Donnerstag, 23. Februar 2017

Krimskrams: Gab es Bücher in Kodex-Form schon im 8. Jh. v. Chr.? -- Warum kein Inhaltsverzeichnis?

Bei Wikipedia behaupten sie folgendes: 
Die Papyrusrolle blieb bis in das 2. Jh. n. Chr. die vorherrschende Buchform. Daneben gab es bereits seit dem 6. Jh. v. Chr. in Griechenland Frühformen des Kodex. Sie bestanden, wie wir von bildlichen Darstellungen (z. B. Schreiberstatuen von der Athener Akropolis) wissen aus zusammengehefteten, manchmal gewachsten Holztäfelchen.
Im ausgezeichneten Buch Formen und Stile: Antike (Benedikt Taschen Verlag, 1994) stieß ich hingegen kürzlich auf nachfolgende Darstellung einer antiken Grabstele. Darauf scheint ein Buch in Form eines Kodex abgebildet zu sein, das satte 200 Jahre vor dem von Wikipedia genannten Zeitpunkt angesiedelt ist; weiters sieht das Objekt keineswegs wie die zusammenklappbaren Wachstäfelchen aus, die bei Wikipedia als Kodex-Frühform genannt wurden, sondern vermittelt bereits den Eindruck eines typischen gebunden Buches, wie wir es z.B. aus dem Mittelalter kennen; sogar eine Buchschließe (?) ist vorhanden.

Oder haben wir es hier mit etwas zu tun, das nur zufällig eine außergewöhnlich große Ähnlichkeit mit einem Kodex besitzt?
Ein klein wenig stutzig macht mich nämlich der Umstand, dass sich die gestapelten Buchseiten (?) am Rand deutlich nach außen wölben; üblich ist nämliche eine konkave Form (oder zumindest sollten die Seiten gerade abfallen). Doch vielleicht handelt es sich bei dieser Darstellung lediglich um einen künstlerischen Mangel?
Etwas merkwürdig erscheint mir auch der Umstand, dass das 'Buch' entweder auf dem Kopf stehend oder von der Rückseite gezeigt wird. Aber eventuell hängt das mit der damals in dieser Weltgegend verbreiteten umgekehrten Schreibrichtung zusammen (ok, das ist eventuell eine extrem gewagte These)? Oder ist die abgedruckte Zeichnung einfach nur spiegelverkehrt - aus welchem Grund auch immer?

Fragen über Fragen - Buch aus dem 8. Jh. v. Chr. oder doch nicht?



Grabstele aus Kalkstein
(Südosttürkei, 8. Jh. v. Chr.)

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Warum kein Inhaltsverzeichnis?

Verlage sollten auf ihren Internetseiten den Infotexten der angebotenen Fach- und Sachbücher generell das jeweilige Inhaltsverzeichniss beifügen. Dieses sagt über den Inhalt oft mehr aus, als manch oberflächlicher Klappentext. Aber den meisten Verlagen scheint so ein einfacher Copy&Paste-Vorgang zu viel Arbeitsaufwand zu sein ...

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Dienstag, 21. Februar 2017

Hörbares: Von kleinen Gemächten großer Statuen -- Die Nibelungen -- Mit Kupfer aus der Steinzeit -- Geschichte der Satzzeichen -- Geschichte der Informationskontrolle

Zu kurz gekommen? Von kleinen Gemächten großer Statuen | Spieldauer 10 Minuten | Das geheime Kabinett | Stream & Info | Direkter Download

Die Nibelungen - Ein deutscher Mythos | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Mit Kupfer aus der Steinzeit - Wie der Mensch das erste Metall nutzte | Spieldauer 22 Minuten | ARD/BR | Stream & Info | Direkter Download

Punkt, Punkt, Komma, Strich - Die Geschichte der Satzzeichen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Zensur in der Literatur - Zur Geschichte der Informationskontrolle | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


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Montag, 20. Februar 2017

Video: Goldschatz von Bernstorf - Zweifel an Echtheit bleiben

Goldschatz von Bernstorf - Zweifel an Echtheit bleiben | Spieldauer 8 Minuten | ARD/BR | Stream & Info 

Das Kasperltheater um den bronzezeitlichen Fund geht offensichtlich lustig weiter. Naturwissenschaft vs. Geisteswissenschaft - mehr oder weniger.
Sehr verdächtig will mir jedenfalls der Umstand erscheinen, dass das kritische Gutachten einer Expertin in einer aktuellen Publikation zum Schatz ausgespart wurde.

