige Ausgrabungen in der Mainzer St. Johanns-Kirche | Spieldauer 3 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info

Eine Grabplatte aus dem Speyrer Dom - Mittelalter trifft 3D-Scanner | Spieldauer 2 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info

Historische Funde in Trier | Spieldauer 3 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info
Anmerkung: Wieder einmal das altbekannte Messi-Syndrom der Archäologen - Lösung/Umdenken nicht in Sicht. 

Archäologischer Sensationsfund in Andernach - Eine römische Siedlung | Spieldauer 3 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info

(Off-Topic) Handwerkskunst: Wie man eine Harfe baut | Spieldauer 45 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info

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Dienstag, 10. Januar 2017

Hörbares: Mykene -- Speck vor 7000 Jahren -- Britisches Pompeki entdeckt -- Glaube versetzt Steine -- Wissenschaftsbetrug




Mykene - Historische Stadt und mythischer Ort | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Speck vor 7000 Jahren | Spieldauer 5 Minuten  | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Religion und Zivilisation - Glaube versetzt Steine | Spieldauer 27 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

Archäologischer Fund: "Britisches Pompeji" entdeckt |  Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

(OFF-Topic) Gefälligkeit und Betrug in der Wissenschaft - Von wegen objektiv... | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 8. Januar 2017

Buch: Aquädukte - Wasser für Roms Städte

Wenn man die Frage stellt, was für das Alte Rom besonders charakteristisch ist, dann lautet fast immer eine der Antworten: Aquädukte.
Überraschend ist das nicht, denn die römischen Bauwerke zum Transport von Wasser zählen nicht nur zu den technischen Meisterleistungen der Antike, sondern haben auch vielerorts die Jahrtausende überdauert und werden teilweise sogar heute noch genutzt.

Im Buch Aquädukte - Wasser für Roms Städte (Regionalia Verlag) erläutert der Archäologe Klaus Grewe sehr detailliert sämtliche Aspekte der römischen Wasserversorgung bzw. des Wasserleitungsbaus. So war man beispielsweise bereits bei der Wahl des anzuzapfenden Wasservokommens überaus pingelig und zog dementsprechend Quellwasser dem Wasser aus Flüssen vor. Ja man ging sogar soweit, gemauerte Wasserleitungen an der Außenseite zu verputzen, um das Eindringen von Fremdwasser zu verhindern. Gleichzeitig wurden aber auch ausgeklügelte "Sickergalerien" betrieben, in denen man das Einsickern von Grundwasser gezielt zur Wassergewinnung nutzte.
Weiters erläutert Klaus Grewe, wie die Leitungstrassen geplant wurden und mit welchen Hilfsmitteln man die Vermessung vornahm; erstaunlicherweise schaften es nämlich die antiken Baumeister Leitungen mit einem Gefälle von 0,14 Promille zu realisieren - das sind 14 cm Höhenunterschied auf einer Länge von einem Kilometer! Selbst mit den heutigen technischen Mitteln ist das Erreichen einer solchen Genauigkeit kein leichtes Unterfangen. Ähnliches gilt für den von den Römern in Holzverschalungen gegossenen/gestampften Beton (opus caementitium); dieser lässt sich bezüglich seiner Druckfestigkeit sogar mit den Methoden und Materialien des 21. Jahrhunderts kaum übertreffen.
Auch auf die Baustellenorganisation wird ein genauer Blick geworfen. Dabei zeigt der Autor auf, dass römische Wasserleitungen häufig in mehrere Baulose aufgeteilt waren. Das bedeutet, verschiedene Bautrupps begann an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig mit der Arbeit, was zwar einerseits den für die Errichtung nötigen Zeitraum drastisch verkürzte, andererseits aber auch eine äußerst präzises Arbeiten voraussetzte, damit die einzelnen Teilabschnitte z.B. bezüglich des Gefälles perfekt aufeinander abgestimmt waren (was oft, aber nicht immer gelang).