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Sonntag, 19. Februar 2017

Buch: Selbstbetrachtungen (Marc Aurel)


Der Anfang von Roms Ende lässt sich mit guten Gründen bereits in der Regierungszeit des Kaisers Marc Aurel verorten. Eine verheerende Pest-Epidemie schwächte Land und Leute, während die germanischen Markomannen - als Vorboten der noch bevorstehenden Völkerwanderungszeit - Rom in einer bis dahin kaum gekannten Massivität militärisch herausforderten.
Während den sich über viele Jahre hinziehenden Feldzügen verfasste Marc Aurel in seinem Quartier an der Donau die heute als Selbstbetrachtungen bezeichnete Sammlung von Essays unterschiedlicher Länge: manche bestehen aus nur wenigen Zeilen, andere wiederum sind etwas umfangreicher.

Über die philosophische Qualität der vom Autor zu Papier gebrachten Gedanken maße ich mir kein Urteil an. Dazu fehlt mir die Qualifikation. Außerdem stehe ich der Philosophie ähnlich distanziert gegenüber wie der mit ihr verwandten Religion. 
Warum aber habe ich mir die Selbstbetrachtungen dann überhaupt gekauft? Ganz einfach: Ich wollte mehr über Marc Aurel erfahren - aus erster Hand. Und in der Tat findet sich vor allem im allerersten der insgesamt zwölf 'Bücher', in die das Werk unterteilt ist, so manch Persönliches aus dem Leben des Kaisers: Beispielsweise bedankt er sich beim Urgroßvater dafür, zuhause unterrichtet worden zu sein, anstatt auf einer öffentlichen Schule (kein Wunder, bei dem fragwürdigen Ruf, den römische Schulen bzw. die dort gepflegten Unterrichtsmethoden bereits in der Antike genossen). Kleine Zweifel am Urteilsvermögen des Philosophenkaisers kamen allerdings bei mir auf, als er sich für die wunderbaren Kinder bedankte, die ihm seine Frau geschenkt hat; schließlich war es Marc Aurels Sohn und Nachfolger Commodus, der durch Fehlentscheidungen und aufgrund schwerer charakterlicher Mängel die Krise des Römischen Reichs vertiefte. Doch eventuell hatte sich Commodus zu Lebzeiten seines Vaters einfach nur gut verstellt, sodass diesem verborgen blieb, wie ungeeignet der Sohnemann für das Herrscheramt ist.

Die vom Nikol Verlag angebotene Übersetzung ist leider nur einsprachig und außerdem schon relativ alt. Sie stammt nämlich aus dem 19. Jahrhundert und wurde von Karl (Carl) Cleß verfasst. Trotzdem ist der Text erfreulicherweise auch heutigen Lesern ohne weiteres zumutbar (inwieweit eine Überarbeitung stattgefunden haben könnte, entzieht sich meiner Kenntnis). Auf erklärende Fußnoten muss man allerdings verzichten. 
Weil für die Übersetzung das Urheberrecht längst abgelaufen ist, kann sie der Verlag sehr günstig anbieten. So kommt es, dass für diese optisch schön gestaltete Hard-Cover-Ausgabe lediglich sechs Euro verlangt werden. Bei diesem niedrigen Preis kann man zugreifen, ohne dabei viel falsch zu machen.

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Weitere Informationen: 

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Mittwoch, 15. Februar 2017

Krimskrams: Blog-Beiträge vertonen? -- Hastings-Reenactment -- Market for lemons / Fake News -- usw.

Blog-Beiträge vertonen?

Aus dem "Urlaub" war bereits nach zwei Tagen ein Krankenstand geworden: Grippaler Infekt, nichts ging mehr.
Während ich deshalb tagelang im Bett lag und die Maserung der Holzdecke bewunderte, kam mir wieder einmal der alte Gedanke in den Sinn, ob ich nicht einige meiner längeren Blogbeiträge vertonen sollte? Bevor ich allerdings ein ordentliches Mikrofon bestelle und mich damit in den Wandschrank setze, um in dieser von Kleidung gedämpften Umgebung eine halbwegs semiprofessionelle Aufnahme hinzubekommen, erscheint es sinnvoll, erst einmal das Handy zu zücken und dort einen Blog-Text raufzusprechen - zu Testzwecken. Gedacht, getan. Das Ergebnis war freilich furchtbar. Nein, ich rede nicht von der Tonqualität, von der habe ich mir sowieso nichts erwartet. Vielmehr war meine Sprechweise das Problem. Ich hatte versucht, die einzelnen Wörter besonders deutlich auszusprechen, also z.B. die Enden nicht zu verschleifen. Das gelang zwar, doch hörte sich das Ergebnis so ähnlich an, als ob ich für die Deutsche Wochenschau über den Kriegsverlauf berichte ^^
Bevor ich also wider versuche Blogbeiträge zu vertonen, werde ich ein wenig Sprachtraining absolvieren, damit sich das für den Hörer halbwegs gut anhört. Mal sehen, ob ich bis zum Sommer diesbezüglich etwas zusammenbekomme. Ich werde mich jedenfalls bemühen.

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Hastings-Reenactment: Verwunderung eines Lesers

Mit mehrmonatiger Verzögerung meinte ein Leser, er habe sich gewundert, dass ich mich im Herbst in einem Blogbeitrag über das Hastings-Reenactment lustig gemacht habe. Schließlich sei ich doch selbst Living-History-Darsteller.
Na ja, gezielt lustig gemacht habe ich mich über diese Veranstaltung nicht, aber Schlachten-Reenactment hat aus meiner Sicht fast immer etwas Lustiges, schwer Unrealistisches und manchmal auch Peinliches an sich. Daher bevorzuge ich sowohl als Besucher wie auch als Darsteller das Lagerleben, welches nicht nur gemütlicher, sondern auch lehrreicher ist. Andererseits ist mir natürlich schon klar, dass besonders nachgestellte Schlachten Besucher anlocken. Von daher hat das auch seine Berechtigung.

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Market for lemons / Fake News

Eine Leserin meinte, in einer von mir verlinkten Radiosendung würde "leider ein ganz schöner Blödsinn verzapft" werden. Nachdem ich die kritisierte Stelle angehört habe, musste ich der Einschätzung zustimmen. Es wird nämlich seitens eines 'Experten' behauptet, der berühmte Abenteurer, Forschungsreisende und Experimentalarchäologe Thor Heyerdahl hätte mit seiner Atlantikfahrt im Nachbau eines altertümlichen ägyptischen Bootes zu beweisen versucht, der weiße Mann sei schon vor den Konquistadores als Kulturbringer in Erscheinung getreten und habe so die Grundlage für die Hochkulturen dunkelhäutiger indigener Völker wie den Inkas usw. gelegt. Das aber sei ja quasi rassistisch.

Zweifellos, wer solche unverschämten Unterstellungen absondert, der ist nicht ganz richtig im Kopf bzw. leidet unter ideologiebedingter Verdummung. Schließlich wollte Heyerdahl mit seinem ägyptischen (!) Schilfboot die Möglichkeit eines Kultur- und Wissenstransfers zwischen Ägypten und Südamerika aufzeigen. Die Ägypter wiederum waren aber nicht hellhäutig, ja sie waren nicht einmal Europäer!
Den Sendungsmachern hätte dieser offensichtliche Widerspruch zum in den Raum gestellten Rassismusvorwurf/Eurozentrismus eigentlich auffallen sollen, es sei denn, sie sind geistig bereits ähnlich degeneriert wie der interviewte 'Experte'. Was ich annehme, denn Alt-Medien und Geisteswissenschaften haben zunehmend eines gemeinsam: Sie sind das, was man in der Ökonomie einen 'market for lemons' nennt; eine Abraumhalde für diejenigen, deren Qualifikation nicht dazu reicht, einen guten Job auszuüben. Solche Leute sind nicht imstande, Fehler in der Aussagelogik zu erkennen. 
Aber, liebe Leser, haltet euch einmal vor Augen, dass es ausgerechnet solche Pflaumen sind, die sich ständig als Diskusrslinienrichter und Erklärer der Welt aufspielen. Einfach nur beängstigend!