Man könnte die Liste der im Buch behandelten Aspekte des römischen Aquäduktbaus noch lange fortführen, denn der auf dieses Thema seit vielen Jahren spezialisierte Autor Klaus Grewe hat hier außerordentlich viele Informationen zusammengetragen. Mitunter überforderte/ermüdete mich dieser Detailreichtum aber offen gestanden. Außerdem wäre es sinnvoll gewesen, Fachbegriffe nicht nur sporadisch, sondern immer zu erläutern. Da diese Publikation sicher eine relativ breite Leserschaft ansprechen soll, sind derlei Auslassungen nicht ganz nachvollziehbar. Die Bebilderung mit Grafiken und Fotos wiederum ist außerordentlich reichhaltig und erleichtert das Verständnis der Texte doch sehr. Einziger kleiner Kritikpunkt hierbei: Vereinzelt sind die Fotos etwas grobkörnig oder unscharf, was speziell bei den großen ausklappbaren Panoramaaufnahmen auffällt.

Fazit:  Aquädukte - Wasser für Roms Städte ist eine im Großen und Ganzen durchaus gelungene Monographie. Für knapp 30 Euro erhält der Leser rund 400 dicht mit Informationen vollgepackte Seiten.

PS: Auf das Buch stieß ich durch einen interessanten Zufall; der Autor Klaus Grewe sitzt nämlich im Wissenschaftsbeirat des von mir so innig geliebten Campus Galli :)


Inhaltsverzeichnis (gekürzt):

Glossar
Vowort

Teil A: Aquäduktbau als Zeugnis großartiger römischer Ingenieurkunst
  1. Über Baumeister und Bauherren und den Schutz der Aquädukte
  2. Die Planungsprinzipien der römischen Ingenieure
  3. Die Vermessungsgeräte der römischen Ingenieure
  4. Die Einteilung der Baulose und die Gefälleabsteckung
  5. Die Wassergewinnung
  6. Gefälleleitungen - Rinnen und Rohre
  7. Aquäduktbrücken
  8. Tunnelbautenb
  9. Druckleitungsstrecken
10. Kleinbauwerke
11. Die Wassernutzung und Abwasser
12. Wasserkraftnutzung
13. Beispiele römischer Wasserleitungen
14. Die Nutzung römischer Wasserleitungen in nachrömischer Zeit

Teil B: Die Eifelwasserleitung - Aquädukt für das römische Köln und Steinbruch für die romanischen Bauten
  1. Der Römerkanal - Aquädukt für das römische Köln
  2. Der Römerkanal - Steinbruch des Mittelalters
  3. Die Translozierung des Römerknals in unserer Zeit

Literaturverzeichnis
Aquäduktmarmorkatalog (Fundorte in alphabetischer Reihenfolge)

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Donnerstag, 5. Januar 2017

Krimskrams: Eine potentiell peinliche Facebook Funktion -- Campus-Galli-Chronik -- usw.

Eine potentiell peinliche Facebook-Funktion

Die Krimskrams-Rubrik beginnt 2017 mit dem Campus Galli - und zwar in einem eher unterhaltsameren Kontext: Auf Facebook-Seiten findet sich rechts die Rubrik "Den Personen gefällt ebenfalls ...". Hier werden nach meinem Verständnis jene Facebook-Vorlieben verlinkt, die Besucher/Fans/Follower der eigenen Seite haben.
Und nun sehen wir uns doch einmal ein paar Beispiele an, die ich dank eines schon etwas länger zurückliegenden Leser-Hinweises auf der Facebook-Seite meines Lieblingsklosters entdecken konnte :)


- Gibt es eine nennenswerte Schnittmenge zwischen dem Social-Media-Fandom des bekannten Comicautors HC Strache und dem des Campus Galli? Zumindest scheint dies der Umstand nahe zu legen, dass ein im Hintergrund laufender Facebook-Algorithmus obigen Vorschlag einblendet. Was - wenn es denn zutrifft - durchaus interessant wäre, denn bisher hatten Beobachter den Eindruck, der Campus Galli würde neben Senioren und (zwangsverpflichteten) Schulklassen zunehmend das Öko-Hipster-Milieu anziehen - also nicht gerade typische FPÖ-Sympathisanten ;)