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Unverhofftes bei Amazon

Da suche ich bei Amazon nach Isopropylalkohol - um damit Leiterplatten sowie ICs zu reinigen - und was bekomme ich vorgeschlagen? Das hier. (Pfui Teufel!)
Was für schräge Algorithmen laufen denn da bitteschön im Hintergrund? 😃

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Dienstag, 14. Februar 2017

Hörbares: Rätselhafte Minoer -- Attila und die Hunnen -- Thor Heyerdahl -- Erkundungen im Übernatürlichen




Die Minoer - Das rätselhafte Volk Kretas | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Thor Heyerdahl - Held der Meere und Vorreiter der Experimentellen Archäologie | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & InfoDirekter Download

Attila und die Hunnen - Das Kriegervolk aus der Steppe | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Geister, Gespenster, Spukerscheinungen - Erkundungen im Übernatürlichen | Spieldauer 27 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

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Montag, 13. Februar 2017

"Tu es!" - Das gewaltsame Ende des Scheusals Caligula



Caligula - der offiziell eigentlich Gaius hieß - gilt bis heute als einer der verruchtesten Kaiser des Römische Reichs. Möglicherweise war er in charakterlicher Hinsicht sogar der übelste - schlimmer noch als der infantile Nero, der eineinhalb Jahrzehnte später an die Macht kam.
Selbst wenn nur ein Bruchteil der überlieferten Untaten zutrifft, so dürfte Caligula doch ein äußerst boshafter Schurke gewesen sein, dem - geisteskrank oder nicht (Stichwort "Cäsarenwahn") - sehr viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen.
Zwei typische Charaktereigenschaften Caligulas waren ein starker Hang zum Jähzorn und die Eifersucht auf die herausragenden Leistungen anderer Menschen. So kam es beispielsweise, dass der von Sueton als füllig und unbeweglich beschriebene Kaiser sich maßlos über den seiner Meinung nach zu großen Publikumsapplaus für einen siegreichen Wagenkämpfer ärgerte:
... da stürzte Caligula so eilig aus dem Amphitheater, dass er über den Zipfel seiner Toga stolperte und kopfüber die Stufen hinunter fiel (😃). Dabei schrie er außer sich vor Wut, dass das Volk, das die Welt beherrsche, aus völlig nichtigem Anlass einem Gladiator mehr Ehre erweise als dem vergöttlichten Fürsten oder ihm, der persönlich anwesend sei.(Sueton, Caligula 35, 3)
Weil Caligula (laut Sueton) schütteres Haar hatte (seine Porträt-Büsten sind wohl arg geschönt) ließ er angeblich sogar aus Neid einigen Männern mit vollem, lockigem Haar zwangsweise den Hinterkopf rasieren.
Besonders bekannt ist aber folgende Anekdote, mit der Sueton seinen Lesern wohl den schweren Dachschaden verdeutlichen möchte, unter dem Caligula gelitten haben soll:
Bei einem festlichen Bankett brach er (Caligula) plötzlich in schallendes Gelächter aus, und als die Konsuln, die ihm zur Seite lagen, sich höflich nach dem Grund seines Lachens erkundigten, sagte er: "Weshalb ich lache? Weil ein Wink von mir genügt, euch beiden auf der Stelle die Kehle durchschneiden zu lassen!" (Sueton, Caligula 32,3)
Man hat es hier also mit einem echten Ungustl zu tun, wie es in Österreich so schön heißt. Daher ist es wenig verwunderlich, dass Caligulas Umfeld im Laufe der Zeit eine tiefe Abneigung gegen ihn entwickelte. Die ständigen Schikanen und Drohungen wurden unter anderem Cassius Chaerea, einem altgedienten Soldaten und amtierenden Prätorianer-Tribun, zu viel. Gemeinsam mit anderen Offizieren der Prätorianergarde und mächtigen Freigelassenen schmiedete er einen Plan zur Beseitigung des Scheusals auf dem Kaiserthron. Ein äußerst riskantes Vorhaben, denn schon zuvor waren Verschwörungen gegen Caligula aufgedeckt worden, was für die darin verwickelten Personen und wohl auch manch fälschlich Beschuldigten zumeist einen schmerzvollen, langsamen Tod nach sich zog. Doch diesmal plauderte niemand. Sueton überliefert die dramatischen Ereignisse folgendermaßen:
Am 24. Januar (41 n. Chr.), etwa zur siebenten Stunde (= ca. 13:00 Uhr), war Caligula unschlüssig, ob er sich zum Mittagessen erheben sollte, da ihm die Speisen, die er am Vortag zu sich genommen hatte, noch schwer im Magen lagen; schließlich verließ er auf Zureden seiner Vertrauten das Theater. In dem überdachten Gang, den er durchqueren musste, trafen gerade vornehme Knaben, die aus Kleinasien herbeigeholt worden waren, um auf der Bühne aufzutreten, ihre Vorbereitungen; er blieb stehen, um ihnen zuzuschauen und gut zuzureden, und wenn der Leiter der Truppe nicht gesagt hätte, ihm sei kalt, wäre er an seinen Platz zurückgekehrt und hätte die Vorstellung beginnen lassen.
Für das, was dann geschah, gibt es zwei Versionen: Die einen erzählen, Chaerea habe den Kaiser, als er zu den Knaben sprach, von hinten mit einem kräftigen Schwerthieb am Nacken schwer verletzt, nachdem er zuvor "Tu es!" gerufen hatte. Dann habe der Tribun Cornelius Sabinus, der zweite Verschwörer, ihm von vorn die Brust durchbohrt. Nach dem anderslautenden Bericht ließ Sabinus die den Kaiser umgebende Menge (darunter laut Cassius Dio auch Caligulas Onkel und Nachfolger Claudius) durch eingeweihte Zenturionen entfernen, und fragte nach der Parole; als Caligula die Losung 'Jupiter' ausgab, soll Chaerea "Dein Wunsch sei erfüllt" gerufen und ihm, als er sich nach ihm umschaute, mit einem Schlag das Kinn gespalten haben. Als er zusammengekrümmt auf dem Boden lag und schrie, dass er noch lebe, gaben ihm die anderen Verschwörer mit dreißig Hieben den Rest. Für alle galt nämlich die Losung: 'Noch einmal!' Manche stießen ihm das Schwert sogar durch die Genitalien.
Beim ersten Lärm eilten ihm die Sänftenträger mit ihren Tragstangen zur Hilfe, bald darauf auch die germanischen Leibwächter und töteten einige der Attentäter und auch mehrere unschuldige Senatoren. (Sueton, Caligula 58,1-3)
Die Schilderung Suetons beinhaltet einen interessanten Punkt, der den meisten heutigen Lesern entgehen dürfte: Der Tribun Chaerea soll, als er Caligula mit dem Schwert in den Nacken hieb, "Tu es!" gerufen haben. Das war nicht einfach so dahergesagt, denn hierbei handelt es sich um eine religiöse Formel. Der römische Opferschlächter fragte nämlich den Priester vor dem Töten des Opfertieres: "Agone?" ("Soll ich es tun?"); woraufhin der Priester normalerweise antwortete: "Hoc age!" ("Tu es!"). Siehe dazu auch die obige Abbildung einer Opferszene.
Möglicherweise handelt es sich bei dieser Schilderung Suetons um eine bewusste Anspielung an eine Drohung Caligulas, der laut Cassius Dio einmal ausgerufen haben soll: 
O wenn ihr (das römische Volk) doch nur einen Nacken hättet! (Xiphilinos, 172,22-31)
Nun hatten ihm seine Mörder gezeigt, dass er selbst es war, der nur einen Nacken besaß. Sogar vom Fleisch des Ermordeten sollen einige Attentäter aus lauter Hass gegessen haben, berichtet Cassius Dio. Und er schließt seine fragmentarisch überlieferte Schilderung mit folgender lakonischer Bemerkung ab:
Nachdem Gaius (Caligula) in drei Jahren, neun Monaten und 28 Tagen all die berichteten Taten vollbracht hatte, musste er unmittelbar erfahren, dass er doch kein Gott war. (Xiphilinos 172, 20-22, Zonaras 11,7, Joann Antioch. fr. 84 M. (v. 11-14))
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Weiterführende Literatur: 