- Doch muss man die Öko-Hipster-These wohl nicht völlig über den Haufen werfen, denn da taucht ja auch noch Winfried KretschmannMinisterpräsident von Baden-Württemberg, in der Liste auf, und zwar deutlich häufiger als HC Strache - wie meine Beobachtung ergab. Dies dürfte darauf hindeuten, dass manch ein bei Facebook verkehrender Campus-Galli-Fan den Grünpolitiker gut findet; was in gewisser Weise zur groben Unwissenschaftlichkeit des pseudomittelalterlichen Bauprojekts passen würde, denn laut den kürzlich veröffentlichten Ergebnissen eines gesamtdeutschen Bildungstests schmiert Baden-Württemberg ausgerechnet in der Amtsperiode von Herrn Kretschmann massiv ab.

- Apropos Bildung: Ist das Auftauchen von Daniela Katzenberger als Indikator für eine mangelnde Intelligenz oder reduzierte rhetorische Fähigkeiten des durchschnittlichen Campus-Galli-Fans zu werten? Schauen wir und dazu doch einmal folgende Diskussion auf der Facebookseite des Projekts an, die sich unter der Rezension eines Besuchers zutrug; der Leser mag sich selbst ein Bild machen:

Quelle

Wie viele Verteidiger dieses Projekts mögen wohl ähnlich drauf sein? Meiner Einschätzung nach sind es einige. Die von Beobachtern als "sektenhaft" bezeichnete, weitestgehend farblose Einheitskleidung der Campus-Galli-Angestellten könnte demnach der mentalen Verfassung von manch Beteiligtem durchaus gerecht werden.

Erwachsenen-Humor - das erinnert mich an jenen Vorwurf, dass ein beim Campus Galli Tätiger Arbeitskolleginnen begrapscht haben soll. Die Haus- und Hof-Medien haben die Sache nie weiterverfolgt, ganz im Sinne der in das Projekt verstricken Politiker und Parteien, an deren Inseraten-Tropf sie hängen. Siehe dazu auch meinen Beitrag Campus Galli - Ein tolldreistes Medienmärchen.

- Und schließlich wird noch die Facebook-Seite Mittelalterlich Phantasie Spectaculum vorgeschlagen. Treffender könnte man auch den Campus Galli wirklich nicht beschreiben.


Natürlich habe ich aus gegebenem Anlass ein wenig nach dem Facebook-Menüpunkt "Den Personen gefällt ebenfalls" gegoogelt. Dabei fiel mir auf, dass ihn vor allem Unternehmer gerne entfernen würden, weil zu oft Konkurrenzfirmen vorgeschlagen werden. Auch beim Campus Galli befinden sich unter den Vorschlägen 'konkurierende' Freilichtmuseen: Etwa Guédelon und das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen. Wenn nun also der Facebook-Algorithmus hier ganz offensichtlich ins Schwarze trifft, dann dürfte er eigentlich auch bei den oben aufgelisteten Vorschlägen nicht völlig daneben liegen ...


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Campus-Galli-Chronik

Im vergangenen Jahr schlugen Leser und 'innen' mehrfach (ok, es war genau dreimal) vor, ich möge doch wieder einmal eine Jahreschronik des Campus Galli kritisch rezensieren bzw. auseinandernehmen.
Gerne, nur hat die Sache einen Haken: Ich finde die Vorstellung nicht sonderlich prickelnd, dieses schrullige Projekt finanziell zu unterstützen. Wer mir aber die aktuelle Jahreschronik (Infos bei Amazon) zuschicken möchte, der darf das gerne machen ;)

Übrigens, beim Campus Galli wurde im Frühjahr des vergangenen Jahres darüber lamentiert, dass es zunehmend schwer fällt, für besagte Chronik (qualifizierte) Autoren zu finden. Ist das nicht eigenartig? Schließlich werden die Projektbetreiber normalerweise nicht müde, ständig auf all die famosen Kapazunder des hauseigenen Wissenschaftsbeirates hinzuweisen. Wie kann es im Angesicht dessen sein, dass ein Mangel an Autoren herrscht?
Meiner Ansicht nach handelt es sich hierbei um einen weiteren Beleg dafür, dass der Wissenschaftsbeirat vor allem auf dem Papier besteht. Seine Aufgabe ist es die Presse zu beeindrucken und dem Projekt das so dringend benötigte Ansehen zu verschaffen. In der Realität sind die meisten Beiräte allerdings kaum eingebunden und engagieren sich auch dementsprechend wenig.