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Sonntag, 12. Februar 2017

Video: Frauen in gotischen Kriegergruppen

Frauen in gotischen Kriegergruppen | Spieldauer 50 Minuten | BR | Stream & Info

Prof. Hans-Ulrich Wiemer geht in diesem Video-Vortrag der Frage nach, welche Rolle jene Frauen spielten, die mit Theoderich dem Großen 474-488 auf dem Balkan umherzogen und schließlich in Italien angesiedelt wurden.

Dienstag, 31. Januar 2017

Das Blog pausiert



Hiltibold wandert in den Urlaub - das Blog muss daher pausieren. Am 12. Februar geht es hier wieder weiter. Bis dahin!

Video: Haut,- Knochen,- Hasen,- Fischleim und Gelatine -- Der "Juno"-Haarstil der Kaiserin Sabina

Antike Frauenfrisuren: Der Juno-Haarstil der Kaiserin Sabina

Janet Stevens rekonstruiert in diesem Video die Frisur der Ehefrau des Kaisers Hadrian mithilfe von einfachen Mitteln, wie sie wohl auch in der Antike gebräuchlich waren.




Haut,- Knochen,- Hasen,- Fischleim und Gelatine

Wer sich mit Rekonstruktionen historischer Objekte aus Holz beschäftigt, sollte nach Möglichkeit auf moderne Klebstoffe wie Weißleim verzichten. In folgendem Video bespricht ein Restaurator die Möglichkeiten, Holz mit natürlichen Mitteln äußerst wirkungsvoll zu verkleben.



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Sonntag, 29. Januar 2017

Buch: Houses and monuments of Pompeii

Pompeji zählt zweifellos zu den berühmtesten und umfangreichsten Denkmälern der Antike. Die Ruinen der im Jahr 79 n. Chr. von Vulkanasche verschütteten Stadt werden seit dem 18. Jahrhundert im großen Stil freigelegt, wobei es jedoch zu Beginn hauptsächlich um das Bergen von Kunstschätze ging, die den Sammlungen des Adels einverleibt werden sollten. Als sich diese Schatzgräberei dann im 19. Jahrhundert zur Wissenschaft der Archäologie weiterentwickelte, beschlossen die Brüder Fausto und Felice Niccolini eine mehrteilige Publikation zusammenzustellen, die Pompeji in seiner Gesamtheit einem breiteren Publikum bekanntmachen sollte: Ihr Titel war: Le case ed i monumenti di Pompei.
Nach über 40jähriger Arbeit konnte Antonio, der Neffe der beiden Brüder, das Werk im Jahr 1896 vollenden: Auf über 400 Farblithografien wurden Ruinen, Mosaike, Wandgemälde, Grundrisse von Häusern und vieles mehr großformatig dargestellt. Dem Betrachter wird aufgrund dieser Vielfalt ein facettenreicher Einblick in das Aussehen und Alltagsleben einer antiken Stadt gewährt.
Hinzu kommt, dass etliche der archäologischen Funde Pompejis aufgrund mangelhafter oder komplett fehlender konservatorischer Maßnahmen mittlerweile im Orignal nicht mehr existieren. Beispielsweise wurde ein im Buch abgebildetes Grabrelief, das außerordentlich interessante Details von Tierhatzen und Gladiatorenspielen zeigt, bereits kurz nach seiner Auffindung vom Winterfrost zerstört. Aus diesem Grund kann sich die heutige Forschung glücklich schätzen, zumindest auf die qualitativ hochwertigen Darstellungen der Brüder Niccolini zurückgreifen zu können.

Das Buch Houses and Monuments of Pompeii (Taschen Verlag) basiert, soweit ich das sagen kann, weitestgehend auf den ursprünglichen Publikationen von Fausto und Felice Niccolini. Allerdings wurde es unter anderem mit zwei interessanten Essays angereichert, die vom Kunstgeschichtler Sebastian Schütze und dem Klassischen Archäologen Valentin Kockel stammen. Letzerer ist auch für die erklärenden Texte verantwortlich, die den unzähligen Abbildungen beigefügt wurden. Sowohl die Essays wie auch die Bildtexte und weitere z.T. relativ umfangreiche Einschübe - in denen Beispielsweise auf Fehlinterpretationen bei bestimmten zeichnerischen Gebäuderekonstruktionen eingegangen wird - sind dreisprachig; Nämlich Englisch, Deutsch und Französisch. 

Abschließend möchte ich noch zwei kleine Kritikpunkte nennen: Es ist zwar sehr schön, dass man die archäologischen Funde mit großer Liebe zum Detail dargestellt hat, doch wäre es für den Leser von Vorteil, wenn diese Detailverliebtheit auch immer bei den dazugehörenden Bildtexten an den Tag gelegt worden wäre. Die sind nämlich beispielsweise bei den unten abgebildeten Gladiatoren-Helmen und medizinischen Geräten nur sehr rudimentäre ausgefallen. 
Auch verstehe ich nicht so ganz, warum der Verlag ein Papier verwendet hat, das in Längsrichtung eine rillenartige Struktur aufweist. Das fühlt sich zwar beim Blättern sehr gut zwischen den Fingern an, hat aber den Nachteil, dass diese Rillen bei einem bestimmten Einfallswinkel des Lichtes deutlich hervortreten. Manch Abbildung sieht dann aus wie das Produkt eines Tintenstrahldruckers, bei dem einige Düsen verstopft waren. Freilich, bei guter Raumausleuchtung fällt der beschriebene Umstand kaum ins Gewicht. Man sollte sich nur klar darüber sein, dass es sich hier um keine typischen Hochglanzdrucke handelt.

Fazit: Trotz der zwei kleinen Kritikpunkte gefällt mir das 649-seitige Buch in Summe recht gut. Alleine die Ausmaße von 8,9 x 40,6 x 48,3 cm - bei einem Gewicht von 5 kg - sind äußerst beeindruckend. Auch der Inhalt erschlägt den Leser aufgrund der schieren Menge an großformatigen Abbildungen regelrecht. Im Angesicht des Gebotenen relativieren sich daher auch die 150 Euro Kaufpreis.

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Da Bilder oft mehr als tausend Worte sagen, habe ich mit freundlicher Erlaubnis des Verlages folgende Beispiele aus dem Buch zusammengestellt, die einen kleinen Überblick geben, was den Leser erwartet.

Wer sich an die HBO-Fernsehserie Rome erinnert, dem dürfte die obige Abbildung eines Mosaiks bekannt vorkommen, da es zu Beginn des Vorspanns verwendet wurde. Zu sehen ist hier eine Setzwaage, die das Gleichgewicht vor dem Tod zwischen Reich (Links: Königsbinde, Purpurmantel, Lanze) und Arm (Rechts: Wanderstab, Überwurf und Beutel) symbolisiert. Auf dem Rad der Fortuna sitzt ein Schmetterling als Symbol der Seele.

Auf dieser Abbildung sind links verschiedenste medizinische Geräte zu sehen, die laut Beschreibung "in den Vesuvstädten" gefunden wurden - also wohl nicht ausschließlich in Pompeji, sondern auch in Herculaneum und Stabiae.

Funde von verschiedenen - mitunter außerordentlich prächtigen - Gladiatorenhelmen sind hier zu sehen. 

Sehr interessant ist die auf der rechten Seite abgebildete Badewanne aus Bronze, die aus einem Privathaus in Pompeji stammt und einen schönen Eindruck vermittelt, wie sich die Körperreinigung abseits der heute noch so berühmten Thermen gestaltete. Links sind Beispiele für Wachsetäfelchen abgebildet, die unter der Vulkanasche gefunden wurden.

Auf diesem Foto sind links einige archäologische Funde von Musikinstrumenten zu sehen: Zwei kleine mit einer Kette verbundene Becken (cymbala), ein sistrum sowie verschiedene Flöten.

Hier ist ein besonders interessanter Gegenstand dargestellt - und zwar handelt es sich dabei um eine Gerät, das vermutlich zum Erhitzen und Warmhalten von Wein (Glühwein) oder ähnlichen Heiß-Getränken diente. Ich habe dazu vor einiger Zeit einen kleinen Blogbeitrag verfasst. Die Ähnlichkeit zu einem mit Strom betriebenen Wasserkocher ist schon erstaunlich. Im Übrigens sieht man auf dem vergrößerten Bildausschnitt die rillenartige Struktur des Papiers, von der ich oben geschrieben habe.

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Weiterführende Informationen:

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Donnerstag, 26. Januar 2017

Krimskrams: Meine Aufbewahrung von Lederzeug -- Totaler Absturz der Altmedien -- Was modern art a weapon of the CIA?

Meine Aufbewahrung von Lederzeug

Ich weiß ja nicht, wie es die Living-History-Hobbyisten unter den Blog-Lesern machen, aber ich packe sämtliches Lederzeug (Schuhe, Gürtel, Beutel, Bänder, ...) zur Aufbewahrung in Plastiksäcke und stecke die dann in Schachteln (letzeres ist eine zusätzliche Fleißaufgabe, der Ordnung zuliebe). Das zuvor gut eingefettete Leder bleibt darin aufgrund geringerer Austrocknung lange geschmeidig und wir nicht rissig - auch nicht in beheizten Räumen.
Warum handhabe ich das so? Weil ich die Sachen nicht oft brauche und daher immer für längere Zeiträume einlagere. Mehr als zwei bis dreimal im Jahr betreibe ich kein Living-History. Es ist halt nicht mein Haupt-Hobby.
Bei meinen Messer und Schwertscheiden, die samt Inhalt an den Wänden hängen, sieht die Sache freilich anders aus. Die fette ich mindestens alle zwei Monate ein. Vor allem im Winter, wenn die Raumluft trocken ist, erscheint mir das sinnvoll.