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"Denkmalzerstörer"

Es hat mich einigermaßen überrascht, dass mein Blogbeitrag "Denkmalschützer als Denkmalzerstörer" innerhalb der ersten 24 Stunden bereits 2000 Zugriffe hatte. Das ist deutlich mehr, als ein durchschnittlicher Einzel-Beitrag im gleichen Zeitraum erreicht. Dabei habe ich das Thema seit vergangenem September vor mir hergeschoben und lange herumüberlegt, ob ich überhaupt etwas dazu schreiben soll. Hätte ich auch nur geahnt, dass der Beitrag auf solches Interesse stößt, wäre ich stellenweise noch mehr ins Detail gegangen, denn gesagt ist dazu ja noch lange nicht alles.

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Mittwoch, 4. Januar 2017

Buch: Caligula

Seit einigen Jahren veröffentlicht der Reclam Verlag nach und nach die deutschen Übersetzungen der bekannten Herrscher-Viten des Gaius Suetonius Tranquillus (70–140 n. Chr.). Bisher erschienen sind jene von Caesar, Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero sowie den drei flavischen Kaisern Vespasian, Titus und Domitian. Ausständig sind noch die Lebensbeschreibungen von Galba, Otho und Vitellius; ich vermute, sie werden wegen ihrer Kürze gemeinsam in einem einzelnen Band veröffentlicht werden.

Caligula - der offiziell eigentlich Gaius hieß - gilt bis heute als einer der verruchtesten Kaiser des Römischen Reichs. Möglicherweise war er in charakterlicher Hinsicht sogar der übelste - schlimmer noch als der infantile Nero, der eineinhalb Jahrzehnte später an die Macht kam.
Selbst wenn nur ein Bruchteil der überlieferten Untaten zutrifft, so war Caligula doch zweifellos ein boshafter Schurke, dem - geisteskrank oder nicht - sehr viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen. 
Sueton schildert einleitend kurz Caligulas Abstammung und Kindheit, geht dann aber zügig zu dessen Herrschaft über, die von 37-41 n. Chr. dauerte und gewaltsam endete. Die Schilderung dieses vergleichsweise kurzen Zeitraums ist angefüllt mit den unterschiedlichsten Schurkenstücken, Skurrilitäten und Skandalen. Daneben lässt sich aus dem Text aber auch manch spannende Information über das römische Alltagsleben entnehmen - was für mich sogar ein wenig interessanter ist, als die großen historischen Ereignisse. So begaben sich beispielsweise laut Sueton viele Menschen bereits in der Nacht zur Pferderennbahn, um frühzeitig die besten der kostenlos angebotenen Plätze zu besetzen (ähnlich machen es auch heute noch die Besucher von Rockkonzerten). Interessant ist auch der Hinweis, dass Augustus Bilder seiner Enkel im Schlafzimmer stehen hatte - Tafelbilder dürften demnach bereits im Antiken Rom nichts Ungewöhnliches gewesen sein, obwohl wir heute darüber nur sehr wenig wissen, da nahezu ausschließlich Wandgemälde die Jahrtausende überdauerten (eine Ausnahme bilden die berühmten Mumienporträts).

Fazit: An Ursula Blank-Sangmeisters deutscher Übersetzung gibt es aus meiner Sicht nichts zu meckern. Sie ist zeitgemäß und liest sich sehr angenehm. Das Buch enthält außerdem ein Verzeichnis der enthaltenen Eigennamen, viele erklärende Endnoten, Literaturhinweise, eine Stammtafel, ein Nachwort und eine sehr gute Übersicht zum Inhalt und Aufbau der Vita Caligulas (über ein Drittel der 172 Seiten werden von all diesen Zusatzinformationen mit Beschlag belegt). Der Kaufpreis beträgt knapp 7 Euro.

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