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Totaler Absturz der Altmedien setzt sich fort

Uiuiui, wenn ich mir die neueste Medienanalyse für Deutschland so ansehe, dann verstehe ich, warum Journalisten seit einiger Zeit mit dem frechen Ansinnen um die Ecke kommen, der Steuerzahler möge doch zukünftig Zeitungen ähnlich kräftig und auflagenunabhängig alimentieren wie die Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten; und zwar weit über das hinausgehend, was bisher schon an Presseförderungen fließt.

Ein paar Beispiele für den schmerzlichen Leserverlust: Die Welt verliert 7 % gegenüber dem Vorjahr, die Zeit 3,2 %, der Spiegel 2,7 % , die Bild 10,2 % und die FAZ 6,8 %.

Diese Leserflucht ist wohl kaum nur das Ergebnis eines sich ändernden Medienkonsumverhaltens. Nein, wer nämlich bis dato in nie gekannter Menge 'Fake News' produziert - sei es vorsätzlich oder aus Schlamperei - der bekommt dafür selbstverständlich im Laufe der Zeit die entsprechende Rechnung präsentiert. Das belegt auch der Umstand, dass die Beschwerden beim deutschen Presserat zwischen 2009 und 2015 um satte 86 Prozent gestiegen sind.

Übrigens: In Deutschland hat man einen neuen Presseausweis eingeführt. Wer nicht hauptberuflicher Journalist ist, der bekommt den einfach nicht (in Österreich ist die Lage ähnlich). Man sollte das keinesfalls als qualitätssichernde Maßnahme verstehen, sondern als bewusst platzierten Knüppel zwischen den Beinen von Bloggern sowie anderen Unabhängigen, die sich außerhalb des politisch-medialen Filzes bewegen und nicht so leicht durch Druck von oben (Chefredakteur, Herausgeber, wichtige Werbekunden) fremdgesteuert werden können; ich erinnere hier nur an jenes unschöne aber typische Beispiel, das von mir bereits in einem Blogbeitrag über die Verquickungen von Campus Galli und Medien erwähnt wurde.
Doch nicht nur der Politik nutzt so ein Presseausweis, um sich Einfluss zu sichern. Auch die Altmedien selbst profitieren, da sie damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den meisten freien Internetmedien erlangen.

Wie sieht es derweil in den USA aus? Dort hat die neue Administration laut dem Guardian angekündigt, man wolle den "press briefing room" des Presidenten bzw. seines Sprechers wechseln. Nämlich vom derzeitigen Saal in einen größeren, unweit entfernten. Statt wie bisher 49 Plätze gäbe es dort rund zehnmal so viele, hieß es. Auch Blogger und andere Internetmedien würden so endlich zum Zuge kommen. Eine gute Sache also.
Den etablierten Altmedien der sogenannten White House Correspondent Association hat das in ihrem elitären Stolz gar nicht gepasst und sie geiferten deshalb tagelang herum. Das Weiße Haus zog die Konsequenz daraus und belässt die Korrespondenten wohl dort wo sie auch bisher waren. Doch handelt es sich hierbei um eine Art Pyrrhussieg, denn Internetmedien werden trotzdem akkreditiert, was - weil eben der Platz im alten Saal sehr begrenzt ist - dazu führen dürfte, dass einige Vertreter der etablierten Medien Ihre Sessel räumen müssen. Ja, so blöd kanns laufen.
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Über die Abgründe des Journalismus werde ich in der Krimskrams-Rubrik zukünftig immer wieder einmal etwas schreiben.

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Was modern art a weapon of the CIA?

Hört sich das nicht wie eine klassische Verschwörungstheorie von Leuten an, die Schüttbildern und ähnlichen Schmierereien auf Krabbelstuben-Niveau partout nicht die Bezeichnung "Kunst" zugestehen wollen? Interessanterweise ist es aber nicht irgend ein dahergelaufener Spinner, der diese Frage stellt, sondern ein renommierter Kunstkritiker. Und die Antwort, die er darauf findet, ist doch sehr spannend. Hier geht es zum Artikel auf der Internetseite der BBC.

